Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 4 (12.1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 130 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3094266-3094360-3094364--2622-3097369- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ansprechendsten war. Der Abend wurde verschönt durch die Mitwirkung des Mannheimer Hauptkantors Wolf Levi, der sich hauptsächlich in einem prachtvoll vorgetragenen „Kaddisch", welches der Erinnerung an die Toten der palästinensischen Unruhen des Jahres 1929 gewidmet war, als vollendeter Sangesmeister -zeigen konnte. Seine Darbietungen, wie auch diejenigen des Chores und der übrigen Solisten fanden -den begeisterten Beifall des den kleinen Saal des Saalbaues beinahe vollständig füllenden Publikums. . Dr. B. Verkaufsstelle von Palästina-Arbeiten. Der Verband jüd. Frauen für Palästina-Arbeit in Frankfurt a. M. empfiehlt zum Einkauf von Geschenken seine Verkaufsstelle schöner Palästina-Handarbeiten, Damen- und Kinderkleider, Blusen, Decken, Kissenplatten, Spitzenarbeiten, Schmucksachen und Korbwaren bei Frau Cläre Ettinger, Langestr. 31. 130 Aufruf! „Stehe nicht still bei dem Blute Deines Nächsten!" Tausende brechen zusammen, hungern und frieren. HELFT! Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. Langesfrasse 30 Postscheckkonto Nr. 54893 Julius Bloch, Rabbiner Dr. Jakob Horovitz, Wolfgang Auerbadi, Johanna Baer, Lulu Bloch-Neustadt, Moritz B'och, S.-R. Dr. Albert Eitlinger, Stefanie Förch, heimer, Therese Freimann, Dr. Karl Frenkel, Paula Frenkel Heinrich Gerlidi, Dir. Isaac Meyer. Paula Nassauer, Eli Posen, Max Tannenbaum, David Weill, Ella Werner Julius Werner. Habima. Der Intendanz des Schauspielhauses kann man aufrichtig dafür dankbar sein, dass sie wiederum ein Gastspiel der Habima ermöglidit hat, wenn auch zu bedauern ist, dass es nur einen Abend umfasste. Die berühmte Truppe zeigte von ihren beiden Neueinstudierungen den Uriel Acosta von Gutzkow in der Bearbeitung von M. Liwschitz. Die Bearbeitung hat von dem Original fast nur den äusseren Aufbau und auch diesen nur in grossem Umriss übrig gelassen, und der selige Gutzkow hätte sich bass gewundert, wenn er die Talmudzitate und die Stücke aus der Liturgie vernommen hätte, die jetzt sein Stück durchsetzen. Die Handlung ist mit grossem dramatischen Geschick aufgebaut und von innerer Spannung erfüllt. Sie gibt der Habima Gelegenheit, alle Register ihrer mimischen und szenischen Kunst spielen zu lassen. So wurde auch diese Aufführung zu einem grossen künstlerischen Erlebnis und von dem vollbesetzten Theater mit stürmischem Beifall bedankt. Es gab einige unvergesslidie Höhepunkte: ein Menuett von vollendeter Grazie und Harmonie, die Balladenszene, ein kurzer Auftritt der Mutter, audi die grösseren Szenen der Hochzeit -und des Gerichts; bei der ersteren war mit besonderem Glück die immer heikle Verwendung ritueller Formen auf ein Mindestmass reduziert, dagegen hielt sidi die Gerichtsszene stellenweise gerade nur an der gefährlichen Grenze des Melodramatischen. Ganz hervorragend waren wie immer die Leistungen der Schauspieler und der Regie, und es spricht für die ungewöhnliche Stärke dieser Spieigemeinschaft, dass sie auch Schwädien zu überwinden vermag. M, Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Verbandswahlen. Am 9. November ist die Frist zur Einreidiung von Kreiswahlvorschlägen abgelaufen. Die Bemühungen, einen Wahlkampf zu vermeiden, haben dazu geführt, dass in sämtlichen Wahlkreisen, mit Ausnahme Berlins, Einheitswahlvorschläge zustandegekommen sind. Danach werden am 30. November Wahlen zum Verbandstag des Preussischen Landesverbandes nur dn Berlin stattfinden. Weihnachts-Verkauf zu besonders vorteilhaften Preisen. Mäntel, Kleider, Blusen, Morgenröcke, Pelz^Mäntel, Wiener Strickkleidung Wagertir&SchlOrel ^pt & *M F0ANCTU0TS..6OETHESTQ.9-1J Ü Hilfsverein der Deutschen Juden. Am 12. November fand unter Vorsitz von Herrn Dr. James Simon eine Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt, der als Hauptpunkt der Tagesordnung die Beschlussfassung über die Verwaltung der Haffkine-Stiftung vorlag. Der vor kurzem in Lausanne verstorbene hervorragende Bakteriologe Professor W. M. Haffkine, der im Jahre 1860 in Odessa geboren ist, hinterliess in hochherziger Weise ein Kapitel von etwa anderthalb Millionen Sdiweizer Francs zwecks Bildung einer Stiftung in der Schweiz, die von einem dortigen Bankinstitut verwaltet wird, und aus dessen Erträgnissen Talmudhochschulen (Jeschibot) in osteuropäischen Ländern (unter eventueller Berücksiditigung audi der handwerklidien Ausbildung der Sdiüler) gefördert werden sollen. Die Stiftung hat die Einnahmenfür die angegebenen Zwecke gemäss den Entscheidungen des Hilfsvereins zu verwenden, dessen Werk der Verewigte wärmstes Interesse entgegeribradite. — Ferner wurden Bewilligungen vorgenommen, u. a. für jüdische Studenten aus Osteuropa. Aus dem Bericht über die Aktion für den Wiederaufbau des Jüdischen Kinderhauses in Kowno ist zu entnehmen, dass die Sammlung bisher ein befriedigendes Resultat gehabt hat; die für den Bau notwendigen Mittel sind allerdings noch nicht vollständig aufgebracht worden. Die Mitteilungen über die Aufwendungen des Hilfsvereins auf seinen verschiedenen Arbeitsgebieten, sowie über den Ausbau der Organisation des Hilfsvereins in Berlin und im Reiche im laufenden Jahre wurden mit grosser Genugtuung zur Kenntnis genommen; namentlich wurde hervorgehoben, dass trotz der Ungunst der Zeit ein erhebliches Anwachsen der Jahresbeträge zu konstatieren ist. Zahlreiche neue Ortsgruppen sind gebildet worden. Auf der andern Seite steigen natürlidi dauernd die Anforderungen, die an den Hilfsverein gestellt werden. Der Hilfsverein ist daher heute mehr denn je auf die tatkräftigste Unterstützung seiner Mitglieder und Freunde angewiesen. Synagogale Friedensfeiern. . Die Geschäftsstelle des Jüdischen Friedensbundes (Berlin-Wilmersdorf, Hindenburgstrasse 106) teilt mit, dass anlässlich der letzten Herbstfeiertage die Bestrebungen zur Einführung eines einheitlichen religiösen Friedenstages in zahlreichen Gemeinden mit Erfolg aufgenommen wurden. Besonders eindrucksvoll war eine Feier der Religionsgemeinde Plauen, bei welcher Rabbiner Dr. Goldmann, Leipzig, über die. Verwirklichung der Friedensidee sprach und ein Sprechdior. des Jüdischen Jugendbundes mitwirkte. Aus den von verschiedenen/ Gemeinden eingegangenen Beridnen geht hervor, dass synagogale Feiern bei den Zuhörern, unter denen sich häufig auch nichtjüdische befanden, den tiefsten Eindruck hinterliessen. Eine jüdische Schule des Friedens. Die von der „Jungjüdischen Friedensgemeinschaft" ins Loben gerufene „Sdiule des Friedens" („Jeschiwath Hillel") wurde am 25. November in der Synagoge Prinzregentenstr., Berlin-Wilmersdorf feierlich eröffnet. Die ..Schule des Friedens", weldie, der jüdischen Ueberlieferung entsprechend, in einem Synagogenraum ihre Kurse abhalten wird, will das Friedensproblem teils in grundlegenden Vortragsserien, teils in Einzel Vorlesungen behandeln. Als Dozenten sind bis jetzt u. A. vorgesehen: Rabb. Dr. Kantorowsky, Rabb. Dr. Prinz, Helmuth von Ger lach, Kapitän P e r s i u s, Hauptmann a. D. S c h ü t z i n g e r, Otto Liehmann-Russbüldt. Nach dem von Dr. A. Nossig