Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 4 (12.1933)
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 149 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Seite 149 Reichsbahn-Gesellschaft darf, wer nichtarischer Abstammung oder mit einer Frau nichtarischer Abstammung verheiratet ist, als Beamter nicht berufen werden. Beamte arischer Abstammung, die mit einer Frau nichtarischer Abstammung die Ehe eingehen, sind zu entlassen. — Zum 12. November hat die „Reichsvertretung der deutschen Juden" einen Aufruf folgenden Inhalts erlassen: Mit dem ganzen deutschen Volk sind auch wir Juden als Staatsbürger aufgerufen, zu der auswärtigen Politik der Reichsregierung unsere Stimme abzugeben. Sie wird gefordert für die Gleichberechtigung Deutschlands imter den "Völkern, die Versöhnung der Nationen und die Befriedung der Welt. Trotz allem, was wir erfahren mußten: Die Stimme der deutschen Juden kann nur ein „Ja"' sein. — Unter der Führung von Diplomingenieur Bruno Woyda haben sich Berliner antijüdisehnationale Kreise zu einer „Erneuerungsbewegung der jüdischen Deutschen1' zusammengeschlossen und haben einen von Dr. Kurt Fleischer, Dr. Ludwig Freund, Wilhelm Graetz, Dr. Herbert Kahn, Wilhem Marcus, Dr. Alfred Peyser, Richard Rockmann und Bruno Woyda unterzeichneten Aufruf erlassen. — In einer Kundgebung der „Glaubensbewegung Deutscher Christen" wird die ausnahmslose Durchführung des Arierparagraphen auch in den Gemeinden gefordert. Alle fremdblütigen evangelischen Christen sollen in besonderen judenchristlichen Gemeinden zusammengefaßt werden. — In der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde wurde der als Gemeindesteuer zu erhebende Zuschlag zur Einkommensteuer von 13 auf 20 Prozent erhöht. Von der Erhebung eines Zuschlages zur Reichsfluchtsteuer wurde Abstand genommen. — An einem von dem Vorstande der jüdischen Gemeinde veranstalteten Gemeindeabend berichtete der Verwaltungsdirektor der Gemeinde, Dr. Walter Breslauer, über die von der Gemeinde geleistete soziale Arbeit. An einem zweiten Abend sprachen Dr. Kurt Fleischer und Moritz Rosenthal über die Aufgaben der Einheitsgemeinde als Religionsgemeinde. Die beiden Redner betonten die Notwendigkeit eines harmonischen Zusammenarbeitens aller Parteien innerhalb der Gemeinde und legten ein klares Bekenntnis zu deutschem Land und deutscher Kultur ab; selbstverständlich müsse das Interesse auch für gesamtjüdische Probleme wach erhalten und sollen würdelose Proklamationen nach außen unter allen Umständen vermieden werden — Der stellvertretende Vizepräsident des „Reichsstandes des deutschen Handels" wandte sich i in einer Versammlung gegen den Ausschluß der Juden aus den Verbänden. — Professor Dr. Wilhelm Liepmann, der frühere Vertreter der Gynäkologie an der Berliner Universität, wurde an die Universität Konstantinopel berufen. Professor Liepmann war in der letzten Zeit in Barcelona tätig. — 82jährig verstarb Dr. Hugo Michaelis, der sich große Verdienste um die Nahrungsmittelchemie, Bakteriologie und Hygiene erworben hat. — Die Preußische Staatsregierung hat den Direktor des Orientalischen Seminars der Berliner Universität, Professor Eugen Mittwoch, wieder in sein Amt zurückberufen. — Professor Dr. Hermann Pick, Bibliothekar an der Berliner Staatsbibliothek, ist in den Ruhestand versetzt worden. Professor Pick war auch Mitglied der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde. — Am 1. 11. wurde Rechtsanwalt Heinrich Stern, der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde und der „Vereinigung für das religiösliberale Judentum", 50 Jahre alt. — Geheimrat Julius Stern, der langjährige Vorsitzende des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, beging vor einigen Tagen seinen 80jährigen Geburtstag. Aus diesem Anlaß errichtete die Gemeinde zur dauernden Erinnerung an sein Wirken im Waisenhaus der jüdischen Gemeinde eine Stiftung, die seinen Namen und den seiner verstorbenen Gattin trägt. — Im Alter von erst 37 Jahren verstarb unerwartet der Generalsekretär des „Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau", Dr. Ludwig Tietz (siehe „Persönliche Nachrichten"). — Danzig. Auch in Danzig wurde ein jüdischer Kulturbund nach dem Muster des Berliner „Kulturbundes der deutschen Juden" gegründet. — Auf Anordnung des Leiters des Danziger Schulwesens sollen Werke jüdischer Autoren aus den Schulbibliotheken entfernt werden. — Frankfurt. Kürzlich wurde von den aus interkonfessionellen Schachvereinen ausgeschlossenen jüdischen Mitgliedern die „Jüdische Schachvereinigung Frankfurt a. M." gegründet. — In Anwesenheit von Vertretern des Kuratoriums, sowie des gesamten Lehrkörpers und der Hörer eröffnete Rabbiner Dr. Jakob Hoff mann, der Leiter der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa" das Wintersemester. — Am 19. XI. wurde das einst von der „Gesellschaft für jüdische Volksbildung" begründete und von seinem Anreger Franz Rosenzweig einige Jahre lang geleitete jüdische Lehrhaus wieder eröffnet. Die Leitung wurde von der Gesellschaft Martin Buber übertragen. — Am ersten Eintopfsonntag im vorigen Monat hatten die jüdischen Restaurateure für jedes ausgegebene Eintopfgericht 85 Pfennig an das Winterhilfswerk abzugeben. Nach einer neuen An- Der modernste, sparsamste Herd ist der neue kombinierte Senking-Herd Ideales Braien und Backen! Ermäßigte Preise I Teilzahlung I E.HAGE&Co. 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