Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 10 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 406 (sequence 18)
- Language
- German
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Zusatzbestimmung zur Krankenhausordnung betr. die freie Arztwahl in der I. und IL Klasse und "die Genehmigung des Rechnungsberichtes des Krankenhauses für das Rechnungsjahr 1928/29. Sämtliche Vorlagen wurden debattelos angenommen. Von den Berichten des Gefängnisseelsorgers für -die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1950, des Referenten für. den Religionsunterricht über die Verteilung und die Ausdehnung dieses Unterrichts im Schuljahr 1929/30 und von dem seitens des Büros vorgelegten Bericht über die im abgelaufenen Rechnungsjahr vorgenommenen Amtshandlungen wurde Kenntnis genommen. Der Gebührentarif für Reservierungen von Grabstätten auf dem neuen Friedhof wurde hinsichtlich der Höhe der vorgesehenen Gebührensätze angenommen; soweit der Tarif Einzelbestimmungen vorsieht, erfolgte Verweisung an die Rechtskommission. Von verschiedenen Zuwendungen wurde mit Dank an die Spender Kenntnis genommen. Ebenso wurde Kenntnis genommen von dem Arbeitsprogramm der Schule der jüdischen Jugend. Ein Dankschreiben der Israelitischen Religionsschule für die von dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Richard Merzbach, namens der Gemeindevertretung anlässlich des 50jährigen Jubiläums dieser Schule dargebrachten Glückwünsche wurde verlesen. In den Gemeindevorstand wurde anstelle des ausgeschiedenen Herrn Willy Wolff Herr Emil Carl Oppenheimer gewählt. Diesen Beratungen sehloss sich eine nichtöffentliche Sitzung an, in welcher Personalangelegenheiten behandelt wurden. Aus den Gemeinden Deutschland. Berlin. Nach einer Entscheidung des Reichsgerichts ist das Wort „J u d e n r e p u b 1 i k" als eine Beschimpfung des heutigen Staates anzusehen. — In einem Schreiben an den thüringischen Ministerpräsidenten Baum wandte sich Reichsinnenminister Dr. Wirth gegen die vom thüringischen Unterrichtsminister Dr. Frick angeordneten Schulgebete, die sich — nach eigener Aussage des Ministers — gegen die Juden richten. — Ein Erlass des preussischen Unterrichtsministers lässt nunmehr auch die jüdische Religionslehre als Haupt- und Nebenfach bei der wissenschaftlichen Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen und zwar vom 1. April ab zu. — Im Wintersemester 1929—1950 waren an den Universitäten des Deutschen Reiches 3824 Juden, das sind 4,21% aller Studierenden, immatriku- | liert. Hiervon waren 2767 männlich, darunter 655 Redchsausländer, und 1057 weiblich, davon 199 Reichsausländer. — Der Direktor des „Centraivereins deutscher Staatsbür- Gemeindemitglieder bedient Euch zur Gräberpflege der mit allen neuzeitlichen Anlagen ausgestatteten Friedhofegärtnerei der Israelitischen Gemeinde. Sie übernimmt die Neubepflanzung von Grabstätten in jeder gewünschten Art, sowie die jahrweise und dauernde Pflege. Lieferung von Kränzen, sowie von T o p fpflanzen und Schnittblumen für alle Gelegenheiten. Bestellungen durch das Friedhofsamt der Israelitischen Gemeinde, Zeppelin 52041 oder direkt in der Gärtnerei, Eckenheimerlandstrasse 238. ger jüdischen Glaubens", Dr. Ludwig Holländer, hat die Redakteure der grossen Berliner Zeitungen sowie die Berliner Vertreter einiger in anderen Städten Deutschlands erscheinenden Blätter eingeladen, um sie über die Fortschritte des Nationalsozialismus zu unterrichten. — Ueber die Wirkungen der Kriege sprach in einer Versammlung der „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen l»ür den Frieden" als Vertreter des Judentums Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee. — Durch Vermittlung des Vereins „Jüdische Wadsenhiilf e Gro,ss-B e rtldn" wurden 12 Zöglinge des abgebrannten Kownoer Jüdischen Kinderhauses in dem Kinderdorf Ben Schemen in Palästina untergebracht. — Als Vertreter der Jüdischen Gemeinde begrüsste Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee die diesjährige Landeskonferenz des deutschen „Hechaluz", die vom 26. bis 28. April stattfand und von zahlreichen Delegierten und Angehörigen der Jugendbünde besucht war. — Die „Deutsche Liga für Menschenrechte" protestiert gegen die von dem antisemitischen thüringischen Kultusminister Dr. Frick angeregte Errichtung eines Lehrstuhls für Rassenkunde an der Universität Jena und dessen Besetzung mit dem Antisemiten Dr. Hans Günther. — Zu Ehren des früheren englischen Kolonialminister L. S. Amery veranstaltete das Deutsche Komitee „Pro Palästina" am 19. Mai unter dem Vorsitz von Professor Dr. Moritz Sobernheim einen Empfang. — Professor Dr. Julius Guttmann, der Vertreter der Religionsphilosophie an der „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" und zugleich wissenschaftlicher Leiter des Forschungs-Instituts der „Akademie für die Wissenschaft des Judentums" beging am 15. April seinen 50. Geburtstag. — Im Alter von 82 Jahren verstarb der langjährige preussische Landtagsabgeordnete, Stadtrat Leopold R o s e n o w. Ohne jemals an der Spitze einer jüdischen Organisation gestanden zu haben, brachte er doch allen öffentlichen Angelegenheiten des Judentums lebhaftestes Interesse entgegen. — Am 17. Mai verstarb an einem Herzschlag Justizrat Dr. Hugo Strassmann, ein hervorragendes Mitglied , des „Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens". — Nach längerer Krankheit verstarb im Alter von 48 Jahren Direktor Hugo O s t b e r g, einer der Führer des liberalen Judentums in Deutschland. — Der Direktor der inneren Abteilung des Jüdischen Krankenhauses, Prof essor Dr. Hermann S t r a u s s, wurde zum Ehrenmitglied der Balneologischen Gesellschaft ernannt. — Amberg. Der antisemitische Agitator M ü n c h m e y e r, ehemals Pfarrer auf Borkum, der die Juden eine „Gesellschaft von Verläumdern und Plattfussiindianern" genannt hatte, wurde wegen Beleidigung der jüdischen Religion zu 60 Mark Geldstrafe, evtl. 6 Tagen Gefängnis verurteilt. — Breslau. Nach einer Statistik des Wohlfahrtsamtes der Jüdischen Gemeinde wurden für Wohlfahrtszwecke im Etatjahr 1928/29 561 000 Mark, das sind 31,6%, und im Etatjahr 1929/30 347 000 Mark, das sind 31,2% des Etats, verausgabt. — Professor Dr. Siegfried Marek, ein Jude, wurde zum ordentlichen Professor der Philosophie und des Sozialrechts an der Breslauer Universität ernannt. — Am 18. Mai vollendete Frau Paula Ollendorff, eine der Führerinnen der jüdischen Frauenbewegung und besonders auf dem Gebiet der jüdischen Wohlfahrtspflege an hervorragendster Stelle tätig, ihren 70. Geburtstag. — Beuthen. Bei'den Wahlen zur Repräsentantenversammlung erhielt die Liste der vereinigten Liberalen und Konservativen 510, die der Jüdischen Volkspartei 320 Stimmen. Danach entfallen auf die erste Liste 13, auf die zweite Liste 8 Mandate. — Darmstadt. Die am 27. April stattgehabte Tagung des „Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden des Volksstaates Hessen" hat entschiedenen Einspruch gegen die Weigerung der Regierung erhoben, die israelitischen Religionsgemeinden in gleicher Weise wie die protestantischen und katholischen zu subventionieren. — Dresden. Auf der am 17. Mai. eröffneten Internationalen 'Hygiene-Ausstellung vertreten die „Gesellschaft für den Schutz der Gesundheit unter den Juden (OSE)", die „Gesellschaft für den Schutz der Gesundheit unter den Juden in Polen (TOZ)" und die der „American Jewish Joint Agricultural Corporation (AGRO-JOINT)" angeschlossene Medizinische Kommission „JOINT-OSE" das Werk der Selbsthilfe der jüdischen BevöUierung Osteuropas auf dem Gebiete der Hygiene. Es sind im Ganzen 416 Anstalten der Gesellschaften „OSE" und „TOZ", von denen allein 257 der Kinderfürsorge gewidmet sind. — Frankfurt a. M. Dem bekannten Neurologen der Frankfurter Universität, Professor Dr. Kurt Goldstein, wurde die Leitung der neurologischen Abteilung am Krankenhaus Moabit angeboten. Professor Goldstein wird dem ehrenvollen Ruf zunächst provisorisch Folge leisten. — Hamburg. Die Tagung der Altherrenschaft der Verbindungen im KC (Kartell-Convent) vom 27. April war im wesentlichen der Frage der Zukunft des KC. und sedner inneren Reorganisation gewidmet. —