Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 11 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 353 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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353 einig, und es wurde mit Stolz darauf hingewiesen, dass dieser erste schöne Bibeldruck seit Jahrhunderten den Vergleich mit den besten Drucken nicht zu scheuen braucht. Der anschliessende offizielle Festakt brachte nach der sehr herzlichen und anerkennenden Begrüssung durch den Direktor der Stadtbibliothek, Prof. Dr. (Dehler und durch die Herren Dr. Baerwald und Rosenheim, als Vorstands Vertreter der Israelitischen Gemeinde und der Israelitischen Religionsgesellschaft einen Vortrag von Professor Loewe- Berlin, in dem er in ausserordentlich lebendiger Weise die innige Verbundenheit der Juden aller Zeiten mit ihren Büchern und deren wechselvolle Schicksale aufzeigte. Die Feier beschloss ein ausgezeichnetes Referat von Professor F r e im a n n - Frankfurt, in dem er in wissenschaftlichsystematischer Weise auf all die mit der Illustration im hebräischen Buch verbundenen Fragen einging und damit gleichzeitig eine Einführung in die Ausstellung gab, die unter seiner Leitung in den Räumen der Stadtbibliothek anlässlich der Tagung veranstaltet wurde. Andere Veranstaltungen der Jahresversammlung waren ein Ausflug nach Worms, wo Rabbiner Dr. H o 1 z e r und Redakteur T s c h i r n e r die Führung durch die historisch und kunstgeschichtlich bedeutsamen Stätten übernahmen, sowie ein Vortrag von Dr. Julius Cahn in der Haussynagoge der Israelitischen Männer- und Frauenkrankenkasse über die Geschichte der Frankfurter Juden, dem sich eine Besichtigung aller jüdischen Sehenswürdigkeiten anschloss. Ausserdem hatte Freiherr Max von Gol eise h m i d t - R o t h s c h i 1 d zu einer Besichtigung seiner reichen Kunstsammlungen in seinem schönen Palais eingeladen. Den gesellschaftlichen Höhepunkt bildete ein Essen in der Frankfurt-Loge, bei dem einem alten Brauch folgend eine ganze Anzahl von Mitgliedern der Gesellschaft den Teilnehmern der Tagung zur Erinnerung an diese Ziisammenkunft gedruckte, höchst interessante und originelle Buchgaben überreichte. R. E. Zur Kalenderreform Am 9. Juni wurden von dem vorbereitenden Komitee für Kalenderreforin beim Völkerbund in Genf als Vertreter des jüdischen Komitees die Oberrabbiner Israel Levi- Paris, D r. II e r t z -London, Dr. Lew enstein -Zürich, ferner die Rabbiner II y a m s o n New-York und Dr. P. Kohh (Agudas Israel) empfangen und hatten Gelegenheit, den jüdischen Standpunkt zu der geplanten Kalenderreform eingehend darzulegen. Am folgenden Tag wurden ausserdem Rabbiner Dr. II o r o v i t z-Frankfurt a. M. als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Landesverbände und des Räbbinerverbandes, sowie Dozent Dr. Crünbevg -Berlin als Vertreter des Weltverbandes Schomre Schabbos angehört. Dr. Horovitz führte u. a. aus: „Der Völkerbund hat die erhabene Aufgabe, für jenen Frieden einzutreten, soweit Menschen dazu imstande sind, den vor Jahrtausenden der Prophet Jesaia als ein Ziel der Menschheit ausgesprochen hat, wenn er von der Zeit kündet, in der Alle ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Lanzen zu Rebmessern umwandeln werden, in der ein Volk nicht mehr Krieg führen wird wider das andere und keines mehr nötig hat, den Krieg zu erlernen. Aber das gleiche Prophetenbuch ermahnt im Zusammenhang jener gewaltigen Rede, die in den jüdischen Gotteshäusern der ganzen Welt Jahr für Jahr an dem höchsten Feste des Judentums verlesen wird, zur gewissenhaften Heilighaltung des Sabbats, aus dem, wie es sich ausdrückt, einst die Trümmer der Welt werden aufgerichtet werden. Das Prophetenwort hat sich schon zum Teil erfüllt. Die ganze Kulturwelt hat hohe Gedanken und grosse Werte dem Sabbat entnommen, und die soziale Gesetzgebung verschiedener Länder, soweit sie darauf gerichtet ist, dem Angestellten, dein-Arbeiter das Recht auf einen Tag der Ruhe und der Erholung zu sichern, hat an den Sabbatgedanken angeknüpft. Wir Juden aber haben kraft unserer Religion die heilige Verpflichtung, diesen Sabbat in seiner unversehrten Kraft, in seiner ungebrochenen Ganzheit und im Anschluss an die Ueberlieferungen unseres Glaubens zu erhalten. Wir sind der zuversichtlichen Ueberzeugung, dass der Völkerbund diesen Tag, den Tag unserer Familie, den Mittel- und Quellpunkt unserer Religion, unangetastet lässt. Ist es doch sein besonderes Ziel, die Minoritäten zu schützen und alles das treu zu hüten, was dazu beitragen kann, eine neue friedliche Welt aus dem Trümmerfeld wieder aufzurichten, das wir in seiner ganzen Furchtbarkeit mit erschreckten Augen Tag für Tag immer mehr schaudernd zu überblicken beginnen. Wir wollen gewiss nicht einer Neuregelung des Kalenders grundsätzlich im Wege sein. Sie handeln aber im Sinne der Verständigung der Völker und der Menschen, wenn Sie es uns mit ermöglichen, unser uraltes Kulturgut, den Tag unserer Selbstbesinnung und Arbeitsenthaltung, den Tag tiefsten Friedens, uns und unseren Kindern zu erhalten, den wir Juden seit dreieinhalb Jahrtausenden unter den schwersten Opfern heilig gehalten haben, den von Gott selber eingesetzten Tag der Ruhe, den zu verlegen und zu ändern kraft jüdischer Anschauung keine Autorität der Welt, keine jüdische Behörde das Recht und die Möglichkeit hat." Freiwillige jüdische Friedenssteuer. Der Jüdische Friedensbund, dessen Vorsitz von den Herren Oscar Wassermann, Prof. Albert Einstein, Rabbiner Dr. Baeck und Rechtsanwalt Heinrich Stern geführt wird, wendet sich mit einem Aufruf an alle jüdischen Männer und Frauen. Ebenso wie die Bekenner der anderen Religionen fordert der Friedensbund Zusammenschluss zur organisierten Arbeit für den Frieden und gegen den Krieg. Es soll ein gemeinsamer Friedensfonds geschaffen werden, wofür jeder einen Friedensbeitrag J. HIRSCHI das Haus für gute CIGARREN SSr^ Grüneburgweg 9 Zeppelin 51217 Bad HOMBURG altbekanntes, neu renoviert Hotel Braunschweig Luisenstruße 72 Telefon 2113 Volle Pension Mk. 7.- Fließendes Wasser - Annahme v. Festlichk. u. Dauerpensionären Unter Aufs. Rabb. Dr. Wreschner FRANKFURTER GEWERBEKASSE E. G. M. B. H. Ecke Börsenstraße u. Kalbächergasse Ausführung aller in das Bankfach einschlagenden Geschäfte für Mitglieder. Annahme von Spareinlagen u. Führung v. Scheckkonten auch f. Nichtmitglieder Fensterputz-Anstalt EHRMANN Vogelsbergstr. 12 Tel. Carol. 42409 Pünktliche u. preiswerte Bewertung