Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 3 (12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
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Seite 22 sei sie statt eines „Kabinetts von Persönlichkeiten" eine „Koalitionsregierung" geworden. „Nicht eindringlich genug kann ti<m einzelnen Juden die durch die Verhältnisse gebotene Begrenzung der Arbeitsmöglichkeit der Reichs Vertretung vor Augen geführt werden. Die Reichsvertretung hat bisher eine sehr geringe propagandistische Tätigkeit entfaltet. Vielleicht ist dies auch der Grund, weshalb über das, was sie im Rahmen der ihr gesetzten Grenzen geleistet hat, nicht hinreichend Klarheit besteht," D c Alexander zählt sodann andeutungsweise auf, woran die Reicbsvertretung mitgearbeitet und was sie geschaffen hat: die Organisation von „Hilfe und Aufbau", das Auswanderungsproblem in seiner Vorbereitung, Führung und Zielbestrebung, das von ihr l.achdrücklich beeinflusst wird; das jüdische Schulwesen, das von ihr organisiert ist und fortl-iufend betivm wird; die EihflüRSnahme auf das kulturelle Schaffen in Verbindung mit dem Reiehsverband der Jüdischen Kulturbünde; ihre vermittelnde und ausgleichende Tätigkeit, wo immer im innevjüdischen Leben die Gegensätze aufeinanderstossen; ihre Wirksamkeit als autorisierte Schlichtungsstelle in. den verschiedenen Fällen, in denen unt-3r ihrer Führung ein Gemeindewahlkanrpf durch Schaffung einer Einheitsliste vermieden worden ist. Diese Arbeit könne nur von einer Stelle geleistet werden, die sich der stärksten Autorität erfreut. Die jüdische Bevölkerung müsse an die Reichs Vertretung glauben, d. h., sie muss im tiefsten davon überzeugt sein, dass die Mann? r, die zu ihr gehören, über alle Gegenätze hinweg nur das gesamtjüdische Interesse im Auge haben und das Beste wollen. Andererseits dürfe es für die Reichsvertretung auch nur ein Ziel geben: die Förderung des Wohles der jüdischen Menschen, gleichviel welcher Richtung sie angehören. — Krefeld. Aus der Jüdischen Gemeinde Krefeld, die am 16. Juni 1933 1481 Mitglieder zählte, sind in der Zeit vom 1. Januar 1933 bis 31. Oktober 1936 3S1 Personen fortgezogen. Von ihnen gingen nach Orten innerhalb Deutschlands 186, nach Palästina 14, nach sonstigen Ländern 121 und mit unbekanntem Ziel 60 Personen fort. In dem gleichen Zeitraum starben 73 Gemeindemitglieder; 13 Kinder wurden geboren. Der durch Abwanderung und Sterbeüberschuss entstandene Abgang ist durch Zuzug aus anderen Orten Deutschlands etwa ausgeglichen worden. Ende September 1936 zählte die Gemeinde 1445 Mitglieder. — München; Das vor kurzem gegründete Lehr haus der Israelitischen Kultusgemeinde in'München ist eröffnet worden. In der ersten Veranstaltung sprachen der Gemeindevorsitzende Oberstlandesgerichtsrat i. R. Dr. Neumeyer und Gemeinderabbiner Dr. Baerwald. Das Lehrhaus soll, wie sie sagten, nicht nur zum Kern der Bildungsarbeit der Münchener Gemeinde werden, sondern befruchtend und belehrend auf das GaiTfte süddeutsche Judentum wirken. Dr. Eduard Strauss-Frankfurt a. M. sprach über die jüdischen Bildungsaufgaben und Wissenswege im ^Ä/*^ ödelfücf)se RxPM 7 Mäntel JL W PI?- Paletots m W viä Onphon ^^m^ Friedensstrasse 10 neben dem Frankfurier Hof Feinsie Mafjarbeit / Umarbeitungen billigst Louis ^>Simon' . 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Kranken-Versicherung Zuverlässige Berat urg Reuter weg 53 Tel. 74535 Wertheim?uver,ässi«e Leben, Auto, Unfall Haftpflicht, laschinen Hausversiaherungen etc. irischen Bestandteil der Stadtbibliothek und könne daher daraus nicht ohne schwere Beschädigung ihres Gcsamtaufbaua gelöst werden, üie Stadtverwaltung hat sich aber bereit erklärt, die Sammlung der Forschung an Ort und Stelle ohne Einschränkung zur Verfügung zu stellen und hat sich erboten, die Errichtung einer Zweigstelle des Reichsinstitutes in Frankfurt a. Main in jeder Weise zu fördern und zu unterstützen. — Karlsruhe. Mit Genehmigung des Ministeriums für Kultus und Unterrieht ist in Karlsruhe eine V o l k s s e h u l a b t e i l u n g für jüdische Kinder errichtet worden. Unter 14.878 Schulkindern befanden sich 212 jüdische Kinder, die nun in sieben Klassen zusammengefaßt sind und von jüdischen Lehrern unterrichtet werden. Auch IL auswärts wohnende jüdische Kinder nehmen an dieser Schule teil. Die jüdischen Mischlingskinder sind in der Normalsehule verblieben. — Röhl. Die Synagogengemeinde Köln gibt bekannt, daß für die am 29. November festgesetzte Wahl der Repräsentanten nur eine Einheitsliste eingereicht worden ist. Es findet daher keine Stimmabgabe statt. Die Kandidaten der Einheitsliste gelten als gewählt. Diese Einheitsliste umfasst 21 Repräsentanten und 9 Stellvertreter. Acht der Repräsentanten gehören der Religiös-Liberalen Partei an, neun sind Zionisten, drei Mitglieder sind Konservative und ein Mitglied der Repräsentan- (enverSammlung gehört der Mittelparroi an Die neun Stellvertreter bestehen aus drei Liberalen, drei Zionisten, zwei Konservativen und einem Mittelparteiler. An erster Stelle der Einheitsliste steht der gegenwärtige Vorsitzende der Synagogengemeinde Köln, Albert Bendix, an zweiter Stelle R-.A. Dr. Hans Callmann (beide der religiös-liberalen Fraktion zugehörig"). Unter den zionistischen Vertretern befinden sieh Amtsgeriehtsrat i. R. Otto May, Stadtdirektor i. R. Dr. Kramer und Arthur Joseph, unter den konservativen Vertretern Professor Dr. Kisch. — Im „Gemeindeblatt für die jüdischen Gemeinden im Rheinland und Westfalen" veröffentlicht Rechtsanwalt Dr. Kurt Alexander-Krefeld, der kürzlich in den Präsidialausschuss berufen worden ist, einen Aufsatz über „Die Haltung des Judentums zur Reichs Vertretung". Dr. Alexander erörtert im einzelnen, inwieweit die Reichsvertretung auch organisatorisch und personell von dein Gründungscharakter abgewichen ist. Sie unterscheide sieh \ on den anderen jüdischen Organisationen nur insoweit, als sie keinen eigenen Mitgliederkreis umfasst und auch finanziell von den Landesverbänden der Synagogengemeinden getragen wird. I Jamit habe sie also in Wahrheit ihren Charakter als Spitzenorganisation bewahrt. Durch die am 12. August erfolgte Umbildung