Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 9 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 293 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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293 den Rest der Amtszeit des vorzeitig ausgeschiedenen Herrn Henry Rothschild (bis 31. 5. 1933) Herr Max Benario. In den Vorstand der Synagoge am Börne platz: die Herren Gustav Oppenheimer und Gustav Plaut. In den Vorstand der Westendsynagoge: die Herren Rechtsanwalt und Notar Dr. Nathan Rosenthal und Paul Dreyfuss. In den Vorstand der Synagoge Bockenheim: die Herr ren Julius Hermann, Willy Goldschmidt und Karl Nawratzki. Ein vom Vorstand vorgelegter Bericht der Religionsunterrichtskommssion betr. die Ausgestaltung des Barmizwaunterrichts usw. wird zur Kenntnis genommen. — Infolge eines früheren Beschlusses der Gemeindevertretung betr. Unterbringung jüdischer Arbeitskräfte bei den unter Aufsicht der Gemeinde stehenden Gewerbetreibenden hat die Ritualkommission auf Veranlassung des Vorstands eine Statistik über das in diesen Betrieben beschäftigte jüdische und nicht jüdische Personal vorgelegt. Nach einer kurzen Debatte wird diese Vorlage auf Anregung des Herrn Dr. Arnsberg an die Kommission zur Erörterung von Wirtschaftsfragen verwiesen. — Von dem Schriftwechsel des Vereins selbständiger Israelitischer Handwerker und Gewerbetreibender E. V. mit dem Vorsitzenden des Handwerkerrats, dem Vorsitzenden und dem Syndikus der Handwerkerkammer betr. eine während der Reichshandwerkerwoche im Handwerkerhaus stattgehabte antisemitische Versammlung wird Kenntnis genommen. Dem Beschluss des Vorstands betr. die Bewilligung von Budget Zwölfteln für die Monate April und Mai 1931 wird zugestimmt. — Hieran schloss sich eine nichtöffentliche Sitzung. Albert Herz Internationale Spedition Weserstr. 4 Tel. 30576 Eigener Fuhrpark Eigene Lagerhäuser mit Bahn« und Wasseranschluß Die Würde des Todes. Die immer seltener werdende Sitte der Beerdigungen vom Haus aus wird immer noch in einigen Fällen beobachtet. Entsprechend dem Bekanntenkreis und dem Ansehen, das der Heimgegangene genoss, bewegt sich dann ein kleinerer oder grösserer Leichenzug durch die Strassen der Stadt bis zum Friedhof. Wer jemals an einem solchen Zug teilgenommen hat, der konnte nur mit tiefer Beschämung feststellen, wie würdelos viele Teilnehmer sich bei einem solchen Anlass benehmen. Zunächst kann man feststellen, dass der Zug ohne jede äussere Ordnung dahinschreitet und die ganze Breite der Strasse, häufig auch den Bürgersteig in Anspruch nimmt, statt sich, wie dies bei solchen Anlässen gehörig ist, in halbwegs gleichen Reihen zu halten. Noch schlimmer aber ist es, dass viele Teilnehmer des an sich schon auffälligen Trauergeleites ohne Rücksicht auf den Anlass oder auch nur den Eindruck bei der Umwelt sich laut und fast lärmend unterhalten, und zwar offenbar nicht nur über den Heimgegangenen und seine Verdienste, sondern über ganz andere, weltlichere Dinge. Nicht nur bei Trauerzügen kann man derartige Beobachtungen machen, sondern auch auf dem Friedhof selbst, ja sogar am Grab. Man denke sich in die Gefühle eines Trauernden hinein, der sehen und hören muss, wie die Teilnehmer sich bis zum Beginn der Feier ungestört unterhalten, wie sie die durch die Feier unterbrochene Unterhaltung auf dem Weg zum Grab wieder aufnehmen und dann am Grab selbst sich drängen. Es ist der Zweck dieser Zeilen, alle die es angeht, darauf hinzuweisen, dass sie sich bei diesen traurigen Anlässen ganz besonderer Zurückhaltung befleissigen sollen. Die Ruhe des Toten sollte auch den.Lebenden Ruhegebieten! Einer für Viele. Deutschland Berlin. Durch die neue Notverordnung des Reichspräsidenten werden auch Juden und Judentum gegen böswillige Angriffe geschützt. — Zurzeit besuchen 75 Studenten das Berliner Rabbinerseminar. — Wie bei Gelegenheit der Generalversammlung des „Reichsbundes für jüdische Siedlung (RIS)" mitgeteilt wurde, hat die Berliner jüdische Gemeinde durch Gewährung eines Kredites von 100 000 RM der „jüdischen Landarbeit G. m. b. H. (ILA)", der Schwesternorganisation des „RIS", den Erwerb des Gutes Gross-Gaglow bei Cottbus ermöglicht. Es sollen auf ihm etwa 50 Personen angesiedelt werden. — Am 5. IV. wurde Dr. Arthur Czellitzer, der Begründer der „Gesellschaft für jüdische Familienforschung" und Herausgeber ihrer Zeitschrift 60 Jahre alt. — Im Alter von 75 Jahren verstarb Professor Dr. Hermann Dessau, der Vertreter der alten Geschichte an der Berliner Universität, ein Schüler Mommsens und einer der Mitbegründer der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Prof. Dessau wurde in Frankfurt a. M. beigesetzt. — Rechtsanwalt Dr. Alfred Wiener, der Vorsitzende des „Vereins zur Erhaltung des überlieferten Judentums", wurde zum Sachverständigen für jüdische Religionsgesetze beim Kammergericht und den Berliner Landgerichten ernannt. — Düsseldorf. Für das Jahr 1931 wurde die Kultussteuer auf 14% der Reichseinkommensteuer festgesetzt. — Frankfurt a. M. Stadtrat Bruno A s c h ist zum Stadtkämmerer von Berlin ernannt worden. Mit seinem Wegzug verliert auch das jüdische Frankfurt eine seiner markantesten Persönlichkeiten. — Nationalsozialisten haben vor einiger Zeit den jüdischen Arzt Dr. Willy Hofmann, der von einer von ihm vorgenommenen Operation nach Hause ging, angegriffen und mit einem Schlagring zu Boden geschlagen. — Hamburg. Unter der Flagge „Gegen d e n Ungeist — Die Saat geht auf" veranstaltete die Hamburger Ortsgruppe des „Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" eine Versammlung, in der gegen die Verrohung des politischen Lebens und die judenfeindlichen Ausschreitungen der Nationalsozialisten Stellung genommen wurde. Die Versammlung war von allen Schichten der Bevölkerung zahlreich besucht. — Mannheim. Am 1. IV. wurde das von Regierungsbaumeister Fritz Nathan-Frankfurt a. M. erbaute neue Altersheim der jüdischen Gemeinde eröffnet. — Stuttgart. Kürzlich verstarb der frühere Präsident des württembergischen Obevrats der Israeliten, Regierungsrat Dr. Karl Nördlinger. — Trebnitz. Wegen Schändung des jüdischen Friedhofs waren 5 Mitglieder der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei angeklagt. Das Schöffengericht in Oels verurteilte 2 der Angeklagten zu 2, bezw. 3 Monaten Gefängnis, der dritte wurde mangels Beweises freigesprochen. — Weimar. Der thüringische Landtag nahm mit den Stimmen der deutschen Volkspartei und der Kommunisten einen Misstrauensantrag der Sozialdemokratischen Partei gegen den Innenminister Dr. Frick und den nationalsozialistischen Staatsrat Dr. Marschler an. Mit dem Sturze dieser beiden antisemitischen Politiker hat das Regime der Nationalsozialisten in Thüringen sein Ende gefunden. — Würzburg. Die Kultussieuer für das Jahr 1931 -wurde auf 11% der Einkommensteuer festgesetzt; dies bedeutet gegenüber der vorjährigen Steuerquote eine Erhöhung von 2%. Ausland Europa Oesterreich-Ungarn. Budapest. Auf die grosse Synagoge ist von antisemitischer Seite ein Attentat verübt worden, bei dem der jüdische Lehrling Eugen Roth sein Leben einbüsste. An seiner Beerdigung, die sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für interkonfessionellen Frieden gestaltete, nahmen über 10 000 Personen, u. a. der Kultusminister Graf Knebelsberg als Vertreter der Regierung, sowie die Bischöfe verschiedener Kirchen teil. — Der kürzlich im Alter von 66 Jahren verstorbene Dr. Ludwig H o f m a n n, einer der hervorragendsten jüdischen Säbelfechter, der im Kriege Offizier der österreichisch-ungarischen Armee war, hat zur Verteidigung der Ehre des Judentums 45 Säbelduelle ausgefochten. — Wien. Die Einnahmen der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde im Verwaltungsjahr 1930 betrugen 6 211414.36 Schilling, denen Ausgaben in Höhe von 6 348 479.60 Schilling gegenüberstehen. Der Voranschlag für das neue Etatjahr weist