Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 15 (1936-1937)
- Issue
- 1 (10.1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 21 Persönliche Nachrichten Fanny Blau s. A. Am Donnerstag, den 24. September, ist Frau Fanny Blau, geb. Hirschler, die Gattin des Vorsitzenden des Vorstands unserer Gemeinde Justizrat Dr. Julius Blau, nach kurzem schwerem Leiden verstorben. Mit allen Freunden der Familie, nali und fern, nimmt auch die Gemeindeverwaltung und der Kreis ihrer Mitarbeiter innigen Anteil an dem schweren Verlust, den die Hinterbliebenen, Gatte und Sohn, erlitten haben. Allen Interessen und Arbeiten des Gatten völlig aufgeschlossen, war Frau Fanny Blau mit den Fragen des jüdischen Lebens eng vertraut. Zwar hat sie sich von der Tätigkeit ihrer früheren Jahre in der Hauspflege der Frankfurt-Loge, im Kinderschutz der Weiblichen Fürsorge, im Damen-Komitee der Flersheim-Stiftung zurückgezogen, um ganz ihren Aufgaben in der Familie zu leben. Umso grösser ist die Lücke, die sie hier hinterlässt. Zu der Teilnahmt', die Herr Justizrat Blau und sein Sohn in diesen Tagen erfahren, fügt sich der Wunsch aller, dass Gottes Trost ihnen die Kraft verleihen möge, auch künftig ihrem Werk zu dienen. 85. Geburtstag 25. 10. 193G: Julius Albert Loeb, Kettenhofweg 92 75. Geburtstag 11. 9. 1936: Joseph Frank, Leerbachstrasse 10. Anstalten und Vereine Israelitische Religionsschule Das Winterhalbjahr beginnt am Montag, den 19. Oktober 1936. Anmeldungen für die Anstalt Hermesweg und Unterlindau nimmt der Leiter, Herr Gemeinderabbiner Dr. J. Horovitz, entgegen: Im Schulgebäude Hermesweg 5-7 am Montag, den 19. & Mittwoch, den 21. Oktober, mittags von 3-4 Uhr, sowie Sonntag, den 25. Ok- tober von 10-11 Uhr. Unterlindau 21 am Dienstag, den 20. & Donnerstag, den 22. Oktober, nachmittags von 4-5 Uhr. Ez Chajini Unsere Fortbildungskurse in den rabbinischen Fächern von den Anfangsgründen bis zur Gemara mit Tossafoth usf. finden in sieben Abteilungen mit durchschnittlich täglich 1—2 stündigem Unterricht in der Israelitischen Religionsschule Hermesweg 7, statt. Anmeldungen nimmt Herr Gemeinderabbiner Dr. J. Horovitz, Unterlindau 21, Dienstag, den 20. Oktober und Donnerstag, den 22. Oktober, zwischen 16-17 Uhr und Herr Lehrer S. S c h er e s c h e w s k y im Schulgebäude Montag, den 19. Oktober, Donnerstag, den 22. Oktober, und Montag, den 26. Oktober, zwischen 15—16 Uhrentgegen. , - Talmud Thora-Verein Dienstag,-6; Oktober, abends 9 Uhr. Hauschanorabbo-Lernen im Hause Theobald Christstrasse 6. Teilnehmerkarten bei Synagogendiener S. Israel, in der Synagoge am Dominikanerplatz. Freitag, 16. Oktober, im Anschluss an den Abendgottesdienst in der Synagoge am Dominikanerplatz „Vortrag" Herr Rabbiner Dr. H el f f m ann. Freitag, 23. Oktober, im Anschluss an den Abendgottesdienst im Hörsaal der Synagoge am Dominikanerplatz „Vortrag" Herr Rabb.-Ass. Rabbiner Kirschbaum. Freitag, 30. Oktober, im Anschluss an den Abendgottesdienst im7Hörsaal der Synagoge am Dominikanerplatz „Vortrag" Herr Rabbiner Dr. Nenhaus. Gefallenen - Gedenkfeier des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten 'Wie Ströme vergossener Tränen rauschten Regenschauer von dem., grauverhängten Himmel nieder und verstärkten die wehmutsvolle Stimmung dieser Weihestunde. Trotz der Missgunst der Witterung' hatten wohl- 1000 alte Frontsoldaten, darunter viele Schwerkriegsbeschädigte, dann viele Kriegshinterbliebene und Frauen-den weiten Weg nicht gescheut, um gemeinsam die 12000 jüdisohen Gefallenen des-deutschen Heeres zu ehren. Die grosse, schöne und in ihrer Schlichtheit ungemein wirkungsvolle Trauerhalle des neuen Friedhofs an der Eckenheimerlandstraße konnte mit ihien Nebenriiumen die Zahl der Erschienenen kaum fassen. Vor dem Rednerpult, in einer Gruppe von Lorbeerpflanzen und beleuchtet von zwei starken Wachskerzen, ruhte auf einem Tisch ein grosses Buch mit der Aufschrift „Die jüdischen Gefallenen des deutschen Heeres 1914 — 1918. Ein Gedenkbuch". Neben diesem Sinnbild nie verlöschenden Gedächtnisses hielten mit hohen Kriegsauszeichnungen geschmückte Kameraden der Toten und, als Vertreter einer in den Anschauungen der Frontgeneration erzogenen Sportjugend, eine kleine Schar weissgekleideter Fechter die Ehrenwache. Leise Orgelklänge, die in das Schweigen der wie einst ausgerichtet in über vierzig Gliedern angetretenen Frontkämpfer strömten, leiteten über zu der Ansprache, die der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Herr Dr. Felix K a uff man n, an die Versammlung richtete. Er legte dar, wie der religiöse Gehalt dieser, zwischen den höchsten Festen des jüdischen Jahres liegenden Tage und gerade dieser, dem Gedenken des vor 2500 Jahren gefallenen Gedaljah gewidmete Fasttag zur Ehrung der für Deutschland im Weltkriege auf dem Felde der Ehre Gebliebenen geeignet sei. Er zeigte an einer Briefstelle eines schon in den Septembertagen 1914 gefallenen Kriegsfreiwilligen, wie diese jungen Menschen in dem blutigen Ringen jener Tage den verloren gegangenen Glauben an Gott und die Menschen wieder fanden. Der Reichsbund betrachte es mit als seine Aufgabe, das Interesse an jüdischem Wissen und Brauchtum wachzuerhalten und vorhandene Kenntnis zu vertiefen. Auf allen Gebieten sozialer Fürsorge sei er in seinem Kreise tätig; er betreue die Kriegsopfer, die Schwerverletzten, die Kriegereltern, -witwen und -waisen, er helfe den Erwerbslosen und sorge für die körperliehe Gesundung und Ertüchtigung der jüdischen Jugend. So ehre er das Gedächtnis der 12000 toten Helden, die in den Reihen der Ueberlebenden gefallen, ewig in deren Mitte bleiben sollten. Nachdem die Klänge des Trauermarsches aus Beethovens Eroica verhallt waren, ergriff der ehemalige Feldrabbiner, Herr Dr. Salzberger, das Wort zu einer packenden Ansprache. In Sätzen, die jedem der versammelten alten Soldaten aus der Seele gesprochen waren, zeichnete er die für den jüdischen Frontkämpfer entstandene Lage. Ueber alle Meinungsverschiedenheiten des Tages hinweg sollten sie sich zu gemeinsamen Handeln finden, sollten für die Ehre des Judentums weiter kämpfen und für sie treu bis zum Tode stehen. Die Namen der 12000 jüdischen Frontkämpfer seien nicht nur in die Tafeln der Synagogen und Friedhöfe, sondern unauslöschlich in die Herzen ihrer Mitkämpfer eingegraben, die ihr Andenken mit sich in die Welt nehmen würden, wenn einmal die Stunde des Abschieds für diesen oder jenen kommen sollte. Mit tiefer Bewegung und hoher' gesanglicher Kunst trug Herr Oberkantor Gross das „El mole rachamim" vor, das allen ans Herz griff. Gemeinsam wurde dann das Kaddischgebet gesprochen. Nachdem in einer Minute des Schweigens die Gedanken der Versammelten bei ihren gefallenen Lieben und Kameraden geweilt, schloss das gemeinsam gesungene alte Soldatenlied vom guten Kameraden die eindrucksvolle Feier. Das Erwerbslosenheim in neuen Räumen Am 15. September hat das Tagesheim der erwerbslosen jüdischen Jugend in der Quinckestrasse neue Räume bezogen. Diese Tatsache gab zu einer kurzen, eindrucksvollen Feierstunde Anlast. Der Leiter, Dr. Fritz Mayer, sprach in seinen Eröffnungsworten dem Vorstand des Tagesheims und der Jüdischen Wohlfahrtspflege, Frankfurt, seinen Dank aus und richtete anschliessend an die Mitglieder des Tagesheims eindringliche Worte, in denen der Ernst der Situation Ausdruck fand. Alfred Auerbach, der sich um das Tagesheim schon grosse Verdienste erworben hat, sprach dann zwei Gedichte, die eine tiefe Wirkung binterliessen. Nachdem Dr. B e r g e 1 das Tagesheim in seinen neuen Räumen willkommen geheissen hatte, hatten die Gäste Gelegenheit die Räume zu besichtigen. Man sah, daß vor allem die Werkstätten sehr erweitert werden konnten und daß dem Erwerbslosenheim dadurch neue Möglichkeiten geschaffen wurden. Es bleibt der Wunsch, daß alle die guten WTünsche, die das Erwerbslosenheim an diesem Tag erhielt, in Erfüllung gehen mögen. A. H J. Jüdischer Kulturbund Rhein-Main Das Oktober-Programm des Jüdischen Kulturbunds Rhein- Main umfasst folgende Veranstaltungen: 1. Spielzeug-Ausstellung mit Charakterpuppen von Edith Samuel, Berlin, Kinderbüchern und seltenen Spielsachen aus Frankfurter Privatbesitz, vom 4. bis einschließlich 18. Oktober, im Hause