Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 12 (1933-1934)
- Issue
- 2 (10.1933)
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 70 (sequence 28)
- Language
- German
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Seite 70 fabrikant Francis Coty. daß er sich vom Antisemitismus lossage. England. Im Alter von 74 Jahren verstarb in London das ehemalige Mitglied des Unterhauses, Sir Maurice Levy. Palästina Der High Commissioner of Palestine, Sir Arthur Wauchope, setzte am 31. 8. die neue Pächterschutzverordnung für Palästina mit drei Amendements in Kraft. — Am 31. 8. wurde Rabbi Duschinski, der neue Oberrabbiner der „Agudas Jisroel" in Palästina, in sein Amt eingeführt. — Die Palästinaregierung veröffentlichte den Entwurf zu einem Gemeindegesetz. — 41 Absolventen der Ackerbauschule Mikwe Israel haben in diesem Jahre Abgangszeugnisse erhalten. CT Persönliche Nachrichten Silberne Hochzeit 1. September: Herr Oberkantor Emil Grosz und Frau Esther geb. Frankenthal, Julius Heymanstraße 6. Todesfall. In Bockenheim verstarb im Alter von fast 60 Jahren Herr Max Müller, Inhaber der Lebensmittelhandlung gleichen Namens, die zu den ältesten des Stadtteils gehörte. Der Heimgegangene war wegen seiner Hilfsbereitschaft allgemein geschätzt und hat sich auch um die Jüdische Wohlfahrtspflege verdient gemacht. Land, Land! Nadi einem sdiönen Wort von Sdimarja Lewin hat j e-d er Mensch nur soviel Himmel über seinem Haupt, als er Boden unter seinen Füßen hat. Dies gilt in besonderem Maß für das Aufbauwerk in Erez Israel. Ueber 6000 Juden sind aus Deutschland in den letzten- Monaten dort eingewandert, und es wird angenommen, daß bis Dezember sich ihre Zahl auf 12 000 erhöht. Bald wird die Grenze des jüdischen Volksbesitzes an Grund und Boden in Palästina erreicht sein. Wir braudien neuen Boden, denn darin liegt der Kern des ganzen Aufbauwerkes. Die „Erlösung des Bodens" ist ein Werk, das jeden Juden persönlich angeht. Von 11 000 siedlungsfähigen qkm Bodens sind bisher nur etwa 1200 in jüdischem Besitz, davon nur 312 im Besitz des Keren Kajenieth, der mit kleinen und kleinsten Spenden seine historisdie Aufgabe erfüllt, Boden für landwirtschaftliche und städtische Siedlungen bereitzustellen. Heute ist die Bedeutung Palästinas -als Einwanderungsland jedem klar geworden. Darum helfe jeder zu seinem Teil an dem großen Werk, indem er den Landfonds, aber auch den Kolonisationsfonds durch Beiträge stärkt. Das Postscheckkonto des Keren Kajemeth ist: Frankfurt a. M. 46293, das des Keren Hajessod (Palästina-Grundfonds) 55182. Der Keren Kajemeth Lejisrael veranstaltet gemeinsam mit der Frankfurter Zionistischen Vereinigung in der Zeit vom 15. bis 22. Oktober eine Ausstellung besonders interessanter und künstlerisch hochwertiger Photos aus dem neuen Palästina im großen Saal, Unterlindau 21, auf die sdion jetzt hingewiesen wird. Besudiszeiten: täglich <außer Samstag) 10—15 und 16—19 Uhr. Eintrittspreise für Erwadisene 0.75 Rm., für Jugendliche 0.50 Rm., für Erwerbslose 0.25 Rm. Während der Dauer der Ausstellung finden täglidi Sonderveranstaltungen statt, die «las moderne Palästina und die Bedeutung der zionistischen Idee behandeln. Gott schlägt mit der einen Hand und heilt mit der andern. Jüdisches Sprichwort Der 18. Zionistenkongreß Am Abend des 21. August wurde im überfüllten Lucernasaal in Prag in Anwesenheit von 3t6 Delegierten und etwa 5000 Gästen der Zionistenkongreß eröffnet. Viele Hunderte hatten keinen Einlaß finden können und konnten nur durch Radioübertragung der Eröffnung folgen. Auf der Tribüne sah man neben den führenden Persönlichkeiten der Bewegung, der Exekutive und den Mitgliedern des Aktionskomitees Vertreter der tschechoslowakischen Regierung, der Stadt Prag, eine große Anzahl ausländischer Diplomaten und eine Reihe von Repräsentanten nichtjttdischer und jüdischer Körperschaften. Präsident Sokolow richtete zunächst Begrüßungsworte an den Vertreter der Tschechoslowakei und die Vertreter auswärtiger Staaten, vor allem Englands, und führte sodann aus, daß der Zionismus heute mehr denn je. die Aufgabe habe, die Versäumnisse der Vergangenheit nachzuholen und die Forderungen des Augenblicks zu denen der Weltjudenheit, ja der ganzen zivilisierten Menschheit zu machen. Das Land der Verheißung habe begonnen, das Land der Erfüllung zu werden, und man müsse auf dem schweren, nun einmal begonnenen Weg mit vermehrter Intensität weiterarbeiten. Die Vertreter der einzelnen Länder und Körpersdiaften begrüßten den Kongreß und braditen ihre Sympathie für das Aufbauwerk in Palästina zum Ausdruck. Der Arbeiterführer Berl Katznelson widmete als Freund. und Mitarbeiter dem kürzlidi ermordeten Mitglied der Exekutive, Dr. Chaim Arlosoroff, herzlidie Worte des Gedenkens. ' Der Morgen;" des ersten Arbeitstages war durch das politische Referat von. Prof. Brodetzki ausgefüllt. Der Referent gab einen Ueberblick über die Entwicklung der englisdien Palästinapolitik seit dem letzten Kongreß und wies dann auf die erschwerten Möglichkeiten des Bodenkaufs hin, die sich besonders bei der neuen Einwanderung fühlbar machen. H. Farbstein', Mitglied der Exekutive, berichtete über die Probleme der städtischen Kolonisation mit besonderer Berücksichtigung des jüdischen Mittelstandes, der Leiter der landwirtschaftlichen Versuchsstation der Jewish Agency, J. Wilkänsky, über die Probleme der landwirlsdiaftliehen Kolonisation Palästinas. Der zweite Tag brachte ein sehr eingehendes Referat von Adolf Böhm über die Aufgaben des nationalen Kapitals in Palästina. Er legte dar, daß sowohl nationale als auch private Kolonisation für die Eroberung des Bodens widitig seien, und forderte die Schaffung einer zentralen jüdischen Bodenkaufsgesellsdiaft. Dann folgten Berichte von Emanuel Neumann über die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas, Leib Jaffe über Keren Hajesspd, Berl Locker über Organisation und Ussischkin über Keren Kajemeth. Ussischkin wurden an diesem Abend anläßlich seines 70. Geburtstages herzlidie Glückwünsche dargebracht. Der dritte Arbeitstag brachte das großangelegte Referat Sokolow s über die Lage der Juden in der Welt. Sokolow ging von der Entwicklung des jüdischen Schicksals in der Sowjetunion aus, streifte die kolonisatorischen Versuche in Rußland und ging dann auf die politische und wirtschaftliche Situation der polnischen Juden ein. Hieran schloß sich eine Betrachtung über die augenblickliche Lage der deutschen Juden. Sokolow appellierte an das Wohlwollen und die Unterstützung der ganzen Welt, um einem erheblicheii Teil der deutschen Judenheit die Möglichkeit einer geordneten Auswanderung, insbesondere nach Palästina, zu geben. Im Anschluß daran machte Dr. Artur Ruppin Vorschläge zur deutschen Judenfrage. Er zeigte in eingehenden Darlegungen die Möglichkeiten, etwa 200 000 überzählige Juden aus Deutschland in die Länder und Berufe einzugliedern, die den persönlichen Möglichkeiten und materiellen Gegebenheiten entsprechen. Die Hälfte der deutsehen Auswanderer könnte bei entsprediender Ueberführung in den nächsten 5 bis 10 Jahren in Palästina Aufnahme finden. Hieran schloß sich die Generaldebatte. _ ,\ Die Kommissionen hatten inzwischen mit ihrer Kleinarbeit begonnen, und der Council der Jewish Agency war zu seinen Sitzungen zusammengetreten. Die Resolution in der Revisionisten-Frage brachte die Forderung der Entsendung einer Untersuchungskommission zur Klörung der in der Mordangelegenheit Arlosoroff^ F^iJ^Sggg erhobenen Anschuldigungen. Weitere Resolutionen - 1 fordern verstärkte Einwanderung nach Palästina * und Neuschaffung von Siedlungen mit Unter- .J3 Stützung des Völkerbundes und der Vereinig- .,' _ien Staaten, Schaffung einer Zentralstelle für die Herzl-Strasse in Tel Aviv Theater in Tel Aviv (Aufnahmen von Dr. P. S. Mayer, Mannheim) Kinder in einer jüd. Siedlung