Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 12 (9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
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Nr. 12 September 1938 „Jüdisches Gemeindeblalt für Frankfurt" Seite 23 Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beitrage und Zuschriften sind zu richten an Frau Steohnnle Forchhelmer. Frankfurt a. M., Schumannstr. 9 Eindrücke von einer Sitzuno: der Reichsvertretung der Juden in Deutschland Ueber die Eindrücke bei der Silzung des Rats bei der . Reichsverirelung der Juden in Deutschland als Frau etwas zu sagen, ist deshalb nicht ganz leicht, weil sich das sachliche Urteil - und' nur nach diesem Gesichtspunkt darf gewertet werden - nicht wesentlich von dem» des Mannes unterscheiden kann. Eine den Frauen nachgerühmte gefühlsbetontere Beurteilung der Dinge läßt sich im Hinblick auf diese Sitzung nur bedingt durchführen, denn die Gegebenheiten beherrschen die Situation. Es gibt natürlich Fragen, die nicht allein mit dem Rechenstist und der Ratio zu entscheiden wären, und bei denen eine Ergänzung vom Sachlichen zum Irrationalen ein „plus" bedeuten könnte,- Dinge, bei denen ein Einspruch aus dem Empfinden einer Frau für die Entscheidung Bedeutung gewinnen könnte,- es kommt aber auf die Situation und •die zur Beratung stehende Materie an. Ein Gremium, wie die Reichsvertretung, das in schweren Schicksalsjahren das Judentum in Deutschland zu vertreten hat, muß Menschen in sich vereinen, die sich ihrer Verantwortung bewußt sind. Es geht nicht um ein Amt, sondern um eine Aufgabe, um eine Verpflichtung, um Verantwortung. Der Rat der Reichsvertretung hat über Fragen abzustimmen, die für unsere jüdische Gemeinschaft von weitgehender Bedeutung sind und ihre religiösen, sozialen, kulturellen und -wirtschaftlichen Nöte betreffen. Von jeder Entscheidung hängt viel ab, hinter jeder Debatte steht die bange Frage: wird nach dem „Ja" oder „Nein" dieses Beschlusses eine Erleichterung geschaffen werden können, die den Organisationen wie dem einzelnen jüdischen Menschen weiter hilft? Alle Beschlüsse, die der Präsidialausschuß dem Rat zur Entscheidung vorlegt, - sind von Kommissionen, in denen Fach- und Sachberater, beste Kenner der Materie, arbeiten, durchberaten,- das gilt es in der Diskussion zu bedenken. Wenn etwa der Haushalt-Ausschuß Sparmaßnahmen für die Sozialarbeit anordnet, deren Auswirkungen man deutlich vor sich sieht, möchte man zwar gern - gerade als Frau - in der Ueberzeugung dagegen sprechen, •daß über Sparmaßnahmen in Wohlfahrtsfragen einer Frau ein Urteil einzuräumen sei (leider ist im Haushalt-Ausschuß lceine Frau), man möchte sich für Alters- und Kinderheime, für die Bathe Chaluz einsetzen, wenn nicht der Gedanke mitschwingen würde, daß angesichts der wachsenden Not auch berechtigte Wünsche verstummen müssen. Ja, man gewinnt Verständnis für Entscheidungen, die so und nicht anders ausfallen müssen, schließlich quittiert man noch in dankbarer Bewunderung — gerade als Frau — die für die Zwecke der Wohlfahrt gewährten Summen. Anders ist es, wenn Fragen zur Erörterung stehen, die sich . direkt an die. Frau wenden, wie Mädchen-Erziehung und -Weiterbildung, Hausfrau.. Chaluza oder Hausgehilfin, — da ist es notwendig und wichtig, zu Problemen Stellung zu nehmen, denen Männer beim besten Willen nicht ganz gerecht werden. Ein Grundsatz gilt jedenfalls für Alle: „Nur dann etwas sagen, wenn es gesagt werden muß!" Diese Disziplin ist selbstverständlich. - Zu den nachhaltigen Eindrücken der Sitzung gehört die verehrungswürdige Persönlichkeit des Präsidenten Rabbiner Dr. Baeck, der in edler Würde die Verhandlungen zu einer Geschlossenheit zu führen vermag, vor der jeder Widerstreit zum Schweigen kommt. Den Ausdruck seines Wesens gibt die Resolution wieder, der die Versammlung in- Ergriffenheit zustimmte. Die letzte Ratssitzung hat die langersehnte Einigung und Vereinigung aller Kräfte der jüdischen Gesamtheit in Deutschland gebracht. Die Gründung des Reichsverbands hat die autoritäre Stelle geschaffen, die für jede Jüdische Gemeinde in Deutschland, wie für jeden Einzelnen in ihr, verbindlich und verpflichtend ist. Der Ring hat sich geschlossen. Alle Kräfte wollen dem einen Gedanken dienen, sich der Aufgabe stark zu zeigen, die Schicksal und Stunde uns zu lösen gebieten. Zu den vielen Pfeilern, die den „Reichsverband" tragen und stützen wollen, muß auch die jüdische Frauenwelt gehören; sie muß beweisen und zeigen, was es heißt „eine Verantwortung mittragen zu helfen." Cilly Neuhaus Mitglied des Rats beim Reichsverband der Juden in Deutschland. Praktische Säuglingspflege im Haushalt Zu den weiblichen Berufen, deren Erlernung für die Auswanderung von besonders großer Bedeutung ist, gehört in erster Linie die Säuglingspflege. In den Säuglingsheimen werden wohl überall Jahreskurse abgehalten, die aber nur «eine verhältnismäßig geringe Zahl von Anwärterinnen erfassen können und nur für solche in Betracht kommen, deren Auswanderung nicht unmittelbar bevorsteht. Nun hat die Erfahrung erwiesen, daß sehr viele Mädchen und Frauen, die kurz vor der Auswanderung stehen, den Wunsch haben, einige Monate praktisch in der Säuglingspflege zu arbeiten, ■um, mit diesen Kenntnissen ausgestattet, im Ausland eine entsprechende Stelle erhalten zu können. Die Heime und An- .stalten sind meist nicht in der Lage, solche kurzfristigen Kurse abzuhalten, da einerseits die Zahl der Säuglinge nicht ausreicht, andererseits solche Einzelschülerinnen, die sich von Fall zu Fall melden, auf die Dauer eine Störung des Beiriebes verursachen würden. Es ist aber ein Gebot der Stunde diesen, teils jüngeren, ieils reiferen Menschen die Möglichkeit einer praktischen Ausbildung zu bieten. Da könnten nun die Privathaushalte mit jungen Müttern und Säuglingen tatkräftig eingreifen, indem sie eine solche Anwärterin zur Anleitung in der Säuglingspflege und gleichzeitig zur eigenen Hilfe bei sich aufnehmen. Damit wäre beiden Teilen gedient.- die Schülerin •hätte die Möglichkeit der praktischen Ausbildung, und die junge Mutter hätte eine Erleichterung. Die Vereinbarungen müßten jeweils getroffen werden, da in diesen Fällen die Verhältnisse der betreffenden Familien und der Schülerin ausschlaggebend wären und sich die Partner daraufhin zu einigen hätten. Dieser Anregung soll in diesen Blättern Raum gegeben werden, um keine Gelegenheit zu versäumen, unserer Jugend, die in fernen Ländern ihren Erwerb suchen muß, ein nötiges Rüstzeug mit auf den Weg zu geben. Stephanie Forchheimer Anmeldungen von jungen Müttern, sowie Anwärterinnen zur Erlernung der Säuglingspflege werden in der Zweigstelle des Jüdischen Frauenbundes, Quinckestraße 24 (Montag, Dienstag und Donnerstag von 10 bis 12) mündlich oder schriftlich entgegengenommen. September-Programm des Mädchenklubs (Quinckestraße 24) Montag : Gemütliches Zusammensein, Englisch, Rhythmische Gymnastik. Dienstag: Schneiderstunde, Englisch. Mittwoch: Flicken, Englisch. Donnerstag: Garnieren von Hüten, Englisch. Die modernen LUNCHEON- und DINNER-SETS DAVID & MEYER GOETHE-ST RASSE 20