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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-07-01 · 10 (7.1938) · p. Seite 22

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
10 (7.1938)
Date
1938-07-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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Seite 22 JODISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 10 Juli 193& Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Stephanie Fnrrbheimer. Frankfurt a. JVL, Schumannstr. 9 Jüdische Frauen- und Erziehungsfragen in Amerika Die nachstehenden Ausführungen über jüdische Frauenarbeit in New York dürften für unsere Leserinnen von besonderem Interesse sein. Jeder Neueinwanderer hat seine Schwierigkeiten; nur ganz wenigen Glücklichen ist es möglich," frei von Sorgen ihre Zeit dem Kennenlernen der neuen Umwelt zu widmen. So kommt es, daß die meisten nur ihre eigene kleine Nachbarschaft — vielleicht auch die von bereits ansässigen Verwandten und Freunden — "kennen lernen, ohne zu ahnen, daß sich das jüdische Leben dieser größten jüdischen Siedlung der Welt und der jüdischen Geschichte unmöglich auf einen Nenner bringen läßt. Immer wieder hört man verall: gemeinernde Urteile, die aber nur auf eine winzige Erfahrungsbasis sich beziehen. Ich will versuchen, nicht in diesen Fehler zu verfallen. Ich habe seit den ersten Tagen meines Hierseins bei verschiedenen Organisationen mitgearbeitet, und auch in einer jüdischen Umgebung gelebt, noch dazu., in einer, in die sich kaum je einer unserer Neueinwanderer verirrt. Denn wir wohnen hier in der ältesten Judensiedlung, nicht weit von dem altehrwürdigen Friedhof der spanischportugiesischen Gemeinde, der im Jahre 1656 angelegt wurde. Die Juden unserer Gegend sind in der älteren Generation Einwanderer aus Osteuropa. Ihre - Sprache ist jiddisch, ihre kleinen „Schulen" haben aschkenasisch-polnischen, zuweilen chassidischen Ritus. Sie sind in Tracht und Lebensgewohnheiten nicht assimiliert und leben aus wirtschaftlichen Gründen oft im gleichen Haushalt mit ihren im Erwerbsleben stehenden und meist verheirateten Kindern. Durch die Anwesenheit der Großeltern wird die orthodoxe Haushalrfuhrung bedingt. Sonst ist diese jüngere Generation — Menschen, die schon hier die Schule besucht haben — in ihren Formen stark amerikanisiert. Um die Beeinflussung der Kinder geht — offen oder auch stumm — ein Kampf; die Kinder selbst zeigen keine so ausgesprochenen Neigungen, wie wir das gewohnt sind,- die zahlreichen Jugendbünde sind oft zionistisch doch meist ohne mehr als geselligen Charakter zu haben. In all den Sprachschulen, die ich besuchte, wurde aschkenasisches Hebräisch gesprochen. Der Religionsunterricht ist nicht obligatorisch. Die Kinder besuchen z. T. Sonntagsschulen, die von verschiedenen Organisarionen unterhalten werden und sehr verschiedenartig sind. Ich kenne sehr gute und auch ganz oberflächliche und minderwertige Sonntagsschulen. Mit'der jüdischen Bildung der Mütter steht es nicht gut Es gibt ganz ausgezeichnete Kurse, speziell für Frauen, die aber nicht in unserer Stadfgegend abgehalten werden. Die meisten Frauenvereine hier sind rein gesellig, und es macht keinen großen Unterschied, obdie Vereinssprache englisch oder jiddisch ist, denn die Erwachsenen beherrschen beide Sprachen. Die besseren dieser Vereine oder Klubs haben soziale Interessen,, kämpfen für Mieter- und Käuferrechte, doch überwiegt sehr das rein gesellschaftliche Element. Das befremdet_uns zunächst, wird aber verständlich, wenn man die Wohnungen kennen lernt. Sie sind so beschränkt, daß sie fast nie häusliche Geselligkeit erlauben. Daher auch die vielen Klubs der Jugendlichen, teils in den Räumen der Organisationen, wie Y. M. H. A., Jewish Center, und unter deren Einfluß, teils in Kellerräumen, die sich solch ein „Social Club" gemeinsam mietet und einrichtet. Diese Klubs haben alle Schattierungen: von geistig interessierten Gruppen bis zu den Treffpunkten jugendlicher Asozialer. Die Polizei bemüht sich, diese Gruppen durch geschulte Beamte zu überwachen,- z. T. hat sie eigene Gebäude mit Klubräumen zur Verfügung gestellt. Diese Zusammenarbeit zwischen Polizei und Privaten an der Jugendpflege interessierten Verbänden experimentiert noch, wie denn überhaupt für den Neuankömmling staatliche, städtische und private Kompetenzen unentwirrbar durcheinander zu gehen, scheinen. Außer in Schulen, Klubs und Vereinen bin ich nun noch, in Arbeitsgemeinschaften jüdischer Frauen tätig gewesen, die .wir teils in Klub- und Schulräumen, teils in jüdischen. Bibliotheken abhielten.. Die Teilnehmerinnen waren auch. meist nicht im Lande geboren, doch hier schon in die Schule gegangen. Das bedeutet, daß sie orthodoxe Lebensführung gewöhnt sind, z. T. auch selbst einhalten. Ihr jüdisches Wissen ist nicht fundiert, sie haben oft gar keinen Religionsunterricht gehabt,, weil ihre Eltern in dem Wunsche nach möglichst rascher Amerikanisierung, und ganz besonders bei Töchtern, auf Unterricht außerhalb der amerikanischen. Schule nicht viel Wert legten. Nun hat sich aber gezeigt/ daß zwar die ältere Einwanderergeneration mit ihrem Bildungsgut auskam, daß aber die Mütter der jetzt heranwachsenden Kinder vor zahllosen Problemen stehen, für die sie jüdische Kenntnisse brauchen. Diesem Bildungsbedürfnis kommt nun der amerikanische jüdische Frauenbund entgegen, der überall im Lande Ortsgruppen hat. Neben sozialer Arbeit — wie sie örtlich notwendig ist — gibt der Anregung zur Bildung von Arbeitsgemeinschaften von Frauen, die sich mit jüdischer Geschichte, jüdischem Brauchtum, jüdischer Literatur vertraut machen wollen. Er vermittelt Leiter für solche Gruppen, und, wenn nötig, Material zum Selbststudium. Dies Material wird in einer hier in der Erwachsenenbildung erprobten, bei uns nicht" üblichen Weise in Fragen angeordnet. Ich selbst habe schon viele solcher Arbeitsgemeinschaften geleitet, und schon ein kleines Handbuch für Leiterinnen verfaßt. . -Synagogen sind hier private Vereine, landsmannschaftlich und auch sozial voneinander verschieden. Die Frauen sind Für die Sommerzeit finden Sie bei mir eine schöne Auswahl Badeanzüge-Leichte Unterkleidung f Kniestrumpf e-Herrensporthemden in bewährten Qualitäten zu vorteilhaften Preisen Frankfurt a. M. / Aa dan Maridhafln Rainaakstr. 3 Hanauer Land»tr.S7

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