Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 3 (11.1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 75 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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75 Sie erstrebt eine Entgiftung des öffentlichen jüdischen Lebens durch Verwirklichung des Grundsatzes, dass in der jüdischen Arbeit nicht das Sonderinteresse der Parteien, sondern das Wohl des Ganzen den Masstab der Dinge zu bilden habe und nicht durch Herausarbeitung des Trennenden die Gegensätze verschärft, sondern durch Betonung und Pflege des Gemeinsamen die Grundlagen für eine Verständigung geschaffen werden müssen. Sie will dieses Ziel dadurch erreichen, dass sie in die Vertretung der Gemeinden und Verbände Persönlichkeiten entsendet, die unbeschadet ihrer eigenen Einstellung, in ihrer öffentlichen jüdischen Tätigkeit sich nur als Vertreter der Gesamtheit fühlen und von der Ueberzeugung leiten lassen, dass nicht durch Radikalismus und extreme Forderungen von der einen oder der anderen Seite, sondern nur durch eine Politik, die eine Verständigung sucht, der Frieden und die Einheit der Gemeinden und des Judentums erhalten weiden können. Sie will dadurch gleichzeitig wertvolle Persönlichkeiten der jüdischen Arbeit gewinnen, die, abgestossen von der Verwilderung der Sitten .und nicht gewillt, sich von einem Parteidiktat Norm und Wegziel weisen zu lassen, bisher von ihr ferngehalten haben, und sie erwartet davon edne gerade in der Gegenwart doppelt notwendige Bereicherung unseres öffentlichen jüdischen Lebens." Hilfsverein der deutsdien Juden. Am IS. September fand unter Vorsitz von Herrn Dr. James Simon eine Sitzung des Geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt, in der die Ereignisse in Rumänien im Sommer dieses Jahres, die Schritte, die vom Hilfsverein, der Alliance Israelite Universelle und dem Joint Foreign Committee unternommen wurden, und die weitere Arbeit im Interesse der rumänischen Juden besprochen wurden. Der Geschäftsführende Ausschluss beschloss, das rumänische Kulturwerk fortzusetzen und bewilligte einen grösseren Betrag für das Schuljahr 1930/51, der einer Reihe von Anstalten, hauptsächlich für fachgewerbliche Ausbildung, zukommen soll. Von besonderer Wichtigkeit erscheint die Mitwirkung des Hills Vereins bei der Einrichtung einer zentralen Berufsberatungsstelle in Bukarest, die für die berufliche Umschichtung der rumänischen Juden angesichts der trostlosen wirtschaftlichen Verhältnisse Rumäniens von grosser Bedeutung zu werden verspricht. Dem Hilfsausschuss für jüdische Durchwanderer in K ö 1 n wunde, wie im Vorjahre, angesichts des grossen jüdischen Durchwandererverkehrs durch Köln eine ansehnliche Subvention bewilligt. — Trotz der wirtschaftlichen Depression stellten sich zahlreiche Persönlichkeiten für den Ausbau der Organisation des Hilfsvereins in Berlin und im Reiche zur Verfügung. Die Kundgebung für das Werk des Hilfsvereins am 1. April 1930 fand ein starkes Echo überall im Reiche und hat die Hilfsbereitschaft der deutschen Juden für ihre Glaubensgenossen noch mehr geweckt. Der Geschäftsführende Ausschuss besprach Massnahmen zur intensiveren Ausgestaltung der Propagandaarbeit. Hauptvorstandssitzung des Centraivereins. Am 19. Oktober war in Berlin die Hauptvorstandssitzung des C.-V., zu der aus Berlin und allen Teilen des Reiches zahlreiche Vertreter erschienen waren. Aus den Referaten der Herren Rechtsanwalt Dr. Kehr (Kaiserslautern), Landtagsabgeordneter Justizrat Falk (Köln) und Dr. Alfred Wiener ging hervor, dass der C.-V. auch weiter in Beziig auf die judengegnerischen Anschauungen der Nationalsozialisten abwehrend und aufklärend wirken wolle. Zur Frage der jüdischen W a h 1 e n referierten die Herren Rechtsanwalt Heinrich Stern (Berlin) und Rechtsanwalt Kurt Alexander (Krefeld). Dr. fsmar Freund und Justizrat Dr. Julius Brodnitz behandelten das Thema „Gemeinden und Abwehr". An die Tagung schloss sich eine Arbeitsausschussitzung des Hauptvorstandes an. Jüdischer Frauenbund. Vom 7.—9. September fand die diesjährige So mm erschule des Frauenbundes in Bad Dürkheim statt. Das Thema der Tagung „Leb e n s g e s t a 11 u n g der F r a u" wurde in den Referaten und der Aussprache von den verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet. Die Tagung wurde von Frau Tony Michel, der Verbandsvorsitzenden der Pfälzer jüdischen Frauenvereine eröffnet, von Stadtrat Strauss und Rabbiner Steckelmacher, Dürkheim, begrüsst. In seinem Einleitungsvortrag erörterte Rabb. Dr. Dienemann- Offenbach Fragen der jüdischen Religion im Zusammenhang mit der Lebensgestaltung der Frau. Frau Dr. Eding e r-Frankfurt zeigte am folgenden Tag die Entwicklungslinien vom Zeitalter des Matriachats bis zur modernen Frauenbewegung. Frau Margarete S u s m a n-Frankfurt a. M. referierte über ..Berufsproblematik der heutigen Frau*'. Der nächste Tag brachte Verhandlungen über die staatlichen Gesetze, die die Lebensgestaltung der Frau berühren. Rechtsanwalt Dr. M argarete Bereut -Berlin und Dr. R a h e 1 S t r a u s -München hielten die einleitenden Referate. Im Anschluss an die Sommerschule fanden noch Sitzungen des enge. Soeben erschien Der Fraokiarler Kantor SAMMLUNG der traditionellen Frankfurter synagogalen Gesänge von FABIAN OGUTSCH, weil. Oberkantor der Synagoge am Börneplatz zu Frankfurt a. M. — Geordnet und eingeleitet von J. B.Levy Herausgegeben vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt-M Preis RM. 20.— Das vorliegende Werk ist nicht nur bedeutsam für die in Frankfurt tätigen Vorbeter, es ist für die Erforschung und wissenschaftliche Durchdringung des süddeutschen „Chasonus" von bleibendem Wert, ein Denkzeichen, das den Namen seines Schöpfers weiterträgt und ihm Ewigkeit verleiht. Zu beziehen durch die Musikalienhandlungen oder direkt von J. Kaufffmann Verlag / Frankfurt a. 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