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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-12-01 · 4 (12.1930) · p. Seite 123

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jüdischen Glaubens" eine gutbesudite Tagung ab. — Kassel. Der Wahlkreis Kassel und Wiesbaden wird im Verbands tage des „Preussisdien Landesverbands jüdischer Gemeinden' durch 2 Liberale, 2 Konservative und 1 Mitglied der Jüdischen Voikspartei vertreten sein. — Wegen beschinipfuug der jüdischen Religion wurde der Redakteur der Zeitschrift „D er Stur m", der Nationalsozialist Wolfgang bergemaim, zu einer Geldstrafe von 180 Mark verurteilt., bergemaim hatte in einer Versammlung behauptet, dass die jüdischen Fleischer nichtkoscheres r leisch vor dem Verkauf an Christen verunreinigen dürfen. — Köln. In die ueprasemantenv.ersaimniutig der jüdischen Gemeinde wurden 3 Liberale, 2 Konservative, 2 Volksparteiler und ein Angehöriger der Mittelpartei gewählt. — München. Der vor kurzem gegründete „Verein für jüdische Museen"' hat sich zur Aufgabe gestellt, die in Bayern befindlichen jüdischen Kunstschätze der Vergangenheit zu sammeln und der Nachweit zu erhalten. — Pirmasens. Zum Nachfolger des verstorbenen Bezirksrabbiners Dr. Eugen Meyer wurde Rabbiner Dr. Dagobert Nellhaus-Hirschberg gewählt. — Trebnitz. Auf dem jüdischen Friedhof wurden neulich von Bubenhand zahlreiche Grabsteine mit Hakenkreuzen beschmiert und auch das Grabmal des Kaufmanns Julius Hiller, dessen hochherziger Stiftung die Stadt Trebnitz ihr Bürgerheim verdankt, besudelt. Diese Tat versetzte die Bevölkerung in starke Erregung, und die nationalsozialistische Ortsgruppe sah sich genötigt, eine Belohnung für die Ergreifung der Täter auszusetzen, wobei sie betonte, dass die „Nationalsozialistische Arbeiterpartei keine Deiikinalsdiätider in ihren Reihen dulde." Als Täter entpuppten sich 3 junge Leute, die zugaben, eingeschriebene Mitglieder der Ortsgruppe Trebnitz der NSDAP, zu sein. — Würzburg. Das Gastspiel des hebräischen Theaters „Habima" gab den Anlass zu nationalsozialistischen Demonstrationen. Amerika. Argentinien. Wie das Büro der „Jewish Colonisation Association (iCA)"' in Paris bekannt gibt, sind die jüdischen Kolonien von den Unruhen der Septemberrevolution vollkommen verschont geblieben. Ihre materielle Entwicklung schreitet ungehindert fort. Audi die kulturellen und sozialen Einriditungen, die Bibliotheken, Wohlfahrts-, Sportvereinigungen und dergleidien, weldie für das Leben und Verbleiben in den Kolonien von grosser Bedeutung sind, nehmen an Umfang und Intensität der Arbeit fortgesetzt zu. — New York. Eine Konferenz der jüdisdien Farmer beschloss die Gründung von Kooperativen zur Hebung der wirtsdiaftlidien Not. — Ein von etwa 50 000 Personen besudites Massenmeeting, bei weldiem u. a. der bekannte Chicagoer Philanthrop Julius Rosenwald und der New Yorker Bürgermeister James Walker sprachen, erhob Protest gegen das neue Statement der englisdien Regierung betretfs ihrer Palästinapolitik und verlangte ein Eingreifen der Bundesregierung. Audi in anderen Städten der Union wurden ähnlidie Protestversammlungen veranstaltet. Uebriges Ausland. London. Die englische Regierung beschloss, 1500 Arbeitern die Einwanderung nach Palästina zu gestatten. — Auf der Tagung des Aktions-Comitees der Zionistisdien Organisation wurde beschlossen, den XVII. Zionistenkongress für Anfang Februar 1951 einzuberufen. Vorläufig wurde eine aus 5 Mitgliedern bestehende Kommission mit der Beratung und Unterstützung Professor Weizmanns und der Exekutive bei politisdien Aktionen beauftragt. — Auf einem Bankett ziu Ehren der Gesellsdiarten „ORT" und „OSE*' spradien u. a. Professor Albert Einstein und Bernard Shaw. Eine hierbei veranstaltete Sammlung ergab den Betrag von 4900 Pfund. — Der frühere High Commissioner of Palestine, Sir Herbert Samuel wurde am 6. XI. 60 Jahre alt. — Lloyd George eröffnete am 17. XI. im englischen Unterhaus die Debatte über die zukünftige Palästina-Politik der britisdien Regierung. Auf eine Anfrage des Führers der konservativen Partei und ehemaligen Ministerpräsidenten ßaldwin, ob die Regierung ihre Politik bezüglich Palästinas zu ändern beabsichtige, antwortete Ministerpräsident MacDonald, dass seine Regierung an dem Mandate festhalten werde. Im Oberhaus erhob der ehemalige Vizekönig von Indien, Lord Reading, gegen die englische Regierung die Anklage, sie habe weder den Juden noch den Arabern Palästinas Gerechtigkeit zuteil werden lassen, worauf Lord Parmoor im Namen der Regierung diese Anklage als ungerechtfertigt zurückwies. — In einem Schreiben an den Präsidenten der „Zionistischen Weltorganisation", Dr. Chaim Weizmann, betonte der Ehrenpräsident der „Jewish Agency", Baron Edmond de .Rothschild, dass die Erklärung der britischen Regierung bezüglidi ihrer zukünftigen Politik in Palästina dem Wortlaut und dem Geiste des Palästina-Alandates widerspräche. I Das gleiche erklärten zwei der hervorragendsten englischen I Rednsgetehrten, Sir John Simon und der trübere Lord Chauceuor Viacount Hausham. — Moskau. Die in den jüdischen Kolonien der Krim uud der Ukraine für die Aussaat venugoare .Madie beträgt in diesem Jahre 111.8Ö7 ha; im Vorjanr war sie um bO/o geringer. — Paris. Der amerikaniscu-judische Crossindustrieile Albert Blum, weicher durch Verieiben von Stipendien bedürftigen jungeu Leuten das otudium an den Universitäten Lyon, i\aucy, l'ans und Strassourg ermöglicht hatte, wurde zum Ehrendoktor der Universität Nancy ernannt. — Im Auer von 70 Jahren verschied der berühmte Bakteriologe und Mitarbeiter Pasteurs, Professor Haffkiue, der Lründer der Scnuizimpfuiig gegen Cholera. Der Verblidiene geborte der konservativen liiuitung innerhalb des Judentums au und war u. a. Mitglied der Vereinigung der „tiiowewe Zion". Obwoni Professor Haffkiue sicu auch iu der „Aliiauce israelite Universelle" eifrig betätigte, hinterliess er doch sein ganzes Vermögen iu rlöhe von llA Millionen Sdiweizer tranken dem „rlilfsverein der deutscheu Juden", und zwar mit der Bestimmung, dass die Zinserträge zur Unterhaltung vou „Jeschiwotn" in Osteuropa verwendet werden solien. — Prag, für seinen Roman „Keubeni*" wurde dem Dichter Max Brod der tschechoslowakische Staatspreis für Literatur verliehen. — Warschau. Die Zahl der Abgeordneten des jüdischen r*irlainemsklubs im polniscuen Sejm ist von 13 auf 8 zurückgegangen; infolgedessen kann er keine Fraktion mehr bilden, da für eine soidie eine Mindesizaiil von 10 Abgeordnelen ertorderlich ist. Zu diesen 8 jüdisdien Abgeordneten kommen noch 4 hinzu, welche der von dem Marsdiall Piisudski geführten Gruppe angehören. — Au der Bestattung der im Alter von 11 y Jahren verstorbenen Frau bdieindel Hirsdikorn nahmen 5 Generationen ihrer Nadikommen teil. — Wien. Fürstcrzbisdiof Dr. Hill uud die übrigen österreichisdieu Bisdiöle bezeichnen in ihren Hirtenbriefen an die österreidiisdien Katholiken den Nationalsozialismus als „heidnisdien, überhitzten Nationalismus". — Unter dem Namen „Yerbandsiegion heimattreuer Juden Oesterreichs" hat sidi eine H e i m w e h r f o r m a ti o n gebildet, um das Ueberhandnehmen des Antisemitismus in den österreidiisdien Heimwehren zu verhindern. — Auf eine Beschwerde des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde wegen der antisemitisdien " Aeusserungen des Justizministers Dr. Hueber erklärten Bundeskanzler Vaugoin und Aussenminister Dr. Seipel, dass die österreidiische Regierung auch weiterhin den Juden dieselben Redite zuerkennen werde wie den Angehörigen der beiden diristlidieu Konfessionen. — An der Hodischule für Welthandel fanden kürzlich antisemitische Ausschreitungen statt, in deren Verlauf mehrere jüdisdie Studenten schwere Verletzungen erlitten. — Am 2. XI. wurde der bekannte Musikschriftsteller und frühere Vertreter der Musikwissenschaft an der Universität Wien, Hofrat Professor Dr. Guido Adler, 70 Jahre alt. Neben anderen bedeutenden Werken, wie einer ausgezeichneten Monographie über Gustav Mahler, hat er das „Handbuch der Musikgeschichte", das allgemein als eines der Standard-Werke der musikalischen Literatur gilt, verfasst. — Der Oberbibliothekar an der Universitätsbibliothek, Hofrat Dr. Michael Holzmann, der vor kurzem im Alter von 70 Jahren verstorben ist, hat sich durch seine literarhistorischen Schriften und besonders durch seine grossen, in Gemeinschaft mit dem fürstlich Lieditensteinschen Bibliothekar Hof rat Dr. Hanns Bohatta herausgegebenen Werke „Deutsdies Anonymen-Lexikon" und „Deutsches Pseudonymen-Lexikon" einen bedeutenden Namen in der bibliographisdien Welt erworben. — Dem berühmten jüdisdien Segelflieger Robert Kronfeld wurde die internationale Fliegertrophäe für 1929, die höchste Fliegerauszeichnung, verliehen und von dem Präsidenten der internationalen Liga für Aviatik, dem amerikanischen Millionär Cliffort B. Hanion, überreicht. — Dem Vertreter der Bakteriologie und Biologie an der Universität Wien, Professor Dr. Carl Landsteiner, wurde der diesjährige Nobelpreis für Medizin verliehen. Landsteiner ist der Begründer der Blutgruppenlehre, welche für die forensische Medizin von höchster Bedeutung geworden ist. — Wilna. Am 9. XI. verstarb im Alter von 70 Jahren Für Körper und Füsse nur DIAISN-PUDER

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