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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1938-03-01 · 6 (3.1938) · p. Seite 15

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
16 (1937-1938)
Issue
6 (3.1938)
Date
1938-03-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 6 März 1938 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR FRANKFURT Seite 15 pressionismus mischt. Das Ganze wirkt unzeitgemäß, „literarisch" und nicht dramatisch. Die Realistik ist in' Stimmungs- Halbdunkel gehüllt, mit Symbolislik wird die Umwelt als Stilfaktor einbezogen, und die Diskussion ist mit psychologischem Ertasten der Regungen ebensosehr wie mit Analyse erfüllt. Das Agens des Stückes ist also Theater, nicht zwingend lebensnahes Drama. Die Motivierung der Zufälle, die gerade „In einer Nacht" konzentriert sind, erscheint unbeholfen, der geheimnisschwere Tragödienton in den grabesdüsteren, zermürbenden - Gesprächen, die Verwendung von Gift, all das wirkt schemenhaft. Mit einem Schemen gar spielt auch die Sphäre des Jenseits herein. Es verlautete, daß für die Frankfurter Aufführung der Schluß gegenüber dem Original verändert worden sei. Entscheidend für die Beurteilung aber ist die Form, mit der. die verantwortliche Regie ein Werk herausstellt. Der Regisseur Ben Spanier hat den tragischen Ausgang gezeigt. Offenbar berechtigt hierzu die Konsequenz auf Grund der gegebenen psychologischen Voraussetzung: ewig untrennbare seelische Verbundenheit der Liebenden. Das" Thema, uralt und stets neu, ist: Liebe im Dreieck und schuldhafte Verstrickung. Ein Ehepaar, Felizitas und Eduard, kann zu seelischer Verbundenheit nicht gelangen,- Gabriel, der Freund, steht dazwischen. Erst als Lebender, dann, nachdem Eduard in plötzlicher rasender Eifersucht ihn erschossen hat, als „Seelengestalt". In Gewissenskampf und Zwiesprache mit dem Geist erkennt Eduard das Sinnlose seiner Tat und erlöst sich durch ein Geständnis. Felizitas folgt dem toten Geliebten nach. Die Knappheit der Szenenführung mit dialogisch konstruktiver Schärfe und ein manchmal erregender theatralischer Choc erzielen nervenreizende Wirkung, ohne doch den Grundmarigel zu verdecken: das Fehlen jener Spannung, mit der echte Tragik sich legitimiert. Bei alledem ist aber unverkennbar, daß auch hier ein Dichter feinsten Gefühls am Werke war, namentlich in Einzelheiten. Mit sicherer Intuition etwa ist erfaßt, wie die Seelengestalt nur dem Mörder sich offenbaren kann. An den Nebenfiguren erweist sich Werf eis plastische Bildnergabe. Besonders bei dem Diener, dessen unterwürfig-korrekte Sprache im Kanzleistil und diskrete Kühle seelische Hintergründe öffnet, noch ehe die schattenhafte, getretene Kreatur mit rächender Kraft unheimlich aufflammt, gleich aber wieder duckt, auch Dankbarkeit und Güte zeigt. Treffsicher geformt sind auch die Gestalten des knorrigen Bezirksarztes und des wackeren Gendarmen. Die Aufführüng entsprach in den Hauptzügen der dramaturgischen Linie. Das Szenenbild, von Egon Markus wie eine Improvisation gehalten, hatte die Atmosphäre des Zwielichtes, durch die das Grauen" vibriert. "Die Darsteller des Liebespaares,. Friedl Münz er und Alexander L i p - s c h i t z, zeigten gehemmte Haltung und leeren Tonfall, doch in der Liebesszene schwelte -spürbar unter der Starre die Glut. .Den Mann,' der zum Mörder wird, gab Max S c h e i g e. Die mächtige Leidenschaft des Gehetzten konnte er schauspielerisch versinnlichen, aber als Sprecher forcierte er und fand nicht die akustische Abtönung, so daß die psychologisch aufklärenden Monologe oft nicht erschlossen wurden. Den Diener gab. W. Fraenkel (Froon) als fesselnde, unheimlich groteske Gestalt aus dem Zwischenreich von Realität und Alptraum. Arzt und Gendarm erhielten Lebensechtheit durch Alfons Fink und Heinz Kahnemann. - Der Beifall des relativ zahlreichen Publikums galt offenbar nur dem Regisseur und dem Ensemble. Denn die Frage stand unabweisbar auf: Was interessierte uns dies Experiment? Die Frage besteht zu Recht! Denn wir wollen Gestaltung von Schicksalen im Symbol einer echten, nicht fragmentarischen. Dichtung sehen und erkennen. Dies zu -bieten, ist vornehmste Aufgabe im jüdischen Kulturleben. ARTUR BOGEN „Belsazar" im Kulturbund Das Programmheft der „Monatsblätter" des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Main gab den Hörern der Aufführung des Oratoriums „Belsazar" von Händel einläßliche Unierrichtung über das Werk. Der Dirigent, Dr. N. Ehrenreich, halte in seinem Aufsatz überzeugend auf die Größe und Eigenart der Aufgabe hingewiesen. Dieser Darbietung lag die Formgebung des Oratoriums durch Ernst Z a n d e r zu Grunde, die von Chrysanders Bearbeitung vorteilhaft abweicht. Eine der gewaltigsten Schicksalswendungen in der Weltgeschichte, VOM HAUPTBAHNHOF r Bettlnastr. 35 mHogtEattof —sag" ~ ^Hindenburgplaiz Die praktische und moderne Bettcouch Die sachliche u. geschmackvolle Dekoration Die sauber und gut geklebte Tapete alles preiswert aus einer Hand Werkstätten Julius Schott Rut 71980 10 v. r j ~\ PARFüMERIE LOTTE GARDE FRANKFURT (MAIN) f egTniiber dem Hauptbahnhof Fernruf 3-»637 Burahaus Engl. 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