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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-12-01 · 4 (12.1932) · p. Seite 100

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
4 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 100 (sequence 22)
Language
German
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Seite 100 Palästina und die Berufsnot unserer Kinder Wie kann man den 14- bis 16-jährigen jüdischen schulentlassenen Jugendlichen helfen, wenn sie vor der Frage ihres Lebens stehen -wie vor einem Nichts, da es ihnen weder Aussicht auf Arbeit oder Beruf noch Ausbildungsmöglichkeiten, keine normalen Daseinsbedingungen, keine Zukunft, keinen Sinn mehr zu bieten hat? Wie kann man ihnen den elementaren Anspruch auf ein produktives Leben erfüllen, deren Familien durch den wirtschaftlichen Ruin auch innerlich vernichtet sind, und ihnen weder materiellen noch moralischen Halt mehr geben können? Was kann man. tun, um die jugendliche Kraft, die ungenützt in destruktive Energien umschlägt, in positive, aufbauende zu verwandeln? Auf diesen Fragen beruht die Bestrebung: P r o d u k t i v i erung jüdischer Kinder aus Deutschland in Palästina. — Hier wird ein Zentrum geschaffen, dessen Aufgabe es ist, schulentlassene 14- bis 16jährige nach Palästina zu bringen," um ihnen dort die Einordnung in das kulturelle und wirtschaftliche Leben Palästinas zu ermöglichen. Das im Aufbau befindliche Land vermag ihnen in dem Maße Möglichkeiten zu eröffnen, wie sie ihnen hier jetzt entschwinden. Die gesamte jüdische Gemeinschaft wird aufgefordert, an einem Werke mitzuarbeiten, das einem Teil der brennendsten Frage der Gegenwart eine Lösung bieten will. Die Auswahl der von ihren Eltern angemeldeten Kinder erfolgt nach einem von Pädagogen festgelegten Prinzip derart, daß die Kinder in Gruppen (und nur also solche gehen sie auch hinüber) in landwirtschaftlicher Umgebung hier auf ihre geistigseelische, körperliche und berufliche Eignung geprüft werden. Welche Möglichkeiten sind bisher gegeben? Landwirtschaftliche Siedlungen (Kibbuz Rodges, Ejn, Charod, Gewa, Daganjah, Beth Alpha) und Kinderdörfer (Benschemen, Schfejah) nehmen größere und kleinere Gruppen von Jugendlichen zur Ausbildung und späteren Eingliederung in das Wirtschaftsleben auf. In detaillierten Plänen werden Art und Weise der Ausbildung und Lebensführung dieser Jugendlichen festgelegt. In einer dreijährigen Lehrzeit wird im allgemeinen die Qualifikation einer mittleren landwirtschaftlichen Berufsschule erlangt. Einige Siedler nehmen kleine Kindergruppen zur Ausbildung auf. Die Ausbildung der zum Handw e r k geeigneten Jugendlichen wird derart erfolgen, daß in einer städtischen Gruppe je ein Handwerker die Ausbildung einiger Kinder in seinem Fache übernimmt. Bei der Auswahl dieser Handwerker, die von hier mit der betreffenden Gruppe hinübergehen werden, ist eine verbürgt hochqualifizierte Ausbildung entscheidend. Es werden die Fächer berücksichtigt, die in Palästina gebraucht, aber noch in unzulänglicher Weise vertreten sind. Es scheint aber noch die Frage offen, ob verantwortungsbewußte Menschen dazu beitragen können, Jugendliche in eine Umwelt zu verpflanzen, die ihnen unbekannt ist und von ihnen nicht kontrolliert werden kann. Aus dieser Schwierigkeit heraus sind einige Pädagogen Palästinas gewonnen worden, die für die Auswahl der Stelle n Sorge tragen, die die Ausbildung übernehmen sollen, und eine in Palästina zu schaffende Zentralstelle übernimmt deren stetige Ueberwachung. Die erste Gruppe von 15jährigen, denen diese Möglichkeit der Eingliederung in ein neues Gemeinschaftsleben gegeben ist, nach den oben bezeichneten Bedingungen auf ihre Qualifikation geprüft,-^ geht in diesen Wochen nach Benschemen. Wie groß die Zahl der Kinder sein wird, denen die Möglichkeit zur positiven Auswirkung ihrer Kräfte auf diese Weise gegeben sein wird, muß von der Größe des Fonds abhängen, der diesen Zwecken zu dienen bestimmt ist. Die Finanzierung geht derart vor sich, daß für jedes Kind bei der. Uebersiedhmg für eineinhalb Jahre Ausbildungs- und Unterhaltungskosten (4 0 M a r k i m Monat) gesichert und Garantien vorliegen müssen, daß dieser Fonds sich bis zur vollendeten Ausbildung der Kinder (3 Jahre) ständig erneuert. Keimzellen für diese Arbeit sind in einer Reihe von Städten bereits geschaffen worden, und es wird von der Teilnahme der Juden an der Frage ihrer Jugend und von der verantwortungsbewußten Durchführung abhängen, wie weit von diesem Projekt eine Neugestaltung und Gesundung der Jugendlichen ausgehen wird, die hier den Boden unter den Füßen verlieren. R e c h a F r e i e r D r. E 1 f r i e d e Aronsohn Die neuen Strumpffarben! Für den Abend hellrosa! Für den Tag mittelbraun A. Höchberg 15, KAISERSTRASSE Blumengeschäft Gottfried Rost Sandweg 6, Ecke Friedberger Anlage Carolus 43569 MÄSSIGE PREISE BUCHDRUCKEREI GEBRÜDER BRAUN HANAUER LANDSTR. 157 / TEL. 47761 S$lle ^rucksaSen für Handel und Industrie zum billigsten ^rais Die schönsten Chanuka-Geschenke in Glas, Porzellan, Kristall, Kunstgewerbe linden Sie zu staunend billigen Preisen bei Wilhelm Sier SCHILLERSTRASSE 28 „Frankfurts beste Pralinen" (eigene Herstellung), so urteilen jetzt schon meine Kunden. Pralinen, fste. Hausmarke p. Pfd. 2. — Sahne-Trüffel......p. Pfd. 1,60 LEIDENHEINER Kalbächergasse 51- (kein Laden)

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