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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-06-01 · 9 (6.1938) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
9 (6.1938)
Date
1938-06-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 9 .Juni 1938 Dr. jur. Hugo Hoff mann Oberllndau 51 Tel. 76655 Versicherungen aller Art Partner war, überrannt, aber nicht überzeugt. Die Kraft seiner IUusionsfäJiigkeii sah an Güdemanns „glänzenden Augen" daß er, der „Antizionisr'1, schon gewonnen war, und er konnte es daher nur als Wortbruch und feigen Abfall registrieren, als Güdemann ihm kurze Zeit später kritisch entgegentrat. Der Güdemann, der in München gewesen war, war ein Wunschbild Herzls, aber eines, das in seiner feurigen Gegenwart, wenn auch nur für Stunden, die Farbe des Lebens angenommen hatte. An diesem Beispiel sieht man, wie in einer vom Blitz plötzlich erhellten Landschaft, den realen und den mythischen Herzl zusammenstoßen und wie der eine den anderen zugleich hemmt und vorantreibt. Die Kraft des Zusammenstoßes war so groß, daß brave Zeitgenossen wie Güdemann dabei ins Taumeln gerieten und nur mit Mühe ihr Gleichgewicht wiederfanden. Wer will' es ihnen verdenken? Sie konnten nicht ahnen, daß die Gestalt Herzls, von allen Lich: lern der Liebe und der Abneigung umspielt, an der Schwelle zweier Zeitalter stand: dem einen gehört er zu, das andere führt er herauf. Er ist heute schon eine „Aggadah" geworden, eine Legende der Wiedergeburt. Neuer Prospekt der Jugend-(Mittlereri)-Hachschara der religiösen Jugend Der Brit Chaluzim Daiiim hat in diesen Tagen eine instruktive Broschüre über Jugenci^Hachschara herausgegeben. Diese ist unter der Adresse: Berlin W. 50, Augsburger Straße 60, kostenlos zu beziehen. Badevorschriften für Juden in Bad Kissingen In Bad Kissingen sind am 2. Mai seitens der Behörden die Bestimmungen bekannt gegeben worden, welche den Kürgebrauch der'jüdischen Kurgäste regeln. Diese Anordnungen enthalten zwar eine Reine von Einschränkungen für den jüdischen Kurgast,- es ist diesem aber Gelegenheit gegeben, in den konzessionierten jüdischen Häusern zu wohnen una eine Trink- und Badekur in der vom Arzt angegebenen Weise zu gebrauchen. Nach Frankfurt a. M. zuziehende Glaubensgenossen werden gebeten, bald nach erfolgtem Zuzug beim Gemeinde- Vorstand im Gemeindehaus, Fahrgasse 146, Zimmer 40 II. Stck., zu erscheinen. Jede gewünschte Auskunft wird dort bereitwilligst erteilt. Der alte Raschid von M. Smilanski Aus dem Hebräischen übersetzt von B. Messerer Es sind die ersten Tage des Monats Schewat. Es ist Morgen. Hinter den Bergen Judäas erhebt sich, wie aus einer Gruft, ein roter Ball - ein Feuerball. Der Himmel ist klar und schön, nicht die kleinste Wolke trübt ihn; er ist hellblau, nach Osten zu scheint er flammend rot. Die Luft ist klar und kühl und bewegt sich nicht. Die Bäume stehen unbewegt, die kleinen Blätter an der Spitze der Eukarypiusbäume sind regungslos. Zwei Araber, der eine alt, der andere jung, und ich treten aus meinem Hof. Mein Haus ist am Abhang eines Hügels erbaut. Wir ersteigen die Ostseite des Hügels, von dessen Gipfel uns die ganze Siedlung klar und deutlich wie auf einer Handfläche erscheint. Die roten Dächer, vom gestrigen Hegen noch feucht, glänzen im Licht der ersten Sonnenstrahlen. Ein feiner Rauch steigt liniengerade empor / ringsum breitet sich ein Teppich von blutroten Feldblumen, deren Halme noch voll Tau sind. Die Mandelbäume, in der Ferne sichtbar, sind voll weißer Blüten, und die Olivenwälder von Ramien unterhalb der Hügel ergießen sich in ein Meer von Grün. Eine Flut von Farben, Licht und Glanz erfüllt die Luft, die ganze lachende und jubelnde Natur. — Wie schön ist doch Gottes Welt!, ruft freudig der junge Araber aus. - Jawohl, schön ist die Welt, die Gott geschaffen hat/ Annahme sämtlicher Reparaturen und Anfertigungen aber die Menschen verderben sie mit ihren Taten und erfüllen sie mit Abscheu, warf der Alte mit ruhiger Stimme ein. Der alte Araber, ungefähr sechzig Jahre alt, war auf einem Auge blind. Sein Name ist Raschid, und heute sah ich ihn zum ersten Mal. Der junge ist ungefähr zwanzig Jahre alt, voll Leben und heiterer Bewegung/ sein Name ist Muchamed. Ihn kenne ich seit langem. - — Mögen die Menschen noch so viel sündigen, philosophiert Muchamed weiter, die Welt wird doch nicht aufhören, schön zu sein. Er wendet sich zu mir und fragt: — Chawadscha, wo ist es schöner, hier oder dort in „Moskow"? Sie sind doch vor nicht langer Zeit von dort zurückgekehrt? — Bestimmt hier, erwidere ich. Dort ist es kalt. Schnee, Eis, und wenn die Sonne aufgeht und die Luft erwärmt, verwandelt sich alles in Schmutz und Schlamm. — Und ich dachte, dort sei es schöner: Weshalb gingen Sie hin? - * — Du Dummkopf, ruft der Alte aus, bist noch jung: Nicht einen schönen Ort sucht sich der Mensch, sondern einen guten Ort. Hast Du verstanden? Dort gibt es kein „Määsser" und kein „Ali Dschabri'M Der Alte seufzt dabei tief auf. — Warum sind Sie so erbittert? frage ich den Alten. Er seufzt wieder und antwortet leise : . — Alles, Chawadscha, alles kommt vom Himmel.- V JUWELEN COLD SI LB E R UHREN ALLER ART BESTECKE edlt Silber und vere»*»«»* Wir kaufen Altgold und Silber auch alte Silbermark ' An* und Verkauf aus Privatbesltj GB 11/48449 Frankfurt a. M. KAISERSTRASSE 5 nächst rossmarkt

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