Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 10 (6.1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 329 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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329 Männer-Krankenkasse. Zum Nachfolger des Herrn Simon Unna s. A. als Vorbeter in der Synagoge der „Kippestub" wurde Herr Rabbiner Donath gewählt. Vermisst. Vermisst wird Aron Kovsnaevsky. geboren 1894 oder 1895 in Belgorad, Kursker Gouvernement (Russland), von Beruf Uhrmacher; K. wurde 1915 von den Deutschen gefangen genommen und wahrscheinlich in ein Konzentrationslager nach Frankfurt oder Umgebung gebracht. Seit dieser Zeit haben seine Angehörigen keinerlei Nachrichten von ihm erhalten. Zweckdienliche Nachrichten über K. er- | beten an den Israelitischen Hilfsverein, Frankfurt a. M., Langestr. 30. Eine zeitgemässe Veranstaltung. Am Samstag, den 25. April veranstaltete die „Schule der jüdischen Jugend" eine Diskussion über das Zeitproblem „Die jüdischen Angestellten", bei der die Rollen in Form einer Gerichsverhandlung verteilt waren. Es hatten sich namhafte Sachkenner aus dem Kreise unserer Gemeindemitglieder, Juristen und Soziologen, in selbstloser Weise in den Dienst der guten Sache gestellt. Die Zuhörerschaft, die den grossen Saal der Frankfurt-Loge vollständig füllte, folgte der Verhandlung mit Aufmerksamkeit und Interesse bis zu dem „Urteilsspruch". Die „Schule der jüdischen Jugend" beabsichtigte mit dieser ersten grossen Veranstaltung für ihr Ziel, die jüdische Jugendbildung, zu werben. Man darf wohl sagen, dass ihr dies in vollem Masse geglückt ist. Vorlesung. Der jüdische Mädchenklub hatte am 12. Mai zu einer Vorlesung aus den Werken des ostjüdischen Dichters Jac Diament geladen. Diament ist ein typisch jüdischer Dichter und Mensch in seiner Empfindung und Gefühlswelt. Die zarte Scheu ider Betrachtung offenbarte sich in einer gelesenen Novelle, die von der Freitagabend-Stimmung eines chassidischen Hauses und der keuschen Lebensbejahung eines Brautpaares erzählt. — Es ist bedauerlich, dass Diament so wenig bekannt ist. Mit Recht hat schon vor langem Alfons Paquet in der „Frankfurter Zeitung" nachdrücklich auf ihn hingewiesen. In seiner Lyrik verbindet sich eine tiefe Gläubigkeit mit schmerzlich-heiterer Sehnsucht. Manche Gedichte verlieren sich in Stimmungen, vieles zeigt eine grosse Gestaltungskraft. — Die Wiedergabe der Gedichte ist nicht leicht; Dr. Max Stern war mit seinem tönenden, warmen Organ der gegebene Tnterpret, Ernst und Humor wurden von ihm einprägsam vermittelt. H. G. Preussiseher Landesverband jüdischer Gemeinden. Ratsitzung. Amtlich. Am 14. Mai 1931 trat in Berlin der Rat des Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, cler aus Vertretern der Grossgemeinden und der Wahlkreise sowie aus den durch den neuen Verbandstag hinzugewählten Mitgliedern besteht, zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Sie wurde durch den Alterspräsidenten, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Falkenheim-Königsberg, eröffnet. Zum Präsidenten wurde einstimmig Kammergerichtsrat Leo Wolff wieder gewählt. Er übernahm sofort die Leitung der Versammlung und richtete herzliche Worte der Begriissung an die Mitglieder des Rates, besonders an diejenigen, die dem früheren Rat nicht angehört haben Zu stellvertretenden Präsidenten wurden Rechtsanwalt Dr. Klee wieder und Landgerichtsrat Dr. Lilienthal neu gewählt, zum Schriftführer Geh. Tustizrat Goldfeld-Breslau, zum Schatzmeister Direktor Kareski. zum stellvertretenden Schatzmeister Dipl.-Tng. Bruno Wovda. zu Beisitzern Rabbiner Dr. Galliner. Justizrat Dr. Blan-Frankfnrt a M. und Salman Schocken. Zu Mitgliedern des Wohlfahrts-Ausschusses wurden Landgerichtsrat Dr. Lilienthal (Vorsitzender) und Rabbiner Dr. Eschelbacher-Düsseldorf, zu Stellvertretern Frau Bertha Falkenberg und Dr. Friedrich Ollendorf. zu Mitgliedern des Rechts-Ausschusses Geh. Tustizrat Goldfeld-Breslau (Vorsitzender) und Ministerialrat Abramowitsch. zu stellvertretenden Mitgliedern Landgerichtsrat Dr. T ilienthal und Kammergericbtsrat Dr. Gerechter gewählt. Alsdann wurde festgestellt, dass als Nachfolger des Abg. Kaufmann-Mülheim-Ruhr, der sein Mandat niedergelegt hat, Oberregierungsrat Dr. Marcus-Düselsdorf als Abgeordneter in den Verbandstag eintritt. Den von dem Verbandstag am 25. März 1951 gefassten Eni Schliessungen, in denen zum Kampf gegen die Barbarei der Judenhetze aufgerufen, von den Behörden wirksame Massnahmen zum Schutze der jüdischen Bevölkerung verlangt und den zur Bekämpfung des Antisemitismus berufenen Organisationen gedankt wird, wurde zugestimmt, desgleichen den vom Verbandstag zum Haushaltsplan gefassten Beschlüssen. Hierbei wurde aufs neue darüber Klage geführt, dass ein Teil der Mitgliedsgemeinden ihrer Verpflichtung zur Zahlung der Umlage nicht vollständig oder gar nicht nachgekommen ist und beschlossen, mit Rücksicht auf die schwierige Lage des Landesverbandes mit allen Mitteln für Einziehung der rückständigen Verbandsbeiträge zu sorgen. Dem Rat lag eine grosse Reihe weiterer Beschlüsse des Verbandstages vor. denen er im allgemeinen beitrat. Es handelt sich insbesondere um das Verfahren bei den Einbürgerungen, um die Regelung des Rechts der Staatenlosen, um die Unterstützung des Weltverbandes Schorn re Schabbos, um die Bekämpfung der Bestrebungen zur Abänderung des Kalenders, soweit die Einführung eines sogenannten Blankotages geplant wird, um die materielle Unterstützung sowie die seelische und geistige Fürsorge für die jüdischen Erwerbslosen. Zur Vorbereitung der von allen Seiten angeregten Aenderung der Verfassung des Landesverbandes, durch die eine wesentliche Vereinfachung und Verbilligung der Organisation herbeigeführt wird, wurde ein Ausschuss eingesetzt. Einen breiten Raum nahm in den Verhandlungen die Beratung über die zur Behebung oder wenigstens Milderung des besonders unter den Juden herrschenden wirtschaftlichen Notstandes ein. Hier kommt insbesondere der Ausbau und die Sicherung des jüdischen Arbeitsnachweiswesens und zur Erhaltung des gefährdeten gewerblichen, handwerklichen und kaufmännischen Mittelstandes die Begründung von Darlehnskassen in örtlich abgegrenzten Bezirken, möglichst unter Mitwirkung staatlicher Stellen. ir,\! die Bereitstellung von Kapitalien zur Verbilligung der für die ausgegebenen Darlehen zu zahlenden Zinsen in Betracht. Ein sofort eingesetzter Sonderausschuss soll unter Zuziehung von Sachverständigen die zu ergreifenden Massnahmen prüfen und in die Wege leiten. Wie" fast in allen bisherigen Sitzungen des Rates waren die Verhältnisse der zur Ausbildung jüdischer Lehrer bestehenden Anstalten Gegenstand einer gründlichen Aussprache, die das gesamte Unterrichtswesen umfasste. Ferner wurde das Verhältnis des Landesverbandes zu den drei theologischen Bildungsanstalten besprochen. Es wurde beschlossen, in die Kuratorien der Anstalten ie zwei Vertreter des Landesverbandes abzuordnen und die Bestrebungen zur Sicherung der Pensions- und Hinterbliebenenversorgung der Dozenten tatkräftig zu unterstützen, Aufruf. Der Hilfsverein der deutschen Juden orlässt einen Aufruf zu Gunsten der von einer furchtbaren Hochwasserkatastronhe betroffenen Juden von Wilna und Umgebung. Tausende jüdischer Familien mussten unter Verlust ihrer Habe ihr Heim verlassen und es herrscht fürchterliche Not. Der Hilfsverein, an den dringende HilFerufe ergangen sind, wendet sich trotz der schweren Zeiten an die deutschen Juden mit der herzlichen Bitte, den vom Unglück Heimgesuchten zu helfen Soenden können auf das Konto Hilfsverein der deutschen Juden, Postscheckamt Berlin Nr. 33126. überwiesen werden. Kalenderkonferenz Am 12. Mai fand im Sitzungssaal der Israelitischen Gemeinde unter dem Vorsitz des Herrn Grand Rnbbia Israel Lovi-Paris und in Anwesenheit des Herrn Chief Rnbbi Dr. Hertz-London eine Sitzung des indischen Komitees betr. die Kalenderreform statt, zu der auch einige namhafte Persönlichkeiten aus Deutschland und Polen zugezogen waren. Fs gelang der Konferenz, die Einheitsfront wiederherzustellen und darüber hinaus durch Erweiterung des Komitees um drei neue Mitglieder — unter ihnen der Vorsitzende des Weltverbandes Schomre Schabbos — eine breitere Basis zur Durchführung der in Sachen der Kalenderreform erforderlichen Aktionen zu schaffen. Die Konferenz legte insbesondere auch die Richtlinien der künftigen Arbeit fest. Weitere Einzelheiten wird das Komitee demnächst bekanntgeben. i |