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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1934-04-01 · 8 (4.1934) · p. Seite 341

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
12 (1933-1934)
Issue
8 (4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 341 (sequence 39)
Language
German
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Seite 341 auswärtige Hachscharah antreten. — Erleichtert wird die Gruppenarbeit durch eine große Anzahl von Büchern, Broschüren und periodischer Schriften, die im eigenen Verlage des Hechaluz erscheinen. Ein wöchentlicher Snifabend vereinigt alle Chawerim und viele Gäste zur gemeinschaftlichen Diskussion aktueller Ereignisse, zu einem Vortrag oder zu einer Feier. Der Oneg Schabbat, der religiösen Sabbatweihe und Selbstbesinnung dienend, führt uns Samstags in unser Beth Chaluz. Dort wohnen 20 bis 25 unserer Chawerim, die dieses Heim auch selbst verwalten. Wir glauben, daß dieses Beth Chaluz das Zentrum unseres Snifs sein wird, wenn der Kreis der dort Wohnenden — das Heim besteht erst seit einigen Wochen — in sich selbst soweit geschlossen ist, daß er uns als Vorbild dienen kann. Besonders bemühen wir uns um das jüdische und palästinensische Lied, da dieses — im Gemeinschaftssingen gepflegt — ein starkes und vermittelndes Glied in unserer Arbeit bedeutet. Unsere Hauptaufgabe besteht in der Hebraisierung unserer Bewegung. Jeder Chawer lernt Hebräisch. Eine religiöse Gruppe, die sich soeben innerhalb unseres Kreises bildet, wird als besondere Aufgabe die Leitung der Tarbutharbeit (hebräische Kulturarbeit) in unserem Snif haben. Wir wissen, daß vieles an unserer Arbeit noch auszusetzen ist. Der Snifabend bedarf einer Reform, da der Charakter des Gemeinschaftlichen, bedingt durch das dauernde Zuströmen neuer Menschen, noch zu wenig betont ist. Unsere Gruppenarbeit leidet unter starkem Führermangel. Deshalb haben wir ein allwöchentlich stattfindendes Führerseminar eingerichtet, das die fähigsten Menschen unseres Kreises zu Führern heranbilden soll. — Auch das Fahrtenprogramm muß erweitert und intensiviert werden. Aber wir wissen, daß unser Weg der richtige ist. Indem wir ihn geradeaus vorwärts gehen, werden wir auch die Formen unserer Arbeit, unseres Lebens im Hechaluz verbessern können. Werner Leas Jung Wizo-Arbeit Jung-Wizo heißen die Mädchengruppen der „Women International Zionist Organisation" (deutsche Föderation: Verband jüdischer Frauen für Palästina-Arbeit). Die Entwicklung der Jung-Wizo hat den Weg vom Helfer für Palästina zum Pionier in Palästina durchlaufen. Neben der praktischen Ausbildung für Palästina (Hachschara) in den verschiedensten Beruten machen wir unsere Mädchen mit den Tatsachen und Problemen des kulturellen und sozialen jüdischen Lebens in der Galuth und Palästina vertraut, unter besonderer Berücksichtigung der Fragen, die für uns als Frauen bei der Einordnung in das Werk der palästinensischen Arbeiterinnen wichtig sind. Da hier hauptsächlich von Heimarbeit die Rede sein soll, so seien die von uns hierzu beschrittenen Wege nach drei Richtungen, aufgezeigt: Lern- und Arbeitsgemeinschaften, Ausspracheabende, Feiern. Voraussetzung unserer Arbeit ist, daß sie nicht auf Hilfe von außen (Referenten usw.) aufgebaut ist, sondern von jedem Einzelnen persönlichste Erarbeitung der ihm gestellten Aufgabe fordert. — Da wir unseren Arbeitsplan für eine größere Zeitspanne, d. h. meistens ein halbes Jahr, festlegen, ist es den einzelnen Mädchen möglich, mit Emst und Eifer sich in ihr Gebiet zu vertiefen. Die Freude an den Vorträgen ist eine doppelte: die Referentin hat durch die Vorarbeiten selbst eine Bereicherung erfahren und die Zuhörer erhalten keine oberflächliche Wissensüberlieferung vorgesetzt. Als großen Fortschritt unserer Arbeit sehen wir die hebräischen Kurzreferate an, die jeden unserer Heimabende einleiten. Ihr Inhalt erstreckt sich auf den Bericht eines schönen Erlebnisses, ein andermal ist es ein Brief an eine Chawera in Palästina, dann sind es Berichte von der dortigen Arbeit, oder wie vor kurzem sogar einmal ein Märchen; Berichte aus aller Welt, und besonders aus Palästina, orientieren die Mädchen über die neuesten Ereignisse. Auch hier übernimmt die Berichterstattung für mehrere Monate dasselbe Mädchen, das dadurch größeren Einblick und bessere Uebersicht hat. Da wir ein System in unserer Arbeit verfolgen, so hatten wir in den vergangenen Monaten folgende Teilung vorgenommen: Die Lerngemeinschaften sollten die Verbindung mit der Vergangenheit des jüdischen Volkes schaffen und hatten deshalb als Thema jüdische Geschichte, die Arbeitsgemeinschaften sollten uns mit unserer künftigen Arbeit vertraut machen und wurden deshalb mit palästinensischen Land- und Wirtschaftsfragen ausgefüllt, die Ausspracheabende waren den Gegenwartsfragen gewidmet, die sich hauptsächlich auf Gemeinschafts-, Erziehungs¬ und Einordnungsfragen in Palästina erstreckten. Feiern versuchten wir in Anlehnung an jüdische Feste und Begebenheiten zu gestalten, um Altes mit Neuem zu beleben. Aber dieses Suchen nach neuen Formen bringt uns manchmal zu den alten aufs neue zurück oder auch durch manchen Umweg einen kleinen Schritt vorwärts zur Erneuerung jüdischen Festbegehens. Das Prinzip der Führung tritt bei uns hinter der im tiefsten Sinn des Wortes gestalteten Gemeinschaftsarbeit zurück. Das Erarbeitete, die sachliche Kenntnis, die Erfahrung steht im Vordergrund. — Auf vorstehend gezeichnete Weise versucht unsere Gemeinschaft den Weg über die Mehrung jüdischen und zionistischen Wissens zur menschlichen Bindung zu gehen, die aus gleicher Erlebnisbereitschaft dem gleichen Endziel zustrebt. Hertha Schleifer Freie Arbeitsgemeinschaft Die Freie Arbeitsgemeinschaft wurde im Jahre 1930 gegründet und ist bestreot, positives jüdisches Wissen in ungezwungener Gemeinschaft allen sich hierfür interessierenden jungen jüdischen Menschen zu vermitteln. Die Freie Arbeitsgemeinschaft, deren Zusammenkünfte jeweils Dienstagabend im Sitzungszimmer der Westend-Synagoge stattfinden, stellt eine neutrale Organisation dar, frei von bündischen Gedanken. Sie macht es sich zur Aufgabe, allen Richtungen im Judentum Gehör zu schenken und will vor allen Dingen die jüngere Generation zu intensiver Arbeit heranziehen,, um sie dem überlieferten jüdischen Kulturgut wieder näherzubringen. Dieses Ziel soll erreicht werden durch Veranstaltung regelmäßiger Vortragsabende, bei denen sich bekannte Referenten in uneigennütziger Weise zur Verfügung stellen und durch systematische Durchführung von Arbeitsgemeinschaften. Die Themen werden den Wünschen unserer Mitarbeiter entsprechend ausgewählt und wechseln zwischen religiösen, geschichtlichen und literarischen Stoffen, stets in. Verbindung gebracht mit der Gegenwart und ihren, die heutigen Menschen bewegenden Problemen. In gleicher Weise Averden die wichtigsten Lebensfragen — mit denen sich augenblicklich jeder auseinandersetzen muß — wie B e - rufsumschichtung, Palästina-Aufbau und soziale Hilfsarbeit behandelt In den Arbeitsgemeinschaften wird angestrebt, die Teilnehmer zu intensiver Mitwirkung heranzuziehen, um sie an dem Aufbau und der Durchführung der Themen selbst zu beteiligen. Endlich bleibe nicht unerwähnt, daß jüdische Festtage nach Möglichkeit gemeinsam innerhalb unseres Kreises feierlich begangen werden. — Letztes Ziel unserer Arbeit ist die Erziehung zum Gemeinschaftsgedanken und insbesondere das Eintreten für die Belange und Aufgaben unserer Gemeinde.

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