Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 14 (1935-1936)
- Issue
- 11 (8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 415 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3094266-3094426-3094437--5323-3100135- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 415 sie nehmen teil am Leben und Schicksal des eben noch fremden Menschen. Von Kindern wird gesprochen, die irgendwo in der Ferne sieh ein neues Leben aufbauen. Man wird Zeuge tapferen Entsagens und zäher Kraft. Man geht durch jüdische Museen und Bibliotheken und erlebt die heutige Zeit als einen Ausschnitt aus unserer Geschichte. Unendlich gross und fruchtbar sind die Erfahrungen, die man sammelt in den kulturellen, den wohltätigen und den sportlichen Einrichtungen. Ein Gottesdienst in der fremden Stadt, in manchem von den heimischen Gebräuchen abweichend, ergreift und begeistert.. Viel haben wir verloren, aber haben wir nicht auch Manches gewonnen? Sind die Dinge, die wir jetzt auf unserer Ferienreise erleben, nicht viel wertvoller als mancher Vergniigungstand früherer Reisen? Man zog in die Reparaturen in eig. Werkstätte llle mpoi ttrfiu nehme ich bii Hraianl In Zahlung No. 2 Fremde, man wollte sich selbst entfliehen — und kehrt mit nicht erhofften und erwarteten Erlebnissen zurück, mit Schätzen, von denen wir im harten Alltag zehren werden, man fand zurück zu den Quellen eigener und seines Volkes Kraft. Dr. Eduard Schreiber Tagungen Londoner Eindrücke Zur -10. Tagung der World Union for Progressive Judaism von Wolfgang Malzdorff Religiös-liberale Juden aus Deutschland waren bei dieser Zusammenkunft die grösste auswärtige Delegation. Zum lOjährigen Bestehen dieser World Union waren sie erschienen, um zu hören und zu sagen, welche Probleme ein religiös-fortschrittliches Judentum nach lOjährigem Zusammenschluss gemeinsam beschäftigen. Entwicklungsfreudiges Judentum aus den 5 Erdteilen versuchte eine Bilanz zu ziehen. Wenn darüber in den Blättern unserer jüdischen Einheitsgemeinde berichtet wird, so können hierbei nur einige Bemerkungen erfolgen, die für unsere Gemeinde in ihrer Gesamtheit von Interesse sein können. I. „Autorität und Freiheit im fortschrittlichen Judentum" war das Thema der Roundtable-Konferenz Rabbiner Dr. Dienemann.- Offenbach und Rabbi Gordon-St. Louis, U. S. A. hielten die einleitenden Referate. Das Thema war unter dem Einfluss junger Menschen aus? Deutschland gestellt worden, um vor diesem Forum innere religiöse Nöte (nicht nur der jungen Generation) darzulegen. Dr. Dienemann betonte in seinem Referat, dass es kein religiöses Gemeinschaftsleben ohne Autorität gibt. Die Grundlage der Autorität ist der Offenbarungsglauben des Juden, der einen Glauben an Gott voraussetzt. Wo dieser Glaube vorhanden ist, gibt es keine Probleme auf dem Gebiet des Sittlichen. Wie aber ist es mit der Autorität in kultischen Dingen? Dienemann verlangt eine Autorität von unten an Stelle der durch den Individualismus verloren gegangenen Autorität von oben. Er knüpfte an den Begriff des „Volksbewusstseins" von Zacharias Frankel an und fordert eine Berücksichtigung des neuen erwachsenden Gemeinschaftsbewusstseins. Aus diesem könnten durch consensus omnium Einflüsse ausgehen, um das Frömmigkeitsziel zu ordnen. Massgeblicher Einfluss ist schon Autorität in religiösen Dingen, jede Autorität ist besser als Willkür. Dienemann stellte dann einige Forderungen, deren Durchführung er als vom religiös-liberalen Judentum erstrebenswert bezeichnete, um dem Gemeinschaftsbewusstsein Rechnung zu tragen. Die Autorität sei dort vorhanden, wo Frommsein und Jüdischsein nicht Einzelhaltungen sind, sondern wo Israel gemeinsam seinem Gott dient. Rabbi Gordon suchte die Verbindung von überliefertem und liberalem Judentum darzvdegen. Anknüpfend an Abraham Geiger, stellte er die Väter des religiösen Liberalismus in Verbindung mit der Tradition, deren Wurzeln der Liberalismus bejahe, aber auch die Fähigkeit, sich bis in den grenzenlosen Himmel zu erstrecken. Beide Referate lösten eine lebhafte Aussprache aus. Sie ergab eine klare Scheidung der Verfechter des Autoritätsgedankens und deren Gegner. Die deutschen Redner gehörten mit einer Ausnahme der ersten Gruppe, die aus den angelsächsischen Ländern der zweiten. Dass dennoch für die Sprecher aus Deutschland ein einheitliches Bild sich nicht ergab, erklärt sich aus den in Deutschland verschiedenartigen Entwicklungen im religiösen Liberalismus. Immerhin tat Heinz Kellermann gut daran, den Begriff des Sehnens nach „Bindung" hervorzuheben, dler in der jüdischen Jugend besteht Er zeigt, dass durch Isolierung wachgewordene jüdische Kräfte eine Gemeinschaftsordnung suchen. Ist das schon religiöser Glauben? Mit Recht verwies Bruno Sommerfeld darauf, dass gefüllte Synagogen noch kein Beweis für religiöses Erwachen zu sein brauchen. Glauben kann nicht gelehrt werden, aber ein Anfang muss gemacht werden, um zunächst in kleinen Kreisen zu beginnen, wie es Dr. Seligmann verlangte. Kellermaims Frage: „Wie kommen wir zur echten Religiosität?" erfuhr durch die Berichte jüngerer Rabbiner nicht nur aus Deutschland, teilweise eine Antwort Die Autorität des Rabbiners trage dazu bei, Liberalismusnicht als eine persönliche Auffassungsfrage anzusehen. Dies unterstrich Dienemann in seinem Schlusswort und fügte hinzu, dass es keine religiöse Arbeit ohne Bindung an die Autorität gäbe und keine religiöse Aktivität ohne Form in Anlehnung an die Geschichte. II. Gleichsam ein praktischer Beweis für diese Feststellungen war der Oneg Schabbat, der am Nachmittag zuvor zum ersten Mal auf englischem Boden von Rabbiner Dr. Seligmann, abgehalten wurde. Diese Form der von Bialik geschaffenen Sabbatfeier hinterliess einen tiefen Eindruck auf die englischen und: ausländischen Zuhörer. Schir hamaalaus in grossem Kreise gemeinsam gesun- QUALITÄT! —^^^Tuss -VER** ^j^cHU)S e^ 27. -W* Hermanns & Froitzheim Das Fachkundige Spezialgeschäft Berger Strafe - Zeil, Ecke Hasengasse - BKickenstrarje