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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1936-03-01 · 6 (3.1936) · p. Seite 225

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
14 (1935-1936)
Issue
6 (3.1936)
Date
1936-03-01
Page
Seite 225 (sequence 23)
Language
German
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Seite 225 Persönliche Nachrichten Emil Netter Am 9. Februar ist das Mitglied der Gemeindevertretung, Herr Emil W. Netter, im 44. Lebensjahr verstorben. Emil Netter war, in Strassburg i. E. geboren, Mitinhaber der Fima Wolf Netter und Jacobi und seit Jahren in Frankfurt ansässig. Durch Erziehung und Neigung galt sein Interesse neben dem Ausbau der durch seine Familie gegründeten Werke den Bildungsgütern, die ihm seihe umfassende Kenntnis der Welt und seine Vertiefung in Literatur und Kunst vermittelten. Mit Hingabe hat er sich bibliophilen Bestrebungen gewidmet, und schon vor Jahren gewann er aus der Freude am Schönen und aus der bekennerischen Gesinnung zum Judentum den Antrieb, bei allen Fragen der jüdischen Kunstforschung fördernd mitzuwirken. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischerKunstdenkmäler durfte sich seines klugen Bat es und seiner einsatzbereiten Arbeitsfreudigkeit in ihrem Zentralkomitee erfreuen. Als ein Vertreter dieser Gesellschaft wirkte er im Kuratorium des Museums jüdischer Altertümer seit der Gründung dieses Gremiums mit und hat dort freudig und nie ermüdend aus der Gediegenheit seines Wissens Und der praktischen Erfahrung seines beruflichen Lebens wertvollsten Antrieb gegeben. — Die Ereignisse der letzten Jahre haben Emil Netter zur Beschäftigung mit jüdischen Gemeinsehaftsfragen geführt. Vor wenigen Monaten trat er als Vertreter der Jüdischen Volkspartei in die Gemeindevertretung ein. In dieser kurzen Zeit hater auch in diesem Kreise durch den sichtbaren Erfolg seiner hingebungsvollen Arbeit Anerkennung und Dank geerntet. Im Pflegamt des Krankenhauses und im Vorstand des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen hinterlässt Emil Netter tiefe Lücken. An die Persönlichkeit Emil Netters, an seine unbedingte Gradheit, seine Fairness, seine Entschiedenheit bei aller Konzilianz, an seine unverbrauchte Arbeitswilligkeit durfte die Gemeinde grosse Hoffnungen knüpfen. Der vorzeitige Tod dieses Mannes hat diesen Hoffnungen ein jähes Ende bereitet. Das Andenken an Emil Netter wird überall unvergessen bleiben, wo man seine hohen menschlichen Eigenschaften erfahren durfte. Ghr Dr. Eduard Strauss zum 60. Geburtstag Dass Eduard Strauss am 18. Februar ds. Js. sein sechstes Lebensjahrzehnt vollendete, musste selbst die überraschen, die durch häufigen Umgang dem Jubilar nahestehen. Zu elastisch, jugendlich und, im besten Sinne des Wortes, wandlungsfähig erscheint Eduard Strauss' Persönlichkeit und Wirksamkeit, als dass man sie mit der üblichen Vorstellung des älteren Herrn in Verbindung bringen könnte, der zu sein, ein Sechziger sich nicht entziehen kann. Der Elastizität und Beweglichkeit seiner äusseren Erscheinung entspricht die Bereitwilligkeit, sich allem Grossen und Wertvollen hinzugeben, die das eigentliche geistige Element von Eduard Strauss darstellt. Ein tiefes Gefühl für geistige and sittliche Werte, ein inniges Verwachsensein mit allen jüdischen Nöten und Hoffnungen, Problemen und Gehalten haben den Weg des Mannes bestimmt. ElnWissenschaftler von nicht alltäglichem Rang, hat Eduard Strauss die handwerkliche Gewissenhaftigkeil der Gelehrtenarbeit in die Welt seiner ausserberuf'lichen, gei- ^tigon, jüdischen Arbeit übernommen. Eine weite Welt fürwahr, so, dass viele von dem eigentlichen Berufsleben dieses Mannes — er ist Chemiker, Physiker und Botaniker und wirkte bis zum Ende dos vergangenen Jahres als Mitglied des Chemotherapeutischen Forschungsinstituts Georg-Speyer-Haus —wenig wusste.n. Wer ihn etwa im Jüdischen Lehrhau=. zu dessen Gründern er gehört, Bibel „lernen" hört, wer ihn für den Keren Hajessod werben sieht, oder wer es erlebte, Eduard Strauss in der Allgemeinen Volkshochschule dozieren zu hören, konnte meinen, dass er mit jeden«, dieser Werke ausschliesslich sich befasse. Und nicht minder ausschliesslich und hingegeben wirkt Eduard Strauss dann, wenn eiim engen Kreis der Freunde belehrt oder aufruft oder auch der Geselligkeit sein Gepräge gibt. Er ist ein Meister der Sprache und er beherrscht nicht minder das geschriebene Wort. Der Gemeindevertretung gehört Eduard Strauss seit fast einem . Jahrzehnt als Mitglied der liberalen Fraktion an. Hier und in den Kommissionen, in denen er mitwirkt, ist er alle Zeit ein Verfechter vertieften und bewussten Judentums .gewesen. Die Schriftieitung des Gern ei n d e b 1 a 11 e s begrüsst in Eduard Strauss einen treuen Mitarbeiter, dessen Beitrag den Lesern unseres Blattes immer wieder Bereicherung bedeutet. Mit den Kreisen der Frankfurter, ja der deutschen Judenheit, die ihre Glückwünsche dem Jubilar übermittelten, fühlt sich die Schriftleitung eins in dem Wunsche, dass dem Freunde und Mitarbeiter noch ungezählte Jahre in Frische und Gesundheit beschieden sein mögen! Ghr. 75. Geburtstag 4. März 1936: Frau Bertha Schwarz -Müller, früher Frankfurt a/Main 28. März 1936: Frau Jakobine Steinberg, Baumweg 55 70. Geburtstag 12. Februar 1936: Sanitätsrat Dr. Heinrich Fulda, Staufenstrasse 33 4. März 1936: Ludwig Kahn, Martin May«trasse 22 13. März 1936: Sanitätsrat Dr. 0. F e i s, Im Trutz 12 Silberne Hochzeit 5. März 1936: Arthur Stiefel und Frau Frieda, geb. Strauss, Reuterweg 59 12. März 1936: Emil A 11 s c h u 1 und Frau Adele geb. Baer, OberAveg 58 26. März 1936: Felix L i o n und Frau Irma geb. Sternberg, Oederweg 57 Geschäftsjubiläum In diesem Jahre kann Herr Dac h d ecke r meiste r Julius Lang auf eine 40jährige selbständige Berufsausübung zurückblicken. Julius Lang hat nach Beendigung seiner Lehrzeit im In- und Ausland als Dachdecker gearbeitet. Er betreibt sein Geschäft mit seinen beiden Söhnen gemeinsam. Jüdische Chronik Deutschland. Augsburg. Der Nestor der bayrischen Judenheit, Prof. Dr. Samuel Landauer in Augsburg, wurde am 22. Februar 90 Jahre alt — Bamberg. Bei der Neuweihl der Gemeindekörperschaften der Israelitischen Kultusgenieinde Bamberg konnte ein Wahlkampf vermieden werden, da eine Einheitsliste eingereicht wurde. Gemeinde.vorstand und Gemeindekammer sind nunmehr gebildet worden. Zum Vorstand der Gemeindeverwaltung ist Kechtsanwalt Dr. Martin Morgenroth, zum stellvertretenden Vorsitzenden Bankier Julius Wassermann gewählt worden. Vorsitzender der Gemeindekammer ist Kommerzienrat Willy Lessing. — Berlin. Im Zusammenhang des mit der Ermordung des Landesgruppenleiters der NSDAP für die Schweiz hat der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda sämtliche Veranstaltungen des Reichsverbandes jüdischer Kulturbünde in Deutschland bis auf weiteres verboten, um etwaigen Zwischenfällen vorzubeugen. Zu der Meldung von dem Mord bemerkt die „C.-V.-Zehung" : Wir verabscheuen den politischen Mord. Jede Motivierung für ihn ist belanglos. Mensehen, die aus der Gegensätzlichkeit ihrer Weltanschauung zu andern die Berechtigung zum Morde ableiten, schalten sich aus der menschlichen Gemeinschaftsordnung aus. — Ausser den 216 jüdischen Beamten im Sinne der Ersten Durchführangsverordnung zum Reichsbürgergesetz, die aus der Reichsjustizverwalunig ausgeschieden sind, sind, wie in der :,Deutschen Justz" bekannt gegeb'-n wird, noch 2 Oberlandesgeriehtsräte, 1 Landgerichtsdirektor, 2 Landgerichtsräte, 7 Amtsgerichtsräte und 1 beim Amisg.'M iihl lieschnftigti-r Kanmiorgururhtsrat mit Abiurif des 31. Dezember 1935 in den Ruhestand getreten. — Der Reichs¬ und Preussische Erziehungsminister veröffentlicht Ergebnisse statistischer Erhebungen, die im Oktober 1934 und im Mai 1935 über das öffentliche und private Volk.-- und Mittelschulweseu Preussens vorgenommen worden sind. Es gab zu Beginn des Schuljahres 1935 in den von der Zählung erfassten Volk sschulen 14.537 Kinder jüdischen Glaubens gegenüber 16 331 im Oktober 1934. Die Zahl der in privaten Schulen unterrichteten Kinder jüdischen Glaubens betrug 7276 gegenüber 4865 im Oktober 1934. 43 Schulen wurden als israelitisch bezeichnet, d. h. eine weniger als im Oktober 1934. Es gab weiterhin im Mai 1935 28 israelitische private Volksschulen gegenüber 25 vorher. — Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands teilt mit: Nachdem die Sitzung der erweiterten Verbandsleitung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands am 29. Dezember 1935 mit einer grossen Mehrheit die Entscheidung zum Zionismus beschlossen hat, ist die Einordnung des Verbandes mit seinen 123 Bünden in die zionistische Bewegujng vollzogen worden. — Dr. Alfred Hirschberg teilt mitf daß er nach der Umwandlung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands in einen zionistischen Erziehungsbund aus dem Beirat des

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