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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-01-01 · 5 (1.1930) · p. Seite 194

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
5 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 194 (sequence 22)
Language
German
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Um der Not der jüdischen Künstler abzuhelfen, beschloss die „Gesellschaft von 1845 zur Unterstützung jüdischer Künstler und Handwerker in Krankheitsfällen" mit einem Aufruf zu tätiger Hilfe an die jüdische Oeffentlichkeit heranzutreten. — Unter dem Vorsitz des Dessauer Oberbürgermeisters fand in Berlin die konstituierende Sitzung des Kuratoriums der „Moses Mendelssohn- Stiftung" statt, deren Zweck es ist, die Geisteswissenschaften zu fördern und begabten Studierenden, vorzugsweise solchen, die aus Dessau stammen, lie Mittel zum Studium zu verschaffen. Das Stiftungskapital in Höhe von 250.000 Mark wurde von dem Bankhause Mendelssohn & Co. aufgebracht. — Der Antrag des Abgeordneten Prelle, Mitglied der deutsdinationalen Fraktion des Preussischen Landtages, auf Einführung eines wahlfreien hebräischen Unterrichtes an den Humanistischen Gymnasien wurde vom Unterrichtsausschuss des Preussischen Landtages angenommen. — In der Zeit vom 1. X. 1928 bis 30. IX. 1929 sind bei dem Deutschen „K e r e n Hajessod" ungefähr 985.000 Mark eingegangen; hierbei sind die Zionisten mit 58,5%, die Nichtzionisten mit 41,7% beteiligt. Im Jahre 1927—28 betrugen die Eingänge 904.000 Mark. — In der Endrunde um den Goldstein-Pokal siegte der jüdische Boxklub „Makkabi" über den Boxsportklub „Heros". — Zu den erfolgreichsten Sportsleuten gehört der Tennismeister Daniel Prenn, ein aus dem Osten stammender Jude. — Im Alter von 79 Jahren verstarb der bedeutende Pharmakologe der Berliner Universität, Professor Louis Lew in, der sich besondere Verdienste um die Erforschung der Gifte erworben hat. Lewin war Mitglied der konservativen Fraktion der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde. — Justizrat Dr. Julius Magnus, dem vor einigen Jahren von der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt am Main die Würde eines juristischen Ehrendoktors verliehen worden ist, wurde nunmehr auch von der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Heidelberg zum Ehrendoktor ernannt. — Die Notgemeinschaft deutscher Wissenschaft hat dem Professor Ludwig Schemann, der in seinem Werke „Die Rasse in den Geisteswissenschaften" antisemitischen Tendenzen huldigt, das ihm für seine Forschungsarbeiten verliehene Stipendium entzogen. — Im Alter von 75 Jahren verstarb der jüdische Schriftsteller Isaak Turoff, der sich grosse Verdienste um die Ausgestaltung" des jüdischen Nachrichtenwesens erworben hat. Turoff war auch Mitbegründer und Geschäftsführer des Vereins zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina „Esra". — Auf Einladung der beiden dirigierenden Aerzte, Professor Dr. Carl Lewin und«.Privatdozent Dr. Hugo Picard, besuchten etwa 150 Berliner Aerzte die neue Poliklinik der jüdischen Gemeinde. Zum Vorsitzenden des neu gegründeten Vereins „Jüdisches Museum" wurde Generalkonsul Eugen Landau, zum Ehrenvors. Professor Max Liebermann gewählt. — In der Sitzung der Repräsentantenversammlung der Gemeinde vom 12. XII. wurde die Eingemeindung der Vorortgemeinden Cöpeniek und Oranienburg beschlossen. Weiter wurde mitgeteilt, dass der Polizeipräsident die neuen Statuten genehmigt habe, wonach die Repräsentantenversammlung fortan aus 41 und der Gemeindevorstand aus 11 Mitgliedern bestehen solle. Die neuen Statuten treten mit dem Beginn des Jahres 1951 in Kraft. Die Herren Direktor Kareski, Dr. Kollenscher, Kommerzienrat Simon, Kammergerichtsrat Wolff und Goldschmidt wurden bis Ende 1950 in den Vorstand wiedergewählt und Landgerichts rat Dr. Lilienthal anstelle des verstorbenen Professor Türk zum Mitglied des Rates des „Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden" bestimmt. — In Anwesenheit von einigen hundert Delegierten aus Berlin und dem Reich hielt der „Reichsbund j ü - di scher Frontsoldaten" am 25. u. 24. XI. seine diesjähr. Hauptversammlung ab. — Am 7. XII. fand die Uraufführung des Films „Makkabäer" statt, der das Leben in der jüdischen Jugend- und Sportbewegung schildert. Träger der Hauptrolle ist der bekannte jugendliche Filmschauspieler Mara Spiegel. — Bei den am 8. XII. in Thüringen und Bayern durchgeführten Wahlen erzielten die Nationalsozialisten grosse Erfolge. — Am 5. XII. wurde die von der österreichischen Regierung gestiftete Adler- Plakette dem jüdischen Weltflieger Robert Kronfeld überreicht. Kronfeld wurde auch die goldene Sport- Medaille des. österreichischen Aero-Clubs verliehen. — Barmen. Zum Rabbiner der neugegründeten Religionsgemeinde Barmen wurde Herr Dr. Lubasch, bisher in Oppeln, gewählt. — Braunschweig. Zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde Braunsdiweig und zugleich zum Landesrabbiner für den Freistaat Braunschweig wurde Rabbiner Dr. Gärtner- Zwickau gewählt. — Frankfurt a. M. Wegen Beleidigung der Universität und Verteilung antisemitischer Flugblätter wurde die Hochschulgruppe Frankfurt a. M. des nationalsozialistischen Studentenbundes aufgehoben. — Freiburg. Am 1. XIL vollendete Prof. Dr. Jonas Cohn der Vertreter der Philosophie an der Universität Freiburg, sein 60. Lebensjahr.— Hamburg. Die Inhaber des Hamburger Bankhauses Warburg haben sich entschlossen, für den Fortbestand der von dem kürzlich verstorbenen bedeutenden Kunstgelehrten Prof Dr. A b y Warbug gegründeten Bibliothek Sorge zu tragen. — Unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Bamberger-Wandsbeck fand am 1. XII. die 3. Tagung des Nord westdeutschen Rabbiner Verbandes statt. — Hannover. Das Repräsentantenkollegium beschloss einstimmig, die Kultussteuer von 15% auf 12% der Einkommensteuer herabzusetzen. — Karlsruhe. Unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Dr. Max Jeselsohn-Mannheim wurde am 1. und 2. XII. die 15. ordentliche badische Landessynode abgehalten. Zur Erörterung gelangten in der Hauptsache die finanziellen Probleme der Religionsgemeinschaften. Es wurde eine Resolution gefasst, wonach Lehrer mit der religiösen Fürsorge für den Kultus in Filialgemeinden betraut und zur Berichterstattung an das zuständige Rabbinat veranlasst werden sollen. — Königsberg. Im Alter von 71 Jahren verschied der hervorragende Dermatologe und frühere Stadtverordnete, Sanitätsrat Dr. Samuel Jessner. — Leipzig. Bei den am l.XH. noch nach dem Klassensystem durchgeführten Repräsentantenwählen wurde 8 Liberale, zwei Mitglieder der jüdischen Volkspartei und ein Orthodoxer gewählt. — Am 17. XII. beging der bekannte jüdische Philanthrop Chaim Eitingon seinen 70. Geburtstag. — Muldenhütten. Aus Anlass des 200. Geburtstages von Moses Mendelssohn hat die sächsiche Regierung eine Erinnerungsmedaille geprägt. — Pyrmont. Am 21. XI. starb im Alter von 80 Jahren der Prediger und Lehrer der Israelitischen Kultusgemeinde Pyrmont, Markus de Haas. — Wiesbaden. Der Vorstand des „Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" erklärte in seiner Sitzung vom 24. XI. sein Einverständnis mit der „Jewish Agency". Er glaubt, dass durch die Verstärkung des neutralen Charakters des Palästina- Aufbaus am ehesten der innerjüdische Friede herbeigeführt werde; erst dann sei nach seiner Ansicht eine Besiedlung Palästinas auf dem Wege des gegenseitigen Verständnisses möglich. Ausland. Amsterdam. Die seit ungefähr 7 Jahren in Amsterdam, Arnheim, Rotterdam und Den Haag bestehenden jüdischen Frauenvereine haben sich zu dem „Nederländsche Joodsehe Vrouenraad" zusammengeschlossen. — Antwerpen. Im Alter von 58 Jahren starb der Führer der belgischen Zionisten Jean Fischer. — Basel. Am 27. XL beging der „Schweizerische Israelitische Gemeindebund" das Fest seines 25jährigen Bestehens. Ziel des Bundes, dessen jetziger Präsident, Julius Dreyfus-Brodsky, vor kurzem seinen 70. Geburtstag feiern konnte, ist es, die allgemeinen Interessen des Judentums in der Schweiz zu wahren und zu vertreten. — Belgrad. Das neue jugoslavische Volksschulgesetz, das — ebenso wie das neue Gesetz über die jüdische Religionsgemeinschaft in Jugoslavien — nunmehr vom König unterzeichnet wurde, bestimmt, dass der Religionsunterricht Pflichtfach ist und dass die Lehrer ihre Gehälter von den Religionsgemeinden beziehen. Es gestattet ferner Minoritätsschulen, so dass der Fortbestand der jüdischen Volksschulen in Jugoslavien gesichert ist. Im übrigen wird die jüdische Religion der Staatsreligion vollkommen gleichgestellt, und der vom König zu ernennende Landesgrossrabbiner erhält den Rang eines Bischofs. — Bern. Zum Mitglied des Bundesgerichts, des höchsten schweizerischen Gerichtshofes, wurde der jüdische Rechtsanwalt Camaille Guggenheim ernannt. — Brooklyn. Der bekannte jüdische Bankier und Präsident der Handelskammer von Brooklyn, Ralph Jonas, hat die Summe von einer Million Dollar für das jüdische Wohlfahrtswesen New Yorks gespendet. — Bukarest. Nahum Sokolow, der Präsident des Zionistenkongresses und der Zionistischen Weltexekutive, wurde von der Königin Maria von Rumänien- sowie von dem Ministerpräsidenten Maniu und dem Aussenminister Minorescu in längeren Audienzen empfangen. — Auf dem Kongress der christlichen Studenten Rumäniens wurde die Ausschliessung aller Juden vom Universitäts- S. & D. LÖWENTHAL Schilterstrasse 1 SILBERWAREN

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