Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 4 (12.1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 91 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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(Fortsetzung von Seite 90) Toynbeehalle. Am 14. November wurde in dem früheren Hospitalgebäude Königswarterstraße 26 die Jüdische Toynbeehalle wieder ins Leben gerufen, die bereits im Winter 1913/14 segensreich gewirkt hatte und infolge des Krieges ihre Pforten schließen mußte. Die Wiedereröffnung fand in feierlichem Rahmen und unter zahlreichem Besuch statt. Erschienen waren u. a. Vertreter des Vorstands und der Gemeindevertretung der Israelitischen Gemeinde, der drei hiesigen Logen, der Frauen Vereinigungen der Logen, der Gesellschaft für jüdische Volksbildung, der Jüdischen Wohlfahrtspflege, des Vereins Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden. Herr Rabbiner Dr. Lazarus, der wie schon 1913 die Leitung der Einrichtung übernommen hatte, begrüßte die Erschienenen und wies in zu Herzen gehenden Worten auf die Pflicht jedes Einzelnen hin, die an ihn in Zeiten der Not herantretenden Forderungen auf dem Gebiet der sozialen Hilfe und der menschlich jüdischen Verbundenheit nach bestem Können zu erfüllen. Er schilderte den Zweck der Jüdischen Toynbeehalle als Zufluchtstunde für diejenigen, denen die Ungunst der Zeit ein eigenes behagliches Heim versagt, und wünscht mit Dankesworten an den Vorstand der Israelitischen Gemeinde, der die Räume und einen Teil der Einrichtung kostenlos zur Verfügung gestellt bat, und besonders seinen Dezernenten für die sozialen Angelegenheiten, Herrn Julius Bloch, dem hauptsächlich die rasche Verwirklichung der Einrichtung zu verdanken ist, der neu eröffneten Einrichtung eine segensreiche Wirksamkeit. Namens der Gemeindeverwaltung überbrachte Herr Julius Bloch gute Wünsche und die Versicherung, daß der wichtigen neuen Einrichtung stärkste Sympathie entgegengebracht werde, denn gerade in Notzeiten wie den jetzigen müsse stets auch an die Linderung der geistigen Not gedacht werden. Es folgten Gesangsvorträge von Frau Leni Morgenstern-Lorch und Herrn Oberkantor Naumow Fleischmann, sowie Rezitationen der Damen Dora Stern-Bing und Else N a t h a n, die sich sämtlich auf beispielgebender künstlerischer Höhe hielten und von den zahlreich Erschienenen mit großem und dankbarem Beifall aufgenommen wurden. Herr Organist Würzburger hatte in gewohnter Meisterschaft die Gesangsvorträge begleitet. Zwischendurch war edne Pause eingelegt, in der den Erschienenen Tee und Gebäck gereicht wurde. Mit der Einrichtung der Toynbeehalle und der damit verbundenen Lese- und Spielräume kam unsere Gemeinde augenscheinlich einem dringenden Bedürfnis entgegen. Auch der zweite Unterhaltungsabend am Samstag, 21. November, brachte einen überfüllten Saal. Den ersten Teil der Veranstaltung bildete ein Vortrag von Dr. Gustav Löffler über „Wir Juden und der Bolschewismus". Redner untersuchte, aus welchen unterschiedlichen Gründen ein lebendiges Judentum sich mit der Idee des Kommunismus und der Tatsache des Bolschewismus in Rußland, mit seinen 2X> Millionen Juden, auseinandersetzen müsse. Nach einer Tee-Pause folgte ein unterhaltender Teil, den in höchst dankenswerter Weise die Damen Elsbeth Strauß und Margrit Oppenheim e r mit Gesang- und Klavier-Vorträgen bestritten. Die Anwesenden, Männer und Frauen, junge und alte, folgten den ernsten Avie den mehr erheiternden Darbietungen mit beachtlicher Aufmerksamkeit. Die schön durchwärmten Tagesräume wiesen bereits guten Besuch auf, besonders in den späteren Nachmittagsstunden. Auf mehrfachen Wunsch sollen die Räume vorerst an den Vormittagen von 10—12, an Sabbaten von 11—12 und nachmittags von 3—10 Uhr geöffnet bleiben, während bisher abends um 8 Uhr geschlossen wurde. Mit Einsetzen von Frostwetter ist noch erheblich stärkerer Zudrang zu den schönen, warmen Räumen, mit vielen Tageszeitungen und Zeitschriften zu erwarten. Darum ist die Mitbenutzungsmöglichkeit weiterer Zimmer vorgesehen. Einen besonderen Anreiz bietet für die vielen im Lebenskampf -Stehenden die für die nächsten Tage beabsichtigte regelmäßige Bekanntgabe der Ita-Nachrichten. Chorfeier am Börneplatz. Freitag, den 4. Dezember, nach Beendigung des Abendgottesdienstes findet in der Synagoge am Börneplatz eine Feier zu Ehren des Synagogenchores statt, der demnächst sein fünfzigjähriges Jubiläum begeht. Herr Rabbiner Dr. Hoffmann wird eine Ansprache halten, und der Chor wird unter Mitwirkung des Herrn Oberkantor Gross und unter Leitung seines Dirigenten Herrn Dr. Ehrenreich synagogale Gesänge vortragen. Bücher für die Jeschiwa Das Kuratorium der Rabbinischen Lehranstalt „Jeschiwa", deren Hörerzahl ständig im Wachsen begriffen ist. bittet alle Mitglieder unserer Gemeinde und Freunde der Jeschiwa entbehrliche Werke des biblisch - talmudischen Schrifttums der Lehranstalt zur Verfügung zu stellen. Nach telephonischer oder schriftlicher Mitteilung werden die Bücher abgeholt. (Theobaldstraße 6, Fernsprecher Nr. 45673.) Hebräische Sprachschule. Neue Kurse der hebräischen Sprachschule, die wie die bereits bestehenden in Interessengemeinschaft mit der Schule der jüdischen Jugend geführt werden, beginnen am 1. Dezember 1931. Anmeldungen an Dr. Karl Guggenheim, Eschenheimer Anlage 30. Rabbiner-Nobel-Stiftung. Der Todestag Rabbiner N. A. Nobels s. A. jährt sich am 24. Tebet (3. Januar 1932). Aus diesem Anlaß werden junge Anwärterinnen, die den Beruf als Religionslehreriu ergreifen wollen, darauf hingewiesen, daß sie sich bei uns wegen einer Studienbeihilfe melden können. Anschrift: Frau J. Darmstädter, Hammanstraße 10. Jüdische Arbeitsvermittlung. Männlich. Arn Dienstag, 1. Dezember 1931, findet erstmalig die kaufmännische Sprechstunde im Hause Eschersheimer Landstraße 65 statt. Die Sprechstunde ist in Zukunft für Kaufleute regelmäßig: Dienstag und Donnerstag von 9—11 U h r. Telephonische Anfragen und Zuschriften weiterhin an das Hauptbüro Langestraße 30 pt. Wir suchen tüchtige, branchenkundige Reisende für Berufskleider, Luxus- und Galanteriewaren, Photoartikel, Weine und Liköre, Zeitungsakquisiteure für Frankfurt und Umgebung, ledigen Filialassistenten, 20—30 Jahre, für Metzgerei, jungen geübten Goliathfahrer, junge Packer. Wir vermitteln kaufmännische Kräfte; gelernte und ungelernte Arbeiter. Wir suchen Lehrstellen für handwerkliche Lehrlinge; kaufmännischen Lehrling per sofort. Beachten Sie unsere Schreibstube. Berufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden E.V. Langestr. 30 pt. Telephon: Hansa 26162 und 28248. We i b 1 i c h. Der Unentgeltliche Arbeitsnachweis und Berufsberatung der Weiblichen Fürsorge E. V. für jüdische Frauen und Mädchen befindet sich Langestraße 3 und ist telephonisch nur unter Hansa 25462 zu erreichen! Arbeitgeber! denkt an die arbeitslosen jüdischen Frauen und Mädchen, die dringend eine Beschäftigung suchen. Für Büz-o und Verkauf, Haushalt und Betrieb sind stets tüchtige Kräfte gemeldet im: Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge Langestr. 3, Hansa 25462. Hilfsverein der Deutschen Juden. In den ersten neun Monaten des Jahres 1931 wurden von dem Berliner Bahnhofsdienst 14 268 Personen betreut, ferner in Neu-Bentschen, Hamburg und Bremen mehr als 6000. Für die Auswandererfürsorge wurden RM. 66 018.— aufgewandt, das Waisenhilfswerk und die Studentenfiirsorge erlorderten RM. 16 849.—. Auch im Ausland (Litauen, Polen, Rumänien und Rußland) hat der Hilfsverein seine segensreiche Tätigkeit auf dem Gebiet der Kinderfürsorge, Ansiedlung, Volksbildung und Hygiene unter großen Opfern fortgesetzt. Aus der Haffkin- Stiftung für östliche Jeschiwas wurden etwa RM. 40 000.— verausgabt. Weibliche Fürsorge Die Weibliche Fürsorge macht darauf aufmerksam, daß das Zimmer für durchreisende Mädchen und Frauen sich Burgstraße 19 II., befindet. Anfragen an den Arbeitsnachweis der YVeiblichen Fürsorge, Langestraße 3, Tel. 25462. RADIO F. Ehrenfeld Zeil 104 neben Hauptpost