Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-11-01 · 2 (11.1936) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
15 (1936-1937)
Issue
2 (11.1936)
Date
1936-11-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3094266-3094439-3094441--5448-3100262
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 diesbezgl. Anfrage mitgeteilt hat, dass das Schema im kommenden Jahrgang (also für das laufende Schuljahr) an dieser Stelle geändert werden wird. Bei den jüdischen' höheren Schulen liegen die Dinge insofern einfacher, als die nichtarischen Frontkämpferkinder (bis auf verschwindend geringe und hier zu vernachlässigende Ausnahmen) mit den jüdischen Front kämpf erkindern identisch sind. Tabelle 3. Jüdische Frontkämpferkind er auf den berechtigten öffentlichen höheren jüdischen Schulen Frankfurts. hieivon Qe- Daiunter Fiont- ' samt- Reichskämpferzahl deutsche kinder 1. Philanthropin Reformrealgymnasium 393 346 226 2. Samson Raphael Hirsch Schule. Realschule 177 143 104 3. Philanthropin Lyzeum 311 279 182 4. Samson Raphael Hirsch Schule, Lyzeum 188 153 91 1069 921 603 Ergebnis: Unter den 921 reichsdeutsehen Schülern und Schülerinnen auf den beiden berechtigten öffentlichen höheren jüdischen Lehranstalten Frankfurts Ovaren 603 Frontkämpferkinder, - das sind 65.5 v. H. An die Gemeindemitglieder! Auf die a) am 10. Juni und 10. September 1936 fällig get, wesene Kultussteuerraten für Veranlagte b) am 15. Mai 1936 fällig gewesene Rate für Nur-Lohnsteuerpflichtige wird hierdurch nochmals hingewiesen. Wer die Raten noch nicht gezahlt hat, möge dies bei Meidung von Kosten und Weiterungen sofort tun. (Postscheckkonto No. 800 Frankfurt a. M., Steuerkasse der Israelitischen Gemeinde.) Wir verweisen im übrigen auf die diesbezgl. Bekanntmachung des Steueramtes in der vorliegenden Nummer. Frankfurt a. M., den 8. Oktober 1936 VORSTAND DER ISRAELITISCHEN GEMEINDE Brief aus Ecuador Wir veröffentlichen hier einen Brief, der uns aus Ecuador zugegangen ist. Zu dem Inhalt des Briefes teilt uns der Hilfsverein der Juden in Deutschland, dem wir das Manuskript vorgelegt haben, folgendes mit: „Die Angaben über das Klima werden von anderer* Seite stark angezweifelt, insbesondere erscheint noch fragwürdig, ob europäische Einwanderer in der Tat ohne Beschwerden in so grossen Höhenlagen leben können. Die .Frage einer landwirtschaftlichen Gruppen- oder gar Massenkolonisation wird von den zuständigen Stellen in Deutschland, d. h. vor allem vom Hilfsverein, z. Zt. geprüft. Das Ergebnis dieser Prüfung bleibt abzuwarten". Wir bitten unsere Leser, diese Hinweise des Hilfsvereins bei der Lektüre des Briefes zu berücksichtigen. Man hört über Ecuador wohl deshalb so viel Widerspruchs-, volles, weil die Mehrzahl der Autoren das Land, über das sie schreiben, niemals betreten haben. Damit soll nicht gesagt sein, dass ein halbes Dutzend Berichte, an Ort und Stelle abgefasst, übereinstimmen werden. Ecuador, zweieinhalb mal so gross wie Deutschland an Flächeninhalt, an der Küste vom Ozean umspült, mit Gebirgszügen, deren höchste Spitzen durch die Namen Chimborasso und Cotopaxie bekannt sind, hat naturgemäss jede Sorte von Klima. Aus diesem Umstand erklären sieh die widerspruchsvollen Schilderungen. An der Küste bis zu 800 m Höhe hinauf herrscht tropisches Klima, nicht besser und nicht sehlechter als im. anderen tropischen Ländern. Dann kommt eine Etappe bis zu 1500 m Höhe mit subtropischer Vegetation und entsprechenden Lebensverhältnissen. Dagegen liegt die Hauptstadt des Landes — Quito — auf etwa 3000 m Höhe und hat ein Klima, wie es ähnlich ideal kaum noch irgendwo auf der Welt das ganze Jahr hindurch vorkommen wird. Man kann die klimatischen Verhältnisse von Ecuador in der Höhe von Quito nur mit der Eiviera im Monat Mai vergleichen, wobei noch ausdrücklich festzustellen ist, dass, obwohl Quito fast doppelt so hoch liegt wie St Moritz im Engadin, diese beachtliche Höhe bisher noch keinen Einwanderer irgendwelche Beschwerden verursacht hat. Ein Tag ohne Sonnensehein ist eine Seltenheit; dabei wird es zu keiner Tagesstunde wärmer als in Europa etwa im Monat Mai, während die Nächte kühl genug sind, um einen gesunden Schlaf zu gewährleisten. Wenn ich nun noch hinzusetzte, daß die Eist-nbahnfahrt vom Ankunftshafen Guayaquill bis hinauf nach Quito,' der Hauptstadt des Landes, anderthalb Tage beansprucht, so ergeben sich aus den geschilderten Umständen und den "Riesenentfernungen die sich widersprechenden Berichte über die klimatischen Verhältnisse dieses Landes. Bis vor etwa einem Jahr gab es in ganz Ecuador kaum hundert Juden, bei einer Gesamtbevölkerung von etwa zwei Millionen Menschen. Die letzten zwölf Monate haben einen starken Zustrom gebracht: In Guayaquill dürften heute schätzuhgs- Aveise 150—200 Juden sich aufhalten, in Quito 400—500. Die jüngeren Deutschen sind meist in Guayaquill geblieben, wo £ie bei den grossen Exportfirmen auf Grund ihrer Sprachkenntnisse Anstellung fanden. Sie haben in zwei jüdischen Aerzten. Dr. Julian Hirsch aus Breslau und Dr. Cohn aus Berlin, eine wertvolle moralische Stütze gefunden. Das sind, nebenbei bemerkt, die einzigen deutschen Aerzte, denen es in den letzten Jahren gelungen ist, das vorgeschriebene Zulassungsexameu zu bestehen. Ich möchte gleich an dieser Stelle einfügen, dass, so tolerant wie Begierung und Leute sind, im Punkte der Ausübung des ärztlichen Berufes bei der Prüfung solche Schwierigkeiten gemacht werden, dass nur ganz junge Aerzte, die g3willt sind, 1—2 Jahre hier nochmals zu studieren, eine Möglichkeit haben, das Zulassungsexamen zu bestehen. Dasselbe trifft auf Juristen zu, die selbstverständlich in erster Lin>e die spanische Sprache absolut beherischen müssen. In Quito, dem Sitz der Begierung, haben die angekommenen Juuon sich mehr dem Kleinhandel gewidmet. Es sind Modegeschäfte aller Art im kleinen Stil mit recht guten Erfolgen eingelichtet worden, und da, wo genügend Beiriebbkapital zur Vorfügung stand, ernähren sieh die Leute anständig. Vor einigen Wochen erschien bei mir eine Deputation von Ost- und Westjuden, die in aller Stille die Gründung eines jüdischen Vereins beschlossen hatten, und mich baten, das Präsidium zu übernehmen. Dieser Verein hat inzwischen ein Lokal von 7 Bäumen gemietet, ist dabei, ein jüdisches Bestaurant zu eröffnen (ein Schochet 'aus Ungarn ist dort angestellt), einer der Bäume ist für den Gottesdienst reserviert, und dieser Verein soll speziell AUSWANDERER nach Erez u. a. Ländern kaufen ihr Schillerstrasse 20 PIANO ISAAC NEUMANN bei

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.