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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1937-03-01 · 6 (3.1937) · p. Seite 28

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
6 (3.1937)
Date
1937-03-01
Page
Seite 28 (sequence 30)
Language
German
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JUGEND UND GEMEINDE Beilage zum Frankfurter Israelitischen Gemeindeblatt Herausgegeben von der Jugendkommission der Israelitischen Gemeinde Nr. 6 März 1?37 Alle Artikel sind persönliche Meinungsäusserungen der Veriasser, die Schriftleitung der Beilage übernimmt nur die pressgesetzliche Verantwortung. — Beiträee für die Beilage und Zuschriften sind an die Sehriftleitung der Beilage. Fahreasse 146. zu richten. Werkleute (Ein Elternabend) Elternabende, in welcher Form sie auch gestaltet werden, haben den Sinn, die Spannung, die zwischen der Elternschaft und den Menschen des Bundes liegt, zu überbrücken. Eine Spannung, die sich nicht allein aus den kleinen Differenzen ergibt, die durch die Mehrbeschäftigung des in den Bund eingegliederten jungen Menschen entstehen, sondern die oft tiefer liegen, in der Anschauung begründet. Ein richtiger Elternabend muß sich deshalb bemühen, auch der Elternschaft, die durch ihre Anschauung von dem Sein des Bundes getrennt ist — und gerade ihr — ein Bild des Bundes zu geben, das ihr annehmbar erscheint. Mithin: er muß überzeugen. Der Elternabend der Werkleute (5. Dezember 1936, in der Aula des Philanthropins) hatte zwei Mittelpunkte: das Spiel und die Rede des Bundesführers. Man hatte sich kein: einfaches Laienspiel gewählt, sondern jene zwei grossen Auftritte aus Richard Beer-Hofmanns Jaakobs Traum, in dessen erstem Edom von dem ihm gestohlenen Segen erfährt und in dessen zweitem die grosse Auseinandersetzung zwischen Edom und Jaakob geschieht, aus der Jaakob befreit vom Hasse Edoms geht. Man hat damit den Versuch gemacht, in das Wesentliche unserer dramatischen Literatur zu greifen — und es gelang. Die einfache Szenerie verwandelte sich zur Bühne — die Spieler, wachsend an dem Stoff, wurden zur Gestalt. Man fühlte ihre Offenheit, ihr Erleben gegenüber dem Werk. Und es gelang ihnen freies, gestaltetes Spiel zu schaffen, das nur noch in seinen Mitteln, nicht aber in Gestaltung und Form, wirklicher Bühne nachgab. Die Rede Ernst Bauers versuchte, in einfacher Form den Weg der Werkleute zu beschreiben. Indem er allgemein den Weg jüdischer Jugendbewegung von den Ausgangspunkten her aufwies, führte er dann zur Besonderheit des Weges der Werkleute. Ging es einst der Jugendbewegung darum ein „Jugendland" zu schaffen, das die Wirklichkeit des gesamten Lebens nicht einbeziehen musste, so wurde es Aufgabe jüdischer Jugendbewegung einen Weg zu finden, der sich mit der Wirklichkeit dauernd konfrontieren muß. Es war deshalb unmöglich, „reine" Jugendbewegung nachzuleben und es schien so, als ob statt Jugendbewegung immer mehr Jugendpflege werde. Die Bünde bemühen sich jedoch, ihren Mensehen nicht nur eine Haltung, sondern auch die Möglichkeit der Verwirklichung dieser Haltung zu geben. So wird oft die Diskussion über diese Verwirklichung — die ja den Mensch und sein ganzes Leben fordert — in den Bünden stärker, als das Leben in den Formen und Grundsätzen ursprünglicher Jugendbewegung. Aber trotz all dieser Bemühung um die Verwirklichung und all der Dinge, die mit ihr in Zusammenhang stehen (Umschichtung, Hachscharah), haben die grossen, wertvollen Bestandteile der Jugendbewegung in den einzelnen Gruppen ihre Wertbeständigkeit erwiesen und sind dort bewahrt worden. Wenn heute die alte Form der „reinen" Jugendbewegung einer neuen Form weichen musste, so hat doch diese neue Form die Tradition und die Werte der alten mitübernommen. Und wenn es manchmal scheint, als ob dies zurücktreten würde, so ist dies nur ein bestimmtes Stadium, ein Punkt in der Bewegung, der immer wieder neu überwunden werden muß und wird. Ernst Bauer betonte, daß. der Bund sich in den letzten Jahren in einer neuen Auseinandersetzung befand. Er kam aus der einstigen „deutsch-jüdischen" Jugendbewegung und wuchs in die zionistischchaluzische Bewegung ein — mit all der Problematik, die auf diesem Weg zu bewältigen war. Heute, wo der Bund ein fester Bestandteil dieser Bewegung geworden ist, kann er sich seiner ursprünglichen Aufgabe wieder nähern. So steht das Lernen wieder stärker in der Arbeit des Bundes und so ist der Bund seiner ursprünglichen Art treu geblieben. Besonders eindrucksvoll war es, als in dem weiteren reichhaltigen Programm im Verlauf eines Sprechchores eine Stimme frug: Wo sind unsere Chawerim in Erez Israel? Da öffnete sich ein Vorhang, der eine selbstgezeichnetete Karte Palästinas frei gab, und ein Jüngerer trat aus dem Chore und zeigte jene beiden Orte, in denen die Werkleute eigene Siedlungspunkte besitzen. Auch hier wurde der besondere Weg des Bundes aufgewiesen, der es sich zur Aufgabe macht, seine Menschen in eigenen Punkten als gemeinsame Gruppe zur Siedlung zu bringen. Noch vieles ist zu erwähnen: das Gedicht Wolfskehls „Immer wieder", das ein Sprechchor eindrucksvoll sprach, Nigunim und Lieder, ein Largo von Händel, von einem Jüngeren sehr reizvoll gespielt; Bildfolgen, die das Schicksal der Galuth dem Aufbau Erez Israels gegenüberstellten. Man darf glauben, dass dieser Elternabend seine Aufgabe wirklich erfüllt hat, dass er die Brücke geschlagen hat von der Bewegung zur Elternschaft. Es ist wohl das Wertvollste, dass man mit dem Gefühl hinausgehen durfte: Das ist der Bund! P. F. Morgenandacht in der Eveliiie de Rothschild^School Von den starken Eindrücken, die ich bei meiner letzten Reise aufs neue empfangen habe, möchte ich eine kleine Schilderung der Morgenandacht in der Eveline de Rothschild Schoo], eine von der Anglo-Jewish Association gegründete Mädchenschule, die im Geiste des gesetzestreuen Judentums in vorbildlicher Weise von Miss A. E. Landau geleitet wird, wiedergeben. — Ich nahm die Aufforderung der Direktorin anr einer Morgenandacht der Schule beizuwohnen und bei dieser Gelegenheit die Schule kennen zu lernen. Ein unbarmherziger Chamsin (heisser Wüstenwind) bell errscht Jerusalem. Schon am frühen Morgen ist die Gluthitze unerträglich; der sonst so freundlich tiefblaue Himmel lagert wie eine bleigraue Masse über der Stadt; in dieser fast greifbaren Luft wird das Atmen schwer,-die Glieder versagen , den Dienst. Ungern verlasse ich die Kühle des durch dicke Wände gegen die Einflüsse der Witterung geschützten Hauses und schleppe: mich mühsam durch die kurze Strasse hin, die meine Gaststätte von der Behausung der Eveline de Rothschild School trennt.

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