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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-04-01 · 8 (4.1931) · p. Seite 447

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
8 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 447 (sequence 25)
Language
German
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267 Jüdisdie Leihkasse E. V. Die Geschäftsstelle dieser gemeinnützigen Einrichtung befindet sich Eschersheimer Landstrasse 29, 1. Stock. Geschäftsstunden: Dienstag und Donnerstag, nachmittags von 4—6 Uhr. Die Leihkasse bewilligt selbständigen Gewerbetreibenden und Handwerkern Darlehen in massigen Beträgen gegen Bürgschaft zahlungsfähiger Personen. Jugenddienst. Die Zentralstelle Jugenddienst (nachgehende Fürsorge) des Jüdischen Frauenbundes Frankfurt a. M. will allen alleinstehenden Jugendlichen eine beratende Helferin zur Seite stellen. Anfragen und Mitteilungen an die Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Langestrasse 3, tragen zur Erreichung dieses Zieles bei. Isr. Frauenheim Bad Nauheim. In der Generalversammlung am 18. März erstattete der Vorsitzende einen Bericht über den Kurbetrieb des Heims in 1050. Es wurden nahezu 300 Kurbedürftige in dem Heim verpflegt. Der Erfolg der Kuren war durchweg ein günstiger. Die ärztliche Leitung des Heimes versahen die Herren Dr. med. F. Hertz und Dr. med. S. Weinberg gemeinschaftlich, die Oberin Lehmann leitete den inneren Betrieb. Der Schatzmeister erstattete Bericht über die Kassenverhältnisse. Infolge der allgemeinen ungünstigen Wirtschaftslage ist das Defizit seit dem vergangenen Jahr leider weiter erheblich gestiegen. Der Fehlbetrag beläuft sich heute auf rund RM 6000. In den Schlussworten hob der Vorsitzende hervor, dass trotz der ungünstigen Aussichten für das Jahr 1931 der Kurbetrieb am 27. April ds. Js. wieder aufgenommen wird. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, dass durch Beihilfen aus weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung dieses schöne Werk der Nächstenliebe erhalten bleibe. Erholungsheim für israelitische Frauen in Baden-Baden. Das Heim wird am 15. April eröffnet. Meldungen von Frauen und Mädchen, insbesondere auch aus dem Mittelstand, können an das Vorstandsmitglied Frau Rebekka Cohn, Frankfurt a. M., Friedberger Anlage 14, gerichtet werden. Der Verpflegungsbeitrag beträgt RM 3.50 bis RM 4.50 täglich. Bei Vorlage von entsprechenden örtlichen Bescheinigungen kann Fahrpreisermässigung erwirkt werden. Tragen Sie ..die gute Spezialität: Kleidung" ■"1220 Verarbeitung Hauswirtschaftliche Schulung. Der dem Jüdischen Frauenbund angeschlossene Verein Jüdisches Frauenstift in Offenbach hat seit einigen Wochen eine Einrichtung getroffen, von der er sich eine segensreiche Wirkung verspricht. Von der Erwägung ausgehend, dass man jungen erwerbslosen Mädchen die beste Wohltat angedeihen lässt, wenn man ihnen Kenntnisse und Beschäftigung verschafft, wurde von Seiten des Vereins in -den von der Gemeindeverwaltung bereitwilligst zur Verfügung gestellten Wirtschaftsräumen des Gemeinde-Hauses ein Haushaltungs-Kurs eingerichtet, zu dem sich 24 junge Mädchen gemeldet haben. An einem Nachmittag in der Woche lernen sie bei einer jüdischen Haushaltunglehrerin, Frl. Hilde Strauss, Kochen und alle Verrichtungen des Haushalts. Bei dem Unterricht wird besonderer Wert darauf gelegt, dass die jungen Mädchen nach dem neuesten Stand der Ernährungslehre unterrichtet werden. Sie lernen mit geringen Unkosten eine hochwertige Mahlzeit herstellen, es wird ihnen gezeigt, auch ohne Fleisch vollwertige Mahlzeiten zu bereiten. Der Verein hofft, dass er durch diesen Kursus auch sonst im Zusammenhang mit den jungen Mädchen der Gemeinde bleiben wird. Vierzig Jahre Abwehrverein. >\ Am 14. Dezember 1930 waren vierzig Jahre verflossen, seit unter der Führung von Rudolf von Gneist und Heinrich Rickert einige hervorragende Männer verschiedener Parteirichtungen und Glaubensbekenntnisse, unter ihnen Theodor Barth, Erich Schmidt, Wilhelm Foerster, Albrecht Weber und Charles L. Hallgarten die Gegenwehr gegen den Antisemitismus organisierten, indem sie den „V e rein zur Abwehr des Antisemitismus" schufen. In diesen vierzig Jahren hat der Verein überaus Verdienstvolles geleistet, wenn es galt, der antisemitischen Verhetzung entgegenzutreten: es sei nur an die Namen Stöcker, Bockel und Fritsch, Ahlwardt, an die Judenzählung im Heer, die „Protokolle der Weisen von Zion" erinnert. Auch in unserer Zeit, in der die antisemitische Welle höher schlägt als je zuvor, stehen die Führer des Vereins tapfer auf dem Posten. — Aus Anlass des Jubiläums erscheinen die „A b w e h r b I ä 11 e r" (Berlin W. 35. FIottwelMr. 7) in neuer Gestalt. Das erste Heft des 41. Jahrg. (Einzelpreis 30 Pfg.) gibt ein eindrucksvolles Bild von der Arbeit des Vereins: aus dem Inhalt sei besonders hervorgehoben: ein kurzer historischer Abriss von dem Schriftleiter Max Heilgemayr, Erinnerungen von Georg Gothein, ein Aufsatz „Die Rasse in der Geschichte" von Walter Goctz und eine grosse Anzahl von Geleitworten führender Persönlichkeiten des deutschen Geisteslebens. Hilfsverein der Deutschen Juden. Der Hilfsverein der Deutschen Juden führt seit dreissig Jahren — er wurde im Mai 1901 gegründet — als repräsentatives Organ der deutschen Juden für Auslandshilfe ein soziales und kulturelles Hilfswerk in einer Reihe von Ländern durch. Seine Arbeit gilt im gegenwärtigen Zeitpunkt in der Hanntsache der JngendhilFe, der geistigen und beruflichen Ausbildung der heranwachsenden Generation, den Siedlern in den neugegründeten Kolonien in der Ukraine und Krim und den Auswanderern. Für das neue Kinderhaus in Kowno. die Zentralstelle der gesam+en jüdischen Kinderfürsorge in Litauen, wurden über RM 48000 aufgebracht, für Ferienkolonien in Polen RM 60 000. für die kulturelle und soziale Hilfsnrbeit in Rumänien RM 45 000. für die neuen landwirtschaftlichen Siedlungen in der Ukraine und der Krim wurden drei Ambulatorien mit einem Aufwand von RM 80 000 erstellt, für Emigrantenhilfe wurden RM 100 000 ausgegeben. Für rl?r> Förderung von Jeschibot in Osteuropa wurden dem Hilfsverein neuerdings eine Stiftung von i% Millionen Schweizer Franken von dem verstorbenen Prof. Haffkine zugewendet. Der Hilfsverern arbeitet seit Jahrzehnten mit den grossen jüdischen Körperschaften für Auslandshilfe in Frankreich. England und den Vereinigten Staaten zusammen. Zur Bewältigung der ihm gestellten Aufsahen ist eine noch stärkere Teilnahme der deutschen Juden an seinem Hilfswerk erforderlich. Jüdische Schüler auf den preussischen höheren Schnlen. Einer interessanten Untersuchung von Dr. Alex Ontfeld im Tanuar-Heft der verdienstvollen ..Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" entnehmen wir d»e folgenden ziffernmässigen Angaben: Im Jahre 1926 wurden in den höheren Schulen in Prenssen unter insgesamt 314 543 Knaben 10 30O indische Knaben, unter 176575 Mädchen 7905 jüdische Mädchen ermittelt. Gegenüber 191t, dem Jahre der letzten Zählung vor dem Kriege, hat sich die Zahl der die höheren Schulen besuchenden jüdischen Knaben um rund 900 vermindert, so dass der Anteil der jüdischen Knaben von 5.2% auf 3.5% gefallen ist: die Zahl der jüdischen Mädchen ist um 2400 oder 24% auf 7900 gesunken, ihr Anteil ist dabei von 7.2 v. H. auf 4.5 v. H. gefallen. Die höheren Schulen werden verhältnismässig mehr von jüdischen Mädchen als von jüdischen Knaben besucht: von 100 Schülern waren 1926 3.5 jüdisch, von 100 Schülerinnen 4.5. Der Anteil der nicht am Religionsunterricht teilnehmenden Schülerschaft ist von 1921 auf 1926 gestiegen; er betrug 1926 bei den Knaben und bei den Mädchen rund 10 v. H. Im Jahre 1926 ist zum erstenmal die tatsächliche Besetzung der einzelnen Schnlformen festgestellt worden. Die nachstehende Uebersicht zeigt für das Schul iah r 1926 verglichen mit 1911 die Ergebnisse der Aufgliederung der Schülerschaft unter diesem Gesichtspunkt. Knabenschulen! Jüdische Schüler 1926 1 1911 in °/n aller Schüler 192ß i 1911 Gymnasien...... *+3 3913 5104 3,6 5.6 Realgymnasien .... 3129 2834 F3.5 61 Oberrealschulen . . . 1539 1359 2.3, T3.6 Progymnasien .... 12 71 0,8 f2.4 Realprogymnasien . . 313 96 4,3 2.4 Realschulen...... 1288 1736 4,7 5,6

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