Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 10 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 408 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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408 rung, den Juden weitgehende Erleichterungen zu gewähren. — Moskau. Am 2. Mai wurde die erste jüdische Muster- Textilfabrik der Sowjetunion zur Ausbildung von / qualifizierten jüdischen Arbeitskräften eröffnet. — Der Erbauer der 928 Meilen langen Turksib-Eisenbahn, die Sibirien und Turkestan miteinander verbindet und eine der längsten Eisenbahnstrecken der Welt ist, ist der bekannte frühere jüdische Arbeiterführer Bill Shatov. — Paris. In einer der von der „Jewish Colonization Association (ICA)" begründeten Kolonien in Entrerios (Argentinien) wurden 17 jüdische Bauernfamilien aus Ungarn und der Tschechoslowakei angesiedelt. — Dem bedeutenden jüdischen Philosophen Henri Bergson wurde von der französischen Regierung das Grosskreuz der Ehrenlegion verliehen. — Prag. Bei den am 4. Mai durchgeführten Wahlen zur Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde erhielten die Demokratische Partei 2740, Jüdischnationale Partei und Poale Zion 2427, Tschechojuden 2162, Orthodoxe Mittelstandspartei 1057 und Fortschrittspartei 572 Stimmen. — Rotterdam. Auf Initiative der „Vereinigung für jüdische Bildungsinteressen", in der hauptsächlich die jüdische Jugend organisiert ist, wurde beschlossen, ein zentrales Gebäude für jüdische Bildungsarbeit zu errichten. — Saloniki. Die griechische Regierung hat die Subventionen für die jüdischen Schulen von 1400 000 auf 1 800 000 Drs. erhöht. — Strassburg. Der Astronom Dr. Berthold Cohn ist in Strassburg, an dessen Sternwarte er über 50 Jahre wirkte, im Alter von 61 Jahren gestorben. — Venedig. Am 4. Mai eröffnete König Viktor Emanuel die 17. internationale Kunstausstellung, deren Mittelpunkt .die Werke des im Jahre 1920 in Paris verstorbenen jungen italienisch-jüdischen Malers Amadeo Modigliani bilden. — Warschau. In einem aus Anlass der Eröffnung der Handwerkerkammer veranstalteten Festzug zogen 5 000 jüdische Handwerker durch die Strassen der Stadt. — Wien. Nach einer Statistik des Matrikenamtes der Israelitischen Kultusgemeinde überwog in den Monaten Januar bis März 1950 die Zahl der Sterbefälle diejenige der Geburten um mehr als das doppelte. — Im Wintersemester 1929—50 befanden sich an der Wiener Universität unter einer Gesamtzahl von 9 877 Studenten 2 156 Juden. Palästina. Jerusalem. Die Entschädigungssummen, die an solche Juden Palästinas gezahlt wurden, die im Verlauf der Unruhen des Jahres 1929 Verluste erlitten haben, beliefen sich im ganzen auf 89 700 Pfund. — Im März d. J. kamen 899 Juden nach Palästina. Die Zahl der jüdischen Einwanderer betrug im Januar 555, im Februar 772. — In ganz Palästina herrscht ungeheure Erregung über die vom britischen Staatssekretär für die Kolonien angeordnete Anullierung von ca. 2000 Einwanderer- Zertifikaten. — In der Nähe des Kinderdorfes Kfar Jeladim im Emek Jezreel ist ein Hospital für jüdische Kolonisten erbaut worden. — Am 16. Mai wurde das neuerbaute Haus des „Jüdischen Nationalfonds" eingeweiht. — Kürzlich trafen 1000 meist deutsche Touristen in Palästina ein. — Hebron. Wegen Misshandlung der jüdischen Bevölkerung im Verlauf der Unruhen im August 1929 wurde die arabische Bevölkerung der Stadt mit einer Kollektivgeldbusse von 10 000 Pfund und die der umliegenden Dörfer mit einer solchen von 4 000 Pfund belegt. Zentralisation in der Wohlfahrtspflege. Auf meinen Vorschlag zur Zentralisation der Beitragserhebung hiesiger jüdischer Institutionen (in der April-Nummer d. Bl.) sind mir zahlreiche zustimmende Aeusserungen zugegangen. Alle finden meine Anregung höchst beachtlich und viele meinten, sie hätten schon längst und oft Aehnliches gedacht. Damit hat aber noch kein Schritt zur Ausführung eingesetzt! Wenn es als Bedürfnis und Wunsch zahlreicher Glaubensgenossen sich ergibt meine kleinen Reformpläne ausgeführt zu wissen, so sollte jeder Vereins vorstand bezw. jede* Verwaltung bei der nächsten Sitzung diese Sache ernstlich beraten und den Anschluss an ein gemeinsames Inkasso beschliessen. Das einzelne Mitglied könnte dem Gedanken noch wirksamen Nachdruck verschaffen, indem es seine zukünftige Mitgliedschaft von der Aenderung der Beitragserhebung abhängig macht. Irgend eine Institution müsste allerdings den Anfang machen und die Führung übernehmen. Ich denke an die Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege, die in streng neutraler Form ein gemeinsames i nk assobüro in die Wege leiten könnte. Vertreter aller daran interessierten Organisationen sollten zu einer gemeinsamen Besprechung eingeladen werden, damit baldigst gehandelt Averden kann und für 1951 der neue, allgemein erwünschte Modus eingeführt werde. Zur Illustration meiner früheren Ausführungen diene, dass Anfang Mai bei mir wieder zwei Vereine durch ihren Boten die Beiträge für 1950 erheben Hessen. Es stellte sich dabei heraus, dass der eine Betrag von mir bereits im Januar überwiesen war. Dieser Verein hat also Postscheckkonto, lässt trotzdem den Botengang machen, der iingleich umständlicher und teurer, für das Mitglied recht lästig ist. Eine Dame berichtet mir, dass ein Verein sogar jedes Vierteljahr die Beiträge erheben lässt; sie meint lieber mehr geben zu wollen, wenn diese Plage aufhören würde. Nun lasst uns endlich Taten sehen! Dr. S. Lehmann. Zu dem vorstehenden Vorsdüag erhalten wir von sachkundiger Seite die nachstehende Aeußerung. rr.a der wir die Diskussion sdümpen. ädirijil Die Zuschrift „Zentralisation auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege" von Dr. S. Lehmann in No. 8 des Frankfurter Isr. Gemeindeblattes beschäftigt sich mit der höchst beachtlichen Anregung der gemeinsamen Beitragseinziehung sämtlicher jüdischen Organisationen und Vereine Frankfurts. Es soll nicht verkannt werden, dass die Idee als solche recht gut ist, und dass ihrer Verwirklichung in normalen Zeiten Schwierigkeiten ernsthafter Art nicht entgegenstehen würden. Allein in der heutigen Zeit schwersten wirtschaftlichen Niedergangs müssen die Bedenken zum Ausdruck gebracht werden, die gegen die Verwirklichung des Planes sprechen. 1. Es wird bei einem gemeinsamen Inkasso nicht ausbleiben, dass die Beiträge, die der einzelne Geber den Vereinen und Organisationen zugesagt hat, in nicht unerheblichem Masse vermindert werden. 2. Die Organisationen und Vereine werden sich wohl kaum dazu entschliessen können, ihren Mitgliederbestand einer dritten, wenn auch neutralen Stelle mitzuteilen. Sie werden dies umsoweniger tun, wenn diese Stelle, wie vorgeschlagen, einem schon bestehenden Verein angeschlossen ist. 5. Die Bearbeitung der Mitglieder, die ihren Beitrag nicht mehr zahlen wollen, kann intensiv und erfolgreich nur dann für die betreffende Organisation erfolgen, wenn sie selbst sofort mit dem betreffenden Mitglied verhandelt und nicht durch eine dritte neutrale Stelle verhandeln lässt. 4. Es dürfte sich wohl kaum eine Organsiation finden, die die Aufgabe des Inkassos übernehmen wird, denn mit ihm ist eine derartige Mehrarbeit verbunden, dass eine Neuanstellung von Kräften notwendig würde. Die hierdurch - entstehenden Kosten werden so hoch sein, dass sie sich trotz Umlage auf die einzelnen Stellen den Gebern gegenüber nicht rechtfertigen lassen. Die hier angeführten Gründe scheinen so gewichtig zu sein, dass man im Interesse der für 'die Allgemeinheit arbeitenden Vereine und Organisationen die Verwirklichung des von Herrn Dr. S. Lehmann angeregten Planes wohl nodi einige Zeit zurückstellen muss. Rabbinische Lehranstalt „Jeschiwa". Das S o mm e r s e m e s t e r wurde an der Rabbinischen Lehranstalt am 2. Tage Rosch Chodesch Jjar eröffnet. Am Sonntag, 4. Mai, versammelten sich der Lehrkörper, Vertreter des Kuratoriums und sämtliche Hörer im grossen Lehrsaal, wo der Leiter der Anstalt, Gemeinde-anbiner HERMANN HENSLER Z.ell 62 OPTIK . + OPTIK Moderne Kneifer und Brillen in nur bester Ausführung. Sorgfältigste fadimSnn. Bedienung. Reparaturen schnell u. billig. I 5,E v e r,- C1 e a n" der stets saubere Handschuh. Praktisch für Reise und Sport. A. Höchberg, Kaiserstraße 15