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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-06-01 · 9 (6.1938) · p. Seite 22

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
9 (6.1938)
Date
1938-06-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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Seite 22 _ JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 9 Juni 1938 Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschriften sind zu richten an Frau Steohanie Forchheimer, Frankfurt a. M., Schumannstr. 9 Die Tragödin Sarah Bernhardt Verkörpert die Rachel das Bild einer großen schauspielerischen Begabung im 19. Jahrhundert, so bewundern wir in Sarah Bernhardt die bedeutende Tragödin der letzten fünfzig Jahre. Beide sind Jüdinnen, stammen von jüdischen Eltern, beide entfalten ihr großes Können in Frankreich, über beider Leben leuchtet die Sonne das zauberhaften Paris. Dort ist Sarah Bernhardt populär wie keine zweite Frau! Unzählige "Bilder erscheinen in allen Zeitschriften,- man bespöttelt ihre Extravaganzen, karrikiert ihre Nase, ihre Magerkeit. Sie ist jünglingshaft elastisch, Männerkleider passen ihr besser als Röcke, kurz geschnitten ist das Haar; ohne Maskierung vermag sie Hamlet, Napoleon, L'Aiglon zu spielerij jene tragischen Persönlichkeiten, die sie durch eine unvergleichliche Mimik, eine hinreißende Ekstase verkör- Sert. Jahrelang steht ihr Leben im Gespräch der Oeffentchkeit, man rühmt immer wieder ihre unvergleichliche Kunst, ihre schauspielerische Leistung, die die Bewunderung unzähliger Menschen erregt, wo sie auftritt, ob in London, Lissabon, New York, Mailand oder in Paris. Ein Fluidum strahlt von dieser Frau aus, das alle in den Bann zwingt! Es ist die Ekstase des Neuschaffens, die Kraft der Inspiration, die sie treiben. Es ist die Melodie ihrer Sprache, die zum erschütternden Schrei wird, wenn heiliger Schmerz sie erfaßt! Sie ist der Typus der leidenschaftlichen Frau mit allen Gefühlen und Nerven, mit Höhen und Tiefen, Typus der dämonischen, tragischen Künstlerin, beseelt von französischem Esprit und jüdischem Geist. „Eine Königin der Haltung, eine Fürstin der Geste!" - Auch sie spielt eine Phädra wie die Rachel! Aber welch ein Gegensatz! Die Rachel bleibt immer ernst, herb, klassisch, Sarah Bernhardt dagegen spielt die Phädra weich, sinnlich, verkörpert die typische Französin und wird durch diese Rolle zur Nationalheldin. Sarah Bernhardt ist Kind jüdischer Eltern, die sie in ein Kloster schicken,- dort tauft man sie. Später kommt sie in die Pariser Schauspielschule, wo sie durch die Musik ihrer Stimme und das leidenschaftliche Spiel auffällt. Bald wird sie an die Comedie Francaise engagiert und erregt in einem Stück von Coppee als Trägerin der Hauptrolle Aufsehen. Und nicht lange darauf beginnt die Meisterin der Sprache und der Geste ihren glanzvollen Triumphzug. Der Ruhm dieser großen Tragödin ist neben ihrem Talent auch ihrem eisernen Arbeitswillen, ihrer Energie zu danken. Mit einer nie rastenden Arbeitskraft schreitet sie von Erfolg zu Erfolg. Eine nie ermüdende Aktivität pulsiert in dem schlanken Körper, ein unerschütterlicher Mut zur Gestaltung, Entfaltung, Vollendung. Ihre Leidenschaft, die oft in Zorn und Wut ausartet, wenn es um die Kunst geht, erträgt keinen Widerstand. Man erzählt sich viel von ihrer Herrschsucht, ihrem Aberglauben, ihrer Ueberspannlheii! Ob sie in einem Sarg, mit weißem- Atlas ausgeschlagen schläft, in seidenen Männerhosen Besuch empfängt, vierzehn Hunde zu Begleitern hat, sich Löwen und Affen hält - das alles sind wohl phantastische Einfälle, die aber von ihrem großen Können überstrahlt werden. Alle bizarren Eigenarten werden doch durch ihren Mut zu eigener Verantwortlichkeit, zur Wahrheit, zurückgedrängt. Der Krieg von 1870 unterbricht ihre Arbeit; als wieder Friede ist, eröffnet Sarah Bernhardt \ das Odeontheater, um hier aufs neue ihre Kunst zu zeigen. Sie steht auf der Höhe; ihres Lebens. „Ruy-Blas" von Victor Hugo bringt der genialen Schauspielerin und dem Dichter einen ungewöhnlichen, Erfolg. Sie berichtet in ihren Memoiren-. „Ma double vie": „Der größte Augenblick meines Lebens ist der gewesen, als nach der Vorstellung von „Ruy-Blas" der große Meister vor mir das Knie beugte und mir die Hand küßte". Eine Gastspielreise nach Amerika bringt Sarah Bernhardt neben ungeheuren Einnahmen hohe Auszeichnungen. Unermüdlich reist sie mit ihrem Arzt und zwölf bedeutenden Künstlern von Stadt zu Stadt; als sie von Amerika zurückkehrt, ehrt Frankreich seine bedeutendste Vertreterin französischer Theaterkunst mit dem Bande der Ehrenlegion. Weitere Reisen folgen: nach Deutschland, England, Spanien! Nachts in riesigen Automobilen (damals wohl die ersten) durch Kälte und Hitze, von Liverpool nach Manchester oder Bristol. Dann geht es wieder über Belgien, Holland zur Heimai zurück, angestrengt, in Erregung, daß die angekündigte Zeit eingehalten wird — und alles gelingt. Ihr Lampenfieber ist bekannt. „Ich bin jedes Mal aufgeregt, wenn ich spiele. Wenn ich meine Rolle nicht kann, zanken zweitausend Menschen! Aber aufgeregt sein heißt: sich seiner Verantwortlichkeit bewußt sein". In ihrer freien Zeit arbeitet sie bildhauerisch, schriftstellerisch. Ihr künstlerisches Empfinden, ihr Geschmack, ihr Wissen, sichern ihr Erfolge. Kurz nach ihrer zweiten Amerikareise befällt sie ein Beinleiden, das sie zwingt, entweder der Bühne zu entsagen, oder sich einer Operation zu unterziehen. Sie wählt diese und läßt sich ein Bein amputieren. Ihre außerordentliche Vitalität, ihr Glaube an Genesung siegen! Sie übersteht die Krankheit, tritt wieder auf, spielt im eigenen Theater (Sarah Bernhardt-Theater) vor überfülltem Hause. Man vergöttert die Siebzigjährige. Trotz der zerütteten Gesundheit wagt sie: weitere Tourneen nach Amerika, spielt dort mit einer unf Für die {Sommerzeit j I fIn V den Sie bei mir eine schöne Auswahl i-Leichte Unterkleidung Kniestrumpfe—Herrensporthemden in bewährten Qualitäten zu vorteilhaften Preisen

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