Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-05-01 · 8 (5.1938) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
8 (5.1938)
Date
1938-05-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3094266-3094451-3094459--6112-3100909
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 22 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Nr. 8 Mai 1938 Jugend und Gemeinde //Möglichkeiten einer Gemeinschafts« arbeit der judischen Jugend in Frankfurt a. M. von Dr. Hermann Weil, Vorsitzender der Jugendkommission der Gemeinde Die Präge nach einer Zusammenarbeit der gesamten jüdischen Jugend einer Großgemeinde taucht immer von neuem auf und bewegt die verantwortlichen Männer der jüdischen Gemeindeverwaltung einerseits, die jüdische Jugend andererseits. Von den verschiedensten Seiten wird immer wieder der Ruf laut, über die trennenden Grenzen religiöser Richtungen und jüdisch-politischer Weltanschauungen hinweg eine Basis zu schaffen, auf der die gesamte jüdische Jugend stehen könnte. Es handelt sich hierbei nicht um ein, Aufgeben der Sonderstrukturen der einzelnen religiösen, weltanschaulichen und sportlichen Gruppen. Alle diese Gruppen sollen ihr Eigenleben weiterführen und unter der Leitung bewährter Menschen dem gesteckten Ziele näher kommen. Nicht zur Gleichmacherei wird also hier aufgerufen, das sei gleich zu Beginn ausdrücklich betont. Die Frage lautet anders: Kann jüdische Jugend nur in ihrem eigenen, manchmal engen Kreise leben, hat sie nicht auch ein Gefühl für die Verbundenheit mit den andern Jugendlichen, mit allen, die gleiches Schicksal erleben? Sieht diese Jugend, wenn sie klar und vorurteilsfrei schaut, nicht, daß es so Vieles gibt, was alle jüdischen Jugendlichen einmal gemeinsam tun könnten? Erkennt sie nicht, daß eine; jüdische Großgemeinde, wie die unsrige, die für ihre Jugend in finanzieller Hinsicht nach besten Kräften sorgt, auch anderes für diese Jugend zu leisten imstande ist? Gibt -es nicht Menschen in unserer Gemeinde, die die Qualitäten haben, allen Jugendlichen, kommen sie aus welchem Lager sie auch wollen, für ihr Leben etwas Wertvolles mitzugeben, ihnen Belehrung und Freude zuteil werden zu lassen? Meine liefen Freunde! Wenn Ihr Euch diese Frage gewissenhaft zur Prüfung vorlegt, dann wird mancher von Euch, der bisher die Schranken seines eigenen Arbeitsbezirkes nicht öffnen konnte oder wollte, zu der Erkenntnis kommen, daß es gewisse Dinge gibt, für die eine, gemeinsame Arbeit i>esser ist als scheuklappenhafte Einzelarbeit, die nur getan wird, weil sie getan werden muß, ohne auf die Qualität der Arbeit Rücksicht zu nehmen. Gibt es nicht Gebiete, in denen junge Menschen, die sich gesinnungs- und haltungsmäßig zur jüdischen Gemeinschaft bekennen, Stunden gemeinsamen Lernens und Erlebens verbringen können? Wir wollen mit positiven Vorschlägen an Euch heranireten: 1.) Es gibt jüdische Teilgebiete, vor allem aus der jüdischen Geschichte, die sich zu einer Ausgestaltung eines gemeinsamen Oneg Schabbat trefflich eignen, ohne daß irgendwelche Gruppen aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen verletzt sein müßten. Weitere Möglichkeiten bestehen hier in der Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Lehrliaus, das gerade auf jüdischem Gebiet Wertvolles leistet und auf dessen Veranstaltungen auch hier nicht warm genug hingewiesen werden kann. 2. ) Wissen einige von Euch noch, wie die Jugendkommission vor längerer Zeit pädagogisch-psychologische Fortbildungskurse veranstaltete? Ich selbst, der ich die Freude hatte, Leiter dieser Kurse zu sein, denke mit großer Genugtuung an jene Stunden gemeinsamen Besinnens und Arbeitens zurück. Wie viele neue Probleme sind da erst durch die gemeinsame Arbeit a 11 e r auf getaucht und zum Teil auch gelöst worden; wie viele von Euch, besonders die Leiter von Jüngeren-Gruppen, haben in jenen Stunden Einblick gewonnen in die erzieherischen Schwierigkeiten, denen sie manchmal in ihrer Tagesarbeit begegnet sind und zunächst nicht Herr werden konnten! Eine große Anzahl derer, die die damaligen Kurse, in denen wirklich alle - nicht nur körperlich - dabei waren, sind ausgewandert. Haben darum diese Probleme aufgehört? Sind nicht aus einem Führermangel heraus oft Menschen mit der Leitung von Jüngeren- Gruppen betraut worden, die — das sei kein Vorwurf — noch viel zu jung sind, um die nötige Erfahrung in der Jüngeren-Erziehung zu haben? Ist das Bedürfnis, an sich zu arbeiten,, etwa kleiner geworden und sind die mannigfachen Aufgaben, die ihnen gestellt sind, weniger schwer? 3. ) Ihr wißt genau so wie ich, daß das Musikalische, das mit Recht so hoch eingeschätzt wird, mitunter so schlecht weg kommt, weil eben die Menschen fehlen, die das können. Wie schlecht wird in vielen Gruppen gesungen! Was nützen da die wehigen Anregungen, die der eine oder andere aus seiner Erfahrung oder aus Büchern heranträgt, um sie seinen Jungen und Mädels weiterzugeben? Wie viele Jungen und Mädel, die nicht in einem Bunde organisiert sind, haben das Bedürfnis, mit anderen Menschen gleichen Alters einmal gemeinsam singen zu körineri. Hier müßte ganze Arbeitgeleistet werden. Wir haben die Absicht, in Kürze einen Singkurs, der von einem vortrefflichen Fachmann ^geleitet werden wird, ins Leben zu rufen, um diesem Uebel abzuhelfen. Wie schön wäre ein Jugendchor der gesamten Jugend! 4. ) Die Frage des „Theaters der jüdischen Jugend" ist in den verantwortlichen Stellen bereits geprüft worden. Ihr werdet demnächst Näheres hierüber "hören. In Berlin ist dieses Problem bereits gelöst. 5. ) Warum sollte in Frankfurt ein Jugeridsportfest der gesamten jüdischen Jugend, der organisierten wie der nichtorganisierten, nicht möglich sein? Wollt Ihr Jugendliche nicht? Ist es nicht etwas Schönes, wenn eine jüdische Jugend an einem Sommertag einmal gemeinsam sportliche Wettkämpfe zeigt? 6. ) Weitere Möglichkeiten sollen nur kurz, aufgezählt werden: gemeinsame Veranstaltungen zum Besuch jüdischer Einrichtungen1 (Friedhof, Museum, Bibliothek usw.). Und nun habt Ihr die Pflicht; einmal vorurteilsfrei an -diese Dinge heranzutreten, die Euch gemachten Vorschläge zu prüfen und weitere Vorschläge zu machen. Und dann habt Ihr das Wort! - Wir wollen heraus aus einer Zeit des unfruchtbaren Kritisierens und Zerredens, wir wollen arbeiten! Gemeinsam, soweit es möglich ist, aber gemeinsam! Jüdische Jugend, antworte! . * Lieferanten für Büro und Laden Sch reibm a sch inen (in allen Sprachen und Systemen) Reuterweg 94 Telefon 58394 S. GRÜNEBAUM Inhaber: Robert & Jsi Strauss Kaiserstr. 56 Tel. 32544 Packpapier Schreibmafchinen mit jeder Tastatur . neu und gebraucht Drucksachen Geschäftsbücher Tropenhaus FRITZ VOLLMEYEB Berlin W. 35 — Gr.-Adm.-v.-Köster-Ufer 19 Moskitonetze-Anzüge-Wäsche - Speo.-Koffer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.