Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 11 (1932-1933)
- Issue
- 11 (7.1933)
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 289 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 289 Jüdische Chronik Deutschland Berlin. An Stelle des ausgeschiedenen Dr. Wilhelm Kleeinann wurde Direktor Heinrich Stahl zum Vorsitzenden des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde gewählt. — Nach einer Angabe des „Kirchlichen Jahrbuchs'" traten im Jahre 1920: 452, 1925: 226, 1929: 172 und 1930: 212 Juden zur evangelischen K i r ch e über. Umgekehrt traten im Jahre 1920: 82, 1925: 44, 1929: 36 und 1930: 55 Protestanten zum Judentum über. — Der ,,C. V.¬ Zeitung" zufolge betrug die Zahl der Selbstmorde in Preußen in den Jahren 1921 bis 1928 69 944; von diesen waren 49 212 Personen männlichen und 20 732 weiblichen Geschlechts. An dieser Zahl sind die Juden mit 1390 beteiligt, und zwar 860 Männer und 530 Frauen. In Bayern begingen in dem gleichen Zeitabschnitt 9605 Personen Selbstmord, 6832 Männer und 2775 Frauen. Die Zahl der jüdischen Selbstmorde betrug 147 (101 Männer und 46 Frauen). — Nach einer Anordnung des preußischen Kultusministers dürfen jüdische Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten vorläufig vom Schulbesuch nicht ausgeschlossen werden. — Nach einer Verfügung des Oberpräsidenten von Brandenburg dürfen nichtarische Lehrer, die an Privatschulen beschäftigt waren, keinen Unterricht mehr erteilen. Diese Bestimmung gilt jedoch nicht für jüdische Privatschulen, die ausschließlich von Juden besucht werden. — Nach einer Anweisung des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung sollen alle jüdischen Vereine und Organisationen, welche Jugendpflege und Leibesübungen treiben, aus den Orts-, Stadt-, Kreis- und Bezirksausschüssen ausgeschlossen werden und keine Vergünstigungen erhalten. — Alle nichtarischen Mitglieder des Deutschen Anwaltsvereins, der seine Eingliederung in den Bund nationalsozialistischer Juristen beschlossen hat, wurden aufgefordert, ihren Austritt aus dem Verein zu erklären. — Eine Verordnung vom 2. Juni regelt die Tätigkeit der nichtarischen' Zahnärzte und Zahntechniker bei Krankenkassen entsprechend dem Berufsbeamtengesetz. — Nach dem neuen preußischen Erbrecht für bäuerliche Betriebe kann Bauer nur der werden, der deutscher Staatsbürger und ..deutschen oder stammesgleichen Blutes" ist. — In der C.-V.-Zeitung werden zwei arbeitsgerichtliche Entscheidungen besprochen, die für die Frage der fristlosen Entlassung jüdischer Angestellter von grundsätzlicher Bedeutung sind. — Die jüdischen Mitglieder des Vorstandes der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft, Oscar Wassermann und Kommerzienrat Dr. phil. h. c. Theodor Frank, scheiden aus dem Vorstand aus. — Geueralmusikdirektor Prof. Dr. Otto Klemperer, der noch einen vierjährigen Vertrag mit der Berliner Staatsoper hatte, erhielt seine Kündigung zum 30. Juni d. J. — Der Zentralverband ostjüdischer Organisationen in Berlin teilt mit, daß er seine Büroräume von Rosenthalerstraße 55 nach Berlin N, Linienstraße 69, verlegt hat. — Sämtliche Insassen des jüdischen Zöglingsheims Wolzig (Mark) wurden nach einer Durchsuchung des Heims, bei der Waffen und belastendes Schriftenmaterial gefunden wurden, nach dem Konzentrationslager Oranienburg verbracht. Duisburg. Beim ersten Wiederauftreten der zugelassenen jüdischen Anwälte haben vor Gericht Demonstrationen stattgefunden. Die jüdischen Rechtsanwälte wurden gezwungen, das Gerichtsgebiiude zu verlassen. — Essen. In einem gemeinsamen Hirtenbrief nehmen die deutschen Bischof*' zur staatlichen Neuordnung in Deutschland Stellung. „Wir glauben", so erklären die Bischöfe, „daß eine Volkseinheit sich nicht nur durch die Blutsgleichheit sondern auch durch die Gesinnungsgleichheit verwirklichen läßt und daß bei der Zugehörigkeit zu einem Staatswesen die ausschließliche Bekennung der Rasse und des Blutes zu Ungerechtigkeiten führt.'." — Frankfurt a. M. Nach einer Bekanntmachung des hessischen Gauleiters der NSDAP, über Aufnahmen in die Partei nach dem 30. Januar 1935 gilt als nicht aufnahmefähig jeder, der nichtarischer Rasse ist, ferner werden auch Personen, die mit Niditariern verheiratet sind oder engere gesellschaftliche Beziehungen zu solchen unterhalten, die an einem nichtarischen Geschäft interessiert sind oder den Boykott gegen das Judentum gebrochen haben, als „Nichtarier" betrachtet werden. — Das Wirtschaftsamt der Stadt Frankfurt a. M. veröffentlicht eine Erklärung, in der es die vor einiger Zeit erschienene Nachricht, auf der letzten Frankfurter Osterniesse sei den jüdischen Händlern eine besondere „Judenreihe" zugewiesen worden, richtigstellt. — Im Zusammenhang mit den Meldungen über die Nichtzulassung von Juden zur Promotion an preußischen Universitäten teilt der Rektor der Universität mit. dufl diese Nachricht für die Frankfurter Universität nicht zutreffe. — Köln. Anläßlich des Endspiels um die Deutsche Fußballmeisterschaft hielt Reichssportkommissar von Tschammer-Osten eine Ansprache, in der er u. a. erklärte, in der Arierfrage sei es ein Gebot der Stunde, diplomatisch vorzugehen. — Mannheim. Auf Veranlassung der Stadtverwaltung wurde das zu Ehren des im Weltkriege gefallenen jüdischen Reiehstagsabgeordneten Ludwig Frank errichtete Denkmal, das vor einiger Zeit bereits schwer beschädigt worden war. entfernt. Europa Ausland Oesterreich. Der Führer der deutschen Delegation auf der Wiener internationalen Olympia-Tagung, Staatssekretär a. D. Dr. Lewald, hat namens der deutschen Regierung u. a. erklärt, daß bei Abhaltung der nächsten Olympiade in Berlin Juden grundsätzlich aus der deutschen Olympia-Mannschaft nicht ausgeschaltet werden sollen. — Das Organ des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Dollfuß, „Der Bauernbündler", kündigt die Revision der Bundesbürgerschaftsverleihungen an zugewanderte Ostjuden an. — Gegen das Geschäft des jüdischen Juweliers Norbert Futterweit in Wien wurde ein Bombenanschlag verübt, dem der Besitzer zum Opfer fiel. — Zu Ehren der im Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten veranstaltete der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs eine Gedenkfeier auf dem Wiener Zentralfriedhof. Ungeachtet strömenden Regens waren 5000 jüdische Frontsoldaten unter Führung des jüdischen Generals Sommer aufmarschiert. Tschechoslowakei. Der Hamburger Generalmusikdirektor Dr. L\<^^\ Das'Schuhhaus *^-*^tlCf \ der guten Qualitäten wtu Inhaber: Ludwig Griinthal ReineckstraBe 21 an der Markthalle / ^"s?" +*t Konditorei und Cafe Lau benstein Hohenzollernstraße 18 :: Telefon 32985 EHRENFELD Das Haus für Geschenke: Schmuck Damentaschen Reisekoffer Kristall Porzellan Bestecke Helm u.Technik: Radio Photo Schallplatten Beleuchtung Elektrische Kochgeräte EHRENFELD Gegründet 1874 neben Hauptpost