Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 10 (7.1937)
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 23 (sequence 25)
- Language
- German
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Seite 23 Corsets, Büstenhalter S. LÖHREN »ur ZEIL 85 üsr Für die Frau Mitteilungen aus den Interessengebieten der Frau Beiträge und Zuschritten sind zu richten an Frau Stephanie Forrhheimer. Frankfurt a. M.. Schumannstr. 9 Corsets, Büstenhalter S. LÖHREN üüüZEIL 85nur Eine grosse Tragödin Unter den grossen Schauspielerinnen, Sängerinnen und Tragödinnen des letzten Jahrhunderts aehmen Jüdinnen, besonders in jenen Ländern, wo die Juden im Besitz der bürgerlichen Gleichstellung waren, einen nicht geringen Platz ein. Zu ihnen zählt in Frankreich an erster Stelle die grosse „Rache 1", eine Vorläuferin der Sarah Bernhardt. Zwanzig Jahre lang beherrscht die Rachel die französische Bühne und die ersten Bühnen der Welt! Zwanzig Jahre lang bewegt sie die Herzen Tausender und gilt als „die grösste Tragödin ihrer Zeit!". „Die Rachel" — als Kind einer elsässischen Hausiererin, auf der Landstrasse im März 1820 geboren, zeigt von Jugend an ungewöhnliche mimische Begabung, während Sarah, die ältere, musikalische Fähigkeiten besitzt. Kümmerlich fristen die Kinder durch Tanzen und Singen ihr Dasein in Wirtshäusern, wo der Direktor einer Pariser Musikschule sie sieht, hört und sich erbietet, sie auszubilden. Er erkennt alsbald die starke Begabung der jüngeren Rachel, bringt das schmale Geschöpf zu Pagnon Saint Aulaire, dem Leiter einer Deklamationsschule. Nicht älter als fünfzehn Jahre übt und spielt sie hier die Rollen der großen Tragödinnen, die „Stuart", die „Iphigenie", die „Hermione", die „Roxane". — Poirson, Direktor des Gymnase, von dem hervorragenden Talent der kleinen Jüdin gefesselt, engagiert sie, bringt sie Monate später an die Comedie Francaise. Hier erkämpft sie sich in einem unbedeutenden Stück „Die Vendeerin" aussergewöhnlichen Erfolg. Aus der mageren, kleinen, wenig schönen jüdischen Schauspielerin wird über Nacht die grosse Tragödin, „die Rachel". „Es gibt", so schreibt Jules Janin, der bedeutende Kritiker, „weder eine Ueberraschung, noch einen Triumph,' den man vergleichen könnte mit dem Triumph, dem Stolz und dem Erstaunen, welche Rachels Beredsamkeit, ihre Leidenschaft und ihr Stimmenklang auf der Bühne mir einflössten! Heute noch ist sie die kleine ,,Vendeerin" — morgen die grosse Tragödin"! — — Wahrlich, Frankreich hat in Rachel eine unvergleichliche . Tragödin gefunden! Sie bringt auf der französischen Bühne das Trauerspiel wieder zu Ehren; namentlich ist es die altklassische, französische Tragödie, durch die Meisterwerke Racines, Corneilles, Voltaires repräsentiert, in der sie die ganze Macht und das ganze ^Talent ihrer Persönlichkeit entfaltet. In Rollen wie die Hermione in ,,Andromache", Roxane in „Bajazet", Emilia in „Cinna", Esther, Berenice, Athalie — ist sie die Verkörperung selbst. Ihre plastisch:antike Haltung, ihr reines, edel klingendes Organ, das zu mächtigem Pathos anschwellen kann, ihr strenges Marmorgesicht, ihre meisterliche Beherrschung der Rolle, vor allem aber die vollendete Mimik und das Spiel der Gebärden, welches immer die beherrschte Schönheit der Antike bewahrt, befähigen sie für die klassischen Dramen. Biblische Gestalten, bib lische Heldinnen werden von ihr gleichsam neu belebt. Mit der Rolle der „Phädra" erringt sie den grössten Erfolg. Hier spielt keine Schauspielerin, hier erlebt eine grosse Tragödin die ganze Erhabenheit ihres Geschicks. Die dramatischen Annalen haben keinen Triumph zu verzeichnen, der dem gleich kommt, welchen die Rachel aJs Phädra erringt. Aus dem armen, unscheinbaren Judenkind wird eine der reichsten und angesehensten Schauspielerinnen Frankreichs. — Die Rachel müsste kein Kind der Strasse sein, wenn sie nicht Reichtum und Glanz über alles lieben, verschwenderischen Luxus treiben sollte! 1852 wird sie nach Berlin gerufen, um vor dem preussischen Hof und dem russischen Zaren auf der ,,Pfaueninsel" zu tanzen. Noch viele Jahre später leuchtet dort, zwischen Rasen und Buschwerk, ihre schmale hohe Gestalt, in einer Marmorfigur wiedergegeben, eine Erinnerung an ihr Gastspiel und an ihre einzigartige Kunst. Von Kaiser Nicolaus nach Petersburg berufen, feiert sie auch dort ungewöhnliche Erfolge. Als jedoch der Zar sie dauernd an Russland zxi fesseln sucht, mit dem Dekret ihrer Taufe — da lehnt die Rachel in schöner Verbundenheit mit ihrem Glauben und ihrem Volk ab! Sie ist Jüdin, bleibt Jüdin, will als solche leben — und sterben. Auf der Rückreise von Russland erkrankt sie. Den vielen Reisen, Fahrten im offenen Wagen, nachts durch kalte Strassen, den Abenden auf xtngeheizten Bühnen, dem späten Schlaf, der Hetze von Stadt zu Stadt, von Probe zu Probe — all dem ist sie nicht mehr gewachsen. Eine tückische Lungenkrankheit zerstört langsam den zarten Körper dieser ungewöhnlichen Frau. Sie reist nach Aegypten, bleibt dort monatelang, sucht Ruhe, Heilung, die ihr nicht beschieden. Ahnungen ihres baldigen Todes treiben die Schwerkranke nach Paris zurück, wo sie. im Januar 1858 unter Qualen stirbt. Welches Ansehen die Rachel sich erworben hatte, beweist ihr Begräbnis! Eine ungeheure Menschenmenge begleitet die Bahre der toten Tragödin zur jüdischen Abteilung des Pere Lachaise! Die bedeutendsten Männer von Paris, von Frankreich, unter ihnen Minister Cremieux, Mitglieder der Akademie, der französischen Theater, hervorragende Künstler, Vertreter der Pariser jüdischen Gemeinde, sie alle geben in Dankbarkeit der Frühgeschiedenen, Frühvollendeten letztes Geleite. Ein grosses Frauenschicksal hatte sich erfüllt. Ali G.— Plakat und Lackschrift-Untcrricht wird im Jugendheim, Eschersheimer Landstrasse 65, erteilt. Uebungsstunden jeden Werktag 20 Uhr. Zur Beachtung! Es ist ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgesetzlichen Charakters aul ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Ende des redaktionellen Teils Abgeschlossen am 17. Juni 1937. Die nächste Nummer erscheint am 26. Juli 1937. Annahmeschluß für redaktionelle Beiträge und Anzeigen 19. Juli 1937. Gottesdienstzeiten der Synagoge Unterlindau Freitag, 25. 6. abends 19.30. Samstag, 26. 6. morgens 8.15 anschliessend Oneg- Sehabbath. nachm. 13.00. Jugendgottcsdienst 15.30. Ausgang 21.40. Sonntag, 27. 6. morgens 7.00. nachm. 19.15. Wochengottesdienst morgens 6.30. nachm. 19.15. Freitag, 2. 7. abends 19.30. Samstag, 3. 7. morgens '8.15 anschliessend Oneg Sehabbath. nachm. 13.00. Jugendgottesdienst 15.30. Ausgang 21.40. Sonntag, 4. 7. morgens 7.00. nachm. 19.15. Wochengottesdienst morgens 6.30. nachm. 19.15. Freitag, 9. 7. abends 19.30. Samstag, 10. 7. morgens 8.15 anschliessend Oneg Sehabbath. nachm. 13.00. Jugendgottesdienst 15.30. Ausgang 21.35. Sonntag, 11. 7. morgens 7.00. nachm. 19.15. Wochengottesdienst morgens 6.30. nachm. 19.15. Freitag, 16. 7. abends 19.30. Samstag, 17. 7. morgens 8.15 anschliessend Oneg Sehabbath. nachm. 13.00. Jugendgottesdienst 15.30. Ausgang 21.25. Fastenbeginn 20.26. Sonntag, 18. 7. Tischo beaw morgens 6.25. nachm. 20.00. Fastenende 21.19. Wochengottesdienst morgens 6.30. nachm. 19.15. Freitag, 23. 7. abends 19.30. Samstag, 24. 7. morgens 8.15 anschliessend Oneg Sehabbath. nachm. 13.00. Jugendgottesdienst 15.30. Ausgang 21.15. Sonntag, 25. 7. morgens 7.00. nachm. 19.15. Wochengottesdienst morgens 6.30. nachm. 19.15. WT^ LEONA Füllhalter / Papier / Drucksachen / Schulartikel Füllhalterklinik LEO NATHAN Schillers». 1 fttüflS L E LEONA N A