Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 16 (1937-1938)
- Issue
- 11 (8.1938)
- Date
- 1938-08-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
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Seite 22 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 11 August 1938 i Bekanntmachungen des Steueramts 11 Betrifft Kultussteuer 1937/38 Es wird dringend ersucht die noch bestehenden rückständigen Steuern und Gemeindegeld unverzüglich zu entrichten. Betrifft Kultussteuer 1938/39 Die ersten Raten der Veranlagten und der Nurlohnsteuerpflichtigen sind längst fällig gewesen. - Sofern eine Veranlagung noch nicht erfolgt ist, sind die vorgeschriebenen Vorauszahlungen zu leisten, die auf die endgültige Veranlagung angerechnet werden. Wir ersuchen die Gemeindemitglieder dringend, die noch Bestehenden Rückstände unverzüglich zu entrichten. Nach vergeblicher Mahnung erfolgt die Beitreibung zuzüglich der Kosten im üblichen Verfahren. Alle Kulfussteuer- und Gemeindegeldzahlungen sind an die Steuerkasse der Israelitischen Gemeinde, Fahrgasse 146, (Postscheckkonto Nr. 800 Ffm.) zu leisten. Ausgenommen sind lediglich Zahlungen auf Rückstände, die sich in Vollstrekkung befinden. Solche Rückstände sind an die Finanzkasse zu leisten, von der sie vollstreckt worden sind. Die Steuerkasse der Israelitischen Gemeinde ist werktäglich von 8x/2 bis 12V2 Uhr geöffnet. Die Sprechstunden finden zu gleicher Zeit statt. Jede gewünschte Auskunft wird bereitwilligst erteilt. Für altere und gebrechliche Personen steht der Personenaufzug zur Benutzung frei. Frankfurt am Main, den 20. Juli 1938 Vorstand der Israelitischen Gemeinde Sieueramt An die Gemeindemitglieder! Hierdurch ersuchen wir wiederholt, uns umgehend zwecks Veranlagung zu den Kultusbeiträgen (Gemeindeumlagen) 1938/39 den Einkommensteuerbescheid 1937 und den letzten Vermögensteuerbescheid werktäglich zwischen 81/2 und 12x/2 Uhr oder zwischen 151/s und 18 Uhr im Gemeindehaus, Fahrgasse 146, Zimmer 40 II. Stock (Sieueramt) vorzulegen. Die Bescheide können auch gegen sofortige Rückgabe zu treuen Händen per Post oder per Boten übermittelt werden. Sollten die Bescheide noch nicht im Besitze der Pflichtigen sein, so bitten wir, uns dies kurz mitzuteilen. Wer die Uebersendung der Bescheide unterläßt, hat die Veranlagung zu den Gemeindeumlagen im Wege der Schätzung zu erwarten. Frankfurt a. M., im Juli 1938. Vorstand der Jsraelitischen Gemeinde Persönliche Nachrichten Sally Grünebaum s. A. Am 25. Juni ist der Bestattungsleiter unserer Gemeinde und Synagogenwart der Hauptsynagoge Sally Grünebaum plötzlich verstorben. Sally Grünebaum, der am 14. Mai 1880 zu Crumstadt (Kreis Groß Gerau) geboren wurde, ist seit 1910 in unserer Gemeinde tätig gewesen. Zunächst in der Westendsynagoge und im Bestattungswesen beschäftigt, kam Sally Grünebaum im Jahre 1923 als Synagogenwart in die Hauptsynagoge. Zu dieser Funktion übernahm er 1928 die Leitung des Bestattungswesens. In diesen seinen Tätigkeiten ist Sally Grünebaum mit weitesten Kreisen unserer Gemeinde in schönen und schweren Stunden in Beziehung gekommen. Ueberau hat er sich durch sein taktvolles, freundliches Wesen, seine Ruhe und Hilfsbereitschaft Dank und Zuneigung gesichert. Sally Grünebaum hat den Weltkrieg während seiner ganzen Dauer mitgemacht. Mehrmals verwundet und mit höchsten Auszeichnungen geehrt - Grünebaum hatte u. a. das Eiserne Kreuz, die Hessische Tapferkeitsmedaille - hat er sich mit gleicher Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit den Aufgaben gewidmet, die sein Beruf ihm stellte. Der Mann,' der im Kreise seiner Mitarbeiter Freundschaft spendete und empfing, hat auch in seiner engeren und weiteren Familie Liebe gesät und geerntet. Seine Gattin und seine Söhne verlieren in ihm den treusorgenden Mann und Vater, mit ihnen trauern die Freunde und Mitarbeiter um den geschätzten Freund. Bei der Beerdigung am 27. Juni ließ Rabbiner Dr. Salzberger ein Bild Sally Grünebaums erstehen, auf den er die Worte anwendete, die vom Hohepriester Aaron zu lesen sind: „Er eilte mitten hinein in die Gemeinde" und „Er stand zwischen den Lebenden und den Toten". Ein Mitglied des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten zeichnete Sally Grünebaums Verdienste als Soldat und Kamerad. Das Andenken dieses Mannes wird bei allen, die ihn kannten, in hohen Ehren gehalten werden! Paul Lion s. A. Mit dem am 7. Juli 1938 im Alter von 68 Jahren verstorbenen Herrn Paul Lion, Eschersheimer Landstraße 39, dem früheren Mitinhaber der angesehenen Firma Lion, Winnen & Co., Frankfurt am Main hat unsere Gemeinde einen warmherzigen Förderer verloren, der insbesondere unserer Beratungsstelle auch stets mit seiner reichen kaufmännischen Erfahrung zur Seite gestanden hat. 70. Geburtstag Frau Mathilde Homburger, Gwinnerstraße 3, jetzt Rankestraße 26, feiert.am 17. August 1938, in voller Rüstigkeit und Frische ihren 70. Geburtstag. Silberne Hochzeit 17. August: Isaac Levi und Frau Jenny, geb. Schönauer, Obermainanlage 24. Jüdischer Sport in Frankfurt Am 17. Juli waren in Frankfurt die Entscheidungsspiele um die Makkabi-Meisterschaft irti Fußball und Handball. Bar Kochba Frankfurt verteidigte auf eigenem Platze (Sondershauserstraße) seine beiden Titel gegen Bar Kochba/Hakoah Berlin. Fast 500 Zuschauer, besonders viele Jugendliche, wurden Zeuge der Kämpfe. Das Ergebnis befriedigt vollauf,- fielen doch die beiden Titel den Würdigsten und Besten erst nach sehr hartem Kampfe zu. Im Handball stand die Entscheidung erst nach Verlängerung fest. Zum zweiten Male gewann Bar Kochba Frankfurt wirklich verdient die Makkabi-Meisterschaft — wenn auch recht knapp 8 :7. Die Berliner' hatten die besseren Einzelkönner, Frankfurt zeigte aber die einheitlichere Zusammenarbeit. Nach einer großen Schwächeperiode in der zweiten Hälfte bei Bar Kochba Frankfurt gehörte die Verlängerung klar den Frankfurter Makkabim. Der Kampf hatte schärfstes Tempo. Das F u ßballspiel aber ließ sehr zu wünschen übrig. Mag sein, daß Bar Kochba Frankfurt (zum ersten Male ohne seinen Standardverleidiger Girgusky) in der neuen Besetzung die alte Durchschlagskraft verloren hat; jedenfalls kamen keine spannenden Kampfmomente zustande, eine typische Erscheinung bei zwei gleichwertigen Läuferreihen. Der neue Torwart, Löwenthal, bewährte sich ausgezeichnet. Auf Grund besserer Gesamtleistung siegte Bar Kochba/Hakoah Berlin. Im Auftrage des Makkabi-Präsidiums überreichte Herr Exiner (Berlin) den Siegermannschaften die Meisterschaftswimpel. Das Rahmenprogramm war fast zu reichhaltig. Bei den Kämpfen der Fußballschüler von Bar Kochba und Hakoah Frankfurt gewann Hakoah, sodaß erst ein Entscheidungsspiel die . Lö- - sung bringen kann. Zum ersten Male „produzierte" sich die Makkabi-Musierschule unter der Leitung von Sportlehrer Emil Stelzer in Freiluftvorführungen. Die Makkabi-Mädels zeigten turnerische Uebungen am Pferd und Barren, Fahnenschwingen, Ball- und Reifengymnastik und erzielten großen Beifall. In leichtathletischen Wettbewerben gab es schöne Leistungen mit Jugendstaffeln. Im Rasensport brachte das letzte Handball-Treffen zwischen den beiden Ortsrivalen Schi 1 d und Bar Kochba den erwarteten Ausgang: Bei den Herren einen 9:3-Sieg der Bar Kochbaner/ die Schild-Mädels siegten sicher mit 12:0 gegen Bar Kochba. Die Leichtathletik saison war für den Schild Frankfurt bisher ungemein erfolgreich. Acht Kampfteilnehmer brachten von den Badisch-Württembergischen Meisterschaften in Stuttgart elf erste Preise und -s Meistertitel, acht zweite und drei dritte Preise. Schild Frankfurt war damit in Stuttgart der erfolgreichste Verein. Im Radsport wurde am 17. Juli auf einer 12 Kilomeier langen Landstraßenstrecke eine spannende Stafettenfahrt des Schild Frankfurt ausgetragen. Eine recht gute Kampfprobe für die Schwimmer des Schild waren Wettkämpfe im Strandbad Niederrad, die gute Ergebnisse brach-