Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 6 (3.1937)
- Date
- 1937-03-01
- Page
- Seite 29 (sequence 31)
- Language
- German
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Seite 29 Kisten aller Art au^'TXZ^i^^ neun billig Ki.tanfabrik Davia introiigaior Offenbach-M., Glockengasse 26, Tel. 84223 Auch'zu erreichen'in Prankfurt am Main, Sandweg 9 Aber wie reichlich sollte ich belohnt werden! Schon bei Betreten des Gartens, in welchem die Schule liegt, ist es mir, als ob eine andere Luft mich umwehte. Wer könnte auch dem Zauber dieser Blütenpracht widerstehen? Nie hätte ich mir träumen lassen, daß der steinige Boden Jerusalems solches hervorbringen könnte. Wie ein Märchen erscheint mir diese Fülle an Blüten, bei der die Rose den Vorrang hat — Rosen, wohin das Auge blickt, Tausende von Prachtexemplaren, wie ich sie nie zuvor gesehen habe; Rosen umgeben das Gärtnerhaus, ein Triumphbogen von Rosen — unmöglich sie mit Worten zu schildern. -. Auf dem Spielplatz ist eine Schar Mädchen verschiedenen Alters versammelt, denen der Chamsin nichts anzuhaben scheint. Sie tummeln sich in fröhlichem Spiel. Alles ist Freude, alles Bewegung. Ein Glockenzeichen ertönt und die Jetzt noch sich tummelnde Mädchenschar ist wie durch einen Zauber gebannt — unbeweglich verharrt jedes Kind in der Stellung, in der das Klingelzeichen es überraschte. Die zum Auffangen des Balls erhobene Hand bleibt in der Luft; der Arm, der noch jetzt das Hüpfseil schwang, bleibt ausgestreckt. Da ertönt das zweite Klingelzeichen; jedes Kind eilt zu seiner Klasse, um in geordneten Gruppen zur Garderobe und von da in die Klassenzimmer zu gehen. Zwei Mädchen haben sich inzwischen an das in der Halle aufgestellte Grammophon gestellt — ein drittes Klingelzeichen ertönt und zugleich Iässt sich ein Marsch vernehmen, nach dessen Klängen die Kinder aus den Klassen in die Aula marschieren, wo sie sich zur Morgenandacht versammeln. Alle sind einheitlich gekleidet, blauer Brustrock mit weisser Bluse, weissen Schuhen und Strümpfen; den Kleinen sind noch Halbstrümpfe und kurze Aermel erlaubt, eine Konzession an das Klima, die den Grösseren versagt ist. Ein erfrischendes Bild glücklicher Kinder, bei denen der Unterschied der Herkunft — sie kommen aus allen Herren Länder und. aus allen Schichten der Gesellschaft — durch die uniforme Kleidung ausgeglichen ist. Nicht nur die Kleidung ist hier einheitlich, die Füsse bewegen sich im Gleichschritt, die Herzen schlagen im Gleichtakt und der Sinn scheint auf das gleiche Ziel gerichtet: Schönheit, Disziplin, Ordnung. a ajsew ^ae^ avfe mm fj ■ mm gm at* sport-artikfl r% 11 m mm\ E m SPORT-KLEIDUNG WmW WM ■ w Wm\ Auewandererb-darf ■ ■ ■ mwmmwmw Moskitonetze*tc. Am Schauspielhaus 2—4, Tel. 28335 Wir sind in der Aula versammelt. Der "Einzug der Kinder hat sich in grösster Ruhe und einem Minimum an Zeit vollzogen. Kinder und Besucher erhalten ein Büchlein, das die Gebete in der von der Leiterin zusammengestellten Reihenfolge enthält. Die Andacht beginnt. Ausser in den zwei Vorschulklassen wird der schlichte Schul- Gottesdienst jeden Tag von einer anderen Schülerin. geleitet. Nur an dem letzten Tag der Schulwoche, und es war ein solcher Tag, als ich anwesend war, sind es zwei frohe Mädchen, die diese Pflicht teilen; die eine ist Führerin des täglichen Gebetes, die andere trägt den Wochenabschnitt der Thora vor. Die Kinder beten gemeinsam mit lauter Stimme, einzelne Stellen werden in vollendeter Harmonie gemeinsam gesungen. Der Thora-Abschnitt dieser Woche behandelt ein für Kinder gewiß nicht leichtes Thema — die Reinheitsgesetze und Lepra. Doch die Direktorin hilft mit ihrer, dem kindlichen Verständnis angepassten Schrifterklärung über die Schwierigkeit des Gegenstandes hinweg. Mit einem Lied zu Ehren des kommenden Schabbath schliesst der Gottesdienst. In vollendeter Disziplin verlassen die ' Herren-M od e n Ä. BREITEN STEIN Konstubler-Wachc Fahrgasse 121 und 150 Kinder den Versammlungsraum und verschwinden in ihren Klassenzimmern. Ich lasse mir von der Direktorin noch einiges über die Schule und ihre Ziele erzählen. Die Unterrichtssprachen sind englisch und hebräisch, die bei Absolvierung der Schule vollkommen beherrscht werden. Die Neigungen und Fähigkeiten der Kinder werden beobachtet und nach Möglichkeit individuell gefördert. Die Schule bemüht sich um die Unterbringung der Absolventinnen in geeigneten Arbeitsstellen. Auch nach Verlassen der Schule1 bleibt ein enger Zusammenhang zwischen Schule und Zöglingen bestehen, die auch weiterhin gern den Rat und die Hilfe der Schule in Anspruch nehmen und erhalten. Durch einen Klub bleiben die ehemaligen Schülerinnen zusammengefasst und treffen sich einmal im Jahre in den Räumen der Schule zu einer geselligen Veranstaltung. Besondere Aufmerksamkeit wird der Augen- und Zahnpflege gewidmet; eine Zahnklinik ist in der Schule eingerichtet, und die Augen der Kinder werden regelmässig untersucht. Die Kinder erhalten einen leichten Lunch in der Schule und im Winter wird ihnen Lebertran verabreicht. Für Unterricht und Unifomen wie auch für das Essen zahlen die Eltern, wie es überhaupt Grundsatz der Schule ist, keine Philanthropie zu treiben. Disziplin, wie sie in dieser Schule geübt wird, ist wohl im Orient besonders am Plätze. Dem gegenseitigen Verstehen zwischen Lehrern und Schülern scheint diese straffe Zucht nicht Abbruch zu tun, denn das sich mir darbietende Bild erweckte den starken Eindruck, daß hier die Kinder mit Lust und Liebe zur Schule kommen. Die Gründung dieser Schule liegt viele Jahre zurück. Es dürfte interessant sein, zu erfahren, ob und wie weit diese geschilderte Morgenandacht als eine religiöse Beeinflussung für's Leben bei den Zöglingen nachhält. Ist es eine Form geworden, oder ist es wirklich ,,Gottesdienst des Herzens"? Ich jedenfalls verließ die Schule mit einem tiefen Dank im Herzen an die Leiterin und das Lehrpersonal, deren Zusammenwirken ein derartig schönem Werk hervorgebracht hat und fortpflanzt. Irene Darmstädter Kibbuz Aelterenseminar des südwestdeutschen Kibbuz des J. P. Makkabi Hazair Am Abend des 12. Februar sowie am 13. Februar 1937 veranstaltete der südwestdeutsche Kibbuz des J. P. Makkabi Hazair in Frankfurt a. M. ein Seminar für die Aelteren des Kibbuz, das in Verbindung mit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung, Frankfurt a. M. durchgeführt wurde. Es nahmen 46 Chawerim und Chaweroth an dem Seminar teil. Besonders stark war die Aelterenschaft des Gdud Frankfurt und der Makkabi-Hachschara-Kibbuz Löhnberg-Hütte vertreten, ferner nahmen Chawerim aus Offenbach, Hanau, Aschaffenburg, Mainz, Bad Kreuznach und Pirmasens an dem Seminar teil. Der Kibbuzleiter, Heinz Gochsheimer, knüpfte in seiner Einleitung an das bekannte Wort des Blauweiss an: „Ein Bund ist eine Armee auf dem Marsch". Wesentlich aber ist, daß diese friedliche Armee nicht nur einem Befehl zu gehorchen vermag, sondern daß auch der Letzte um die Zielsetzung und Aufgabe weiss, sowie vor allem die Grundlagen menschlichen Strebens und Denkens überhaupt. Hierzu einen Beitrag zu liefern, war die Aufgabe des einzigen Referenten des Seminars, Herrn Professor Dr. Ernst Kantorowicz-Frankfurt a. M. Professor Kantorowicz legte in seinen überaus instruktiven Ausführungen die Grundlagen und Grundkräfte des gesellschaftlichen Lebens dar. Neben der sachlichen Belehrung war es das besondere Verdienst des Referenten, beispielhaft zu zeigen, in welcher Weise. Tatsachen und Probleme allgemeinen Wissens jugendlichen Menschen zu vermitteln sind. Das Seminar, das mit musikalischen Vorträgen abschloß, war in jeder Hinsicht vollauf gelungen. Josef ben Mordechai