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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1932-12-01 · 4 (12.1932) · p. Seite 94

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
11 (1932-1933)
Issue
4 (12.1932)
Date
1932-12-01
Page
Seite 94 (sequence 16)
Language
German
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Seite 94 Johannes Fuchs. Advokat Goethe. Weimar. Hermann Böhlaus Naebf. 1932. Das Büchlein weist nach, daß Goethe die Jurisprudenz als das Fundament des Geschäftslebens ansieht; vier Jahre diente er ihr in seiner Vaterstadt als Anwalt und 56 Jahre als rechtskundiger Staatsmann mit höchster Pflichttreue. In Frankfurt hatte er eine überwiegend jüdische Klientel, eine Eingabe an den Stadtrat für Rachel, des Nathan Aaron Wetzlar Ehefrau, daß ihr einige Fäßchen des aus ihrem Besitz zu verkaufenden Weines zu notdürftigem Gebrauch ihres durch Elend tief zerrütteten, kranken Mannes überlassen würden, mit Goethes Unterschrift, liest sich wie ein Bittgesuch ans Wohlfahrtsamt; indessen betonte er einem jüdischen Gegner gegenüber, einem Christen müsse wider ihn eine Rechtswohltat um so mehr zustatten kommen. Der Begriffsjurisprudenz des damals herrschenden schriftlichen Prozeßverfahrens gegenüber, welche das ethische Moment ausschloß, bekämpfte er mit dem Feuereifer der sittlichen Entrüstung „die sichtbare Verschleifung", mit der die Gegenpartei den Prozeß hinauszog. Er forderte die Ueberwindung der Volksfremdheit des Rechts, dessen Gesetze der allgemein ausgesprochene Wille des Volkes sein sollten, und der Rechtsfremdheit des Volks. Auch mißfiel ihm der Beamten- und Klassendünkel der Richter gegenüber den Anwälten. Ihm ist das Recht eine im Volk entsprungene und mit ihm sich entwickelnde Kulturerscheinung. Diese Forderung an das Recht war vertieft durch seine Aufgaben als Mensch. Er verlangt, daß die lebendige Tätigkeit der Gesetzgebung in Ehrfurcht menschlich geübt werde, weil die Natur immer ihre Rechte behauptet. Diese Auffassung flößt seinen "Schriftsätzen trotz ihres altfränkisch barocken Aktenstils seinen persönlichen Geist ein und gibt ihnen einen durch Bilderreichtum belebten rhetorischen Schwung, daß nach Scherer hier der Dichter glänzend durch den Advokaten hindurchbricht. Er selber rühmt seiner juristischen Tätigkeit nach, ihr verdanke er Genauigkeit und Vorsicht im Denken, die auch seinen andern Arbeiten zugute komme. Das Büchlein gewährt manch tiefen Einblick in Persönlichkeit und Lebensschicksal des Dichters und gibt zugleich weitgehenden Aufschluß über Recht und Verwaltung, Volk und Staat in ihrem damaligen gegenseitigen Verhältnis zueinander. Dr. M. Golde. Die Jugendzeitschrift „Die Weiße Feder" hat ihre Oktobernummer 1932 dem jüdischen Schrifttum in deutscher Sprache gewidmet Die Herausgabe der Zeitschrift, Manfred und Lili Pollatz (Klotzsche bei Dresden, Königsbrückerstr. 82) begleiten die Veröffentlichung mit einem beachtenswerten Schreiben, dem folgende Zeilen entnommen sind: „Wenn unsere Zeitschrift überhaupt für „Frieden und Freundschaft" zu Averben sucht und so die Brücken zwischen Religionen, Völkern, Rassen und Klassen schlagen will, so empfanden wir es als einen besonderen Ruf gerade an dieser von Rassenhaß erfüllten Zeit, in einer Nummer das jüdische Schrifttum und die jüdische Religiosität und den jüdischen Versöhnungsgedanken zu zeigen. Der Oktober gab mit dem jüdischen Versöhnungsfest den äußeren Anlaß. Wenn wir Ihnen, heute diese Nummer übersenden, so nehmen Sie es als ein Zeichen der Friedens- und Versöhnungsgesinrung, die wir als Herausgeber dieser Jugendzeitschrift im besonderen wie als Mitglieder der Religiösen Gesellschaft der Freunde (Quäker) im allgemeinen in unserer Arbeit zu verwirklichen suchen." Ein Werk über David Friedländer. — Dr.Jacob Jacobsohn und Dr. Josef Meisl in Berlin N. 24, Oranienburgerstraße 29, beabsichtigen, anläßlich der hundertsten Wiederkehr des Todestages von David Friedländer ein Lebensbild dieses Vorkämpfers der Judenemanzipation und seines Kreises erscheinen zu lassen. Um das Quellenmaterial möglichst vollständig erfassen zu können, bitten die der Berliner Gemeindeverwaltung und dem Gesamtarchiv der deutschen Juden nahestehenden Herausgeber um Ueberlassung oder Nachweis einschlägiger Korrespondenzen und Dokumente. Neuerscheinungen Marcus Horovitz, Matte Levi. 2. Teil, Responsen zu Orach Chajim und Jore Dea. Hexaiusg. v. Jakob Horovitz. I. Kauffanann Verlag. Frankfurt a. M., brosch. Rm. 7.50, geb. Rm. 9.;j0. Esriel Cariebach, Exotische Juden. Berichte und Studien. Welt-Verlag, Berlin, 246 S. Rm. (>.—. Else Lasker-Sehüler. Arthur Arony.mus, Rowohlt-Vorlag, Berlin, 73 S. Else Lasker-Schül er, Konzert, Rowohlt-Verlag, Berlin. Friedrich v. 0 p peln-B r o n i k o w ski, Gerechtigkeit. Nationaler Verlag Joseph Garibaldi Huch. Berlin- 90 S. Rm. 1.80. Anti-Asnti, Herausg. v. C.-V. Philo-Verlag, Berlin, 78 S. Emil L i nd, Arabisimus Zionismus. Jul. Kranzbühler & Co. G. m. b. H. Speyer/Leipzig, 249 ß. C. L e o ii a r d W o o 11 e y, Mit Hacke -und Spaten. F. A. Brockhaus, Leipzig, 80 S. brosch. Rm. 4.20, geb. Rm. 5.30. Stefan B e h r, Der Bevölkerungsrückgang der deutschen Juden. I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. 139 S. ■brosch. Rm. 4.—. Martin Bub er, Zwiesprache. Schocken-Verlag, Berlin, 103 S. kart, Rm. 2.— geb. Ron. 3.—. Martin Buber, Königtum Gottes. Schocken-Verlag, Berlin, 259 S. Rm. 7.50. Adolf Altmann, Das früheste Vorkommen der Juden in Deutschland. Verlag der Paulänendruckerei G. m. b. H. Trier. E rm an o Loeyinson, La Concession de Banques des Preis aux Juifs par les Papes des seizieme et dix-septieme Siecles. Contribution;i l'histoire des Finances d'Italie. inprimerie H. Elias, Paris. Dr. Alfred Bonne, Palästina. Land und Wirtschaft. Deutsche Wissenschaftliche Buchhandlung, Leipzig. 287 S. brosch. Rm. 14.—, geb. Rm. 16.—. Erich Stern, Religiöse Entwurzelung und Neurose. Philo- Verlag, Berlin, 32 S. brosch. Rm. 1.20. Michael M ü 11 e r - C1 a u d i u s , Antisemitismus als Angriff auf die Seele. Philo-Verlag, Berlin, 16 S. brosch. Rm. 0.60. Adolf Wendel, Das Israelitisch-Jüdisclie Gelübde. Philo- Verlag, Berlin, 157 S. brosch. Rm. 3.50. Lucie Zobel, Die Jüdische Berufsberatung. Schriften der Zentralwohlfahntsstelle der deutschen Juden, Berlin, 48 S. Rm. 1.25. Max S o 1 o w e i t s c h) i k, Vom Buch, das tausend Jahre wuchs. Welt-Verlag, Berlin, 202 S. Rm. 5.—. Adolf Schüler, William Simon. Adalbert Scbuit/z-Verlag, Berlin, 127 S. kart. Rm. 3.—, geb. Rm. 4.—. Manfred Georg, Theodor Herzl, iSein Leben und sein Vermächtnis. Ralph A. Höger-Verlag, Wien, 279 S. Rudolf Wertheimer, Der Hetz-Boykott. Verlag Westdruckered, Wiesbaden, 55 ß. Rm. 1.90. J. Unna, Das Schächten vom Standpunkt der Religion und des Tierschutzes. Herausg. von der Reichszentrale für ßchächtangelegeoheiten, Berlin, 31 S. ibrosch. Rm. 0.60. Felix A. Theilhaber, Schicksal.und Leistung. Juden in der deutschen Forschung und Technik. Heine-Bund, Berlin, 247 S. Oskar Wöhrle, Jan Hus. Der letzte Tag. Verlag Der Büdherkreis, Berlin, 271 ß. geb. Rm. 4.80. Franz Oppenheimer, Erlebtes, Erstrebtes, Erreichtes. Heine-Bund, Berlin, 260 S. Heinrich Kairtzig, An der Grenze. Gustav Engel Verlag, Leipzig, 180 ß. I GLAUBENSGENOSSEN, JUDEN Schickt Eure Söhne und Töchter zur gründlichen und gewissenhaften Vorbereitung für den kaufmännischen Beruf in die CUKS'scHe kfluimänn. Prival-Scliüle Bleichstrasse 62 (Schulhaus) zweijährige, einjährige und für Abiturienten halbjährige Klassen Schulgeld wie an der Städtischen Handelslehranstalt. Anmeldungen werden jetzt, Montag bis einschl. Donnerstag, 12—1 und 4—5 Uhr, entgegengenommen. DIE DIREKTION

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