Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 6 (1927-1928)
- Issue
- 3 (11.1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 71 (sequence 19)
- Language
- German
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71 Norden: Grundlagen und Ziele des religiösliberalen Iudent u m s. Die erste W e l t k o n s e r e n z liberaler Juden in London. 10—12. Juli 19S6. (Verlag der Vereinigung für das liberale Judentum, Berlin). Zwei kleine Schriften, die nicht nur für den liberalen Juden eine wahre Fundgrube von Beweisen für die äußere Lebens- Notwendigkeit und die innere Lebenskraft des religiösen Liberalismus darstellen, sondern zugleich den Nichtliberalen zeigen, wie grundsätzlich verfehlt das Urteil über den negativen Inhalt des Liberalismus, über die Gleichstellung des Liberalen mit einem bloßen Abstreichen und Ueberbordwerfen mehr oder minder zahlreicher orthodoxer Bräuche und Gebete ist. D^.r Liberalismus, der die außerordentlichen Werte der historischen Vergangenheit des Judentums keineswegs unterschätzt, stützt seine Berechtigung auf die nach seiner Meinung vom Augenblick der Offenbarung an dem religiösen Meeschen von Göll eingegebene Vernunft- und gefühlsmäßige Kraft/seinem religiösen Empfinden in einer den jeweiligen Zeitverhöltnissen und Zeitanschauunaen entsprechenden Weise Ausdruck zu geben. Er „ist von der Ueb?rzeugung durchdrungen, daß das überlieferte Judeutum sich mit den Anschauungen der (jeweiligen! Rez) Gegenwart befreunden und ihnen Rechnung iragen muß, daß -das Gesetz ider Entwicklung vor den Toren der Religion nicht haltmachen darf; und darnm darf er hoffen, viele dem Judentum zu erhalten und -viele, die sich teilnahmslos abgewandt haben, ihm wiederzugewinnen und den Glauben an seine Zukunft in ihm wieder zu wecken." (Norden.) Tie letzte Epoche einer Fortentwicklung des religiösen Denkens nud Empfindens im vorgeschilderten Sinne beginnt rein äußerlich mit dem Eintritt der'deutschen Juden in die europäische Kultur um die Zeil nach Moses Mendelssohn, ihrer inneren Struktur nach mit den späteren Reformbestrebuugen und geistigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der Tradition und deuen des Liberalismus. Die Fülle der religiösen Vorschriften, deren Einhaltung ohne nähere Prüfung ihres inneren Wertes oder ihrer geringeren Bedeutung für einen großen Teil der damaligen Inden von jedem verlangt wurde, konnte innerhalb der Mauern des Ghettos noch einigermaßen Beachtung finden. Mit dem Oesfnen der Tore dieser Mauern und der Teilnahme gerade der intellektuellen Juden an den Fragen uud Aufgaben des sie umgebenden kulturellen und allgemeinen Lebens schwand die unbedingte Autorität vor den überlieferten Schriften. Statt daß schon damals die maßgebenden Rabbiner diesem zum mindesten verständlichen Denken und Fühlen zahlreicher uud keineswegs der schlechtesten Kreise entgegenkamen, widersetzte man sich mit aller Macht solchen Bestrebungen und trieb dadurch eine immer größere Zahl keineswegs religionsloser Juden aus dem Judentum heraus oder in den immer mehr und mehr um sich greifenden Jndifferentismus. Dem einstigen Volke der Religion konnte man mit Fug und Recht zu einein großen Teil nunmehr Religionslosigkeit vorwerfen. Tie Zahl dieser „religionslosen", in Wirklichkeit durchaus nicht areligiösen Juden wuchs mehr und mehr; aber es fehlte an einer kraftvollen Zu^ sammenfassung und Organisation. Demgegenüber hatte die Orthodoxie ihre alte gefestigte Stellung und Bindung untereinander. Tie selbstverständliche Folge war ein immer stärkeres Zurücktreten der liberalen Auffassung des Judentums, während Judentum und Orthodoxie mehr und mehr identisch wurden. Erst die tiefschürfenden Schriften der geistigen Vorkämpfer des Liberalismus, die Bildung von Bereinigungen der liberal Gesinnten und zuletzt die große Zusammenfassung all dieser Bestrebungen in oer „Vereinigung für das liberale Judentum" schaffte dem Liberalismus den machtvollen Rückhalt und die geistige Stellung im Judentum, die ihm schon lange gebührte. „Die Vereinigung für das liberale Judentum will Klärung über die religiösen Fragen bringen; sie will offen und ehrlich zeigen, was 5en Liberalismus mit der Orthodoxie verbindet und was" ihn von ihr trennt. Sie will der Orthodoxie gegenüber keinen Gewissenszwang üben, will nicht, daß sie in Gewissensnot gerät, verlangt aber von der Gegenseite die unbedingte Anerkennung, daß es auch für die Bekenner der liberalen Richtung eine Gewissensnot gibt." (Norden.) Letzten Endes liegt die Verschiedenheit der religiösen Anschauungen der Orthodoxie und des Liberalismus in der Auffassung des Begriffes von der göttlichen Offenbarung. Für die Orthodoxie ist „die Thora eine Art göttliches Diktat" von Gott an Moses wörtlich übermittelt; der Liberalismus sieht in ihr „eine Offenbarung des Gottes g e i st e s an den Menschen g e i st". Daher keine genaue, kritiklose — wenn auch innerlich durchaus ehrliche — Befolgung aller kleinen und kleinsten Gebote, sondern eine mit Hilfe der uns von Gott verliehenen Vernunft erfolgende Würdigung und Prüfung der einzelnen Gebote, die die ewig erscheinenden Wahrheiten und sittlichen Grundgebote streng von dem Wandel der Zeiten unterworfenen Glaubensvorstellungen und Erscheinungsformen scheidet. Dem Liberalismus ist "aber nicht mir dieser theoretischen Auseinandersetzung und Fundierung gedient; er verlangt aktivste Betätigung in Haus und Familie (Sabbat, Feste, Trauung, Barmizwoh, Mädcheneinsegnung, Liebesdienste an Sterbenden und Toten), sowie Gottesdienst und -Gemeindeleben (Dauer des Gottesdienstes, Hebräisch und Landessprache, Gebet, Pflicht der Teilnahme an Gottesdienst und Gemeindeleben, ^Religionsunterricht, Hebräisch). WSMS M S»rvk. 0r. S. Is«g«r W zsn. Ks« Sittingsr M vr. ARM Mtt s n «ß s c k u k « ML rsvsttvn M»erren-A5ssckv JPGMMZSWU vlQv>e»XüvSsr keisS» vsckSN LsdvArtSksI Ss«>s - HrtSksS 5t»«KKIsi«jI«r, St«?kHS«ken, I.un»d«?HS«ks, vlussnsekoi««? Lvetkeste. 7, Seegs^st?. «sssngssse 2 lVket?gSrSi ->N2 H VNÜ M8MM H. KM5kk MM8K Z - »W «MS S5!v keinst« 5!ei8vtiunä WunZtwaren Isrselitizcliell Qemein6e. MIM PMillKW »5- PMIIIIW >vSrmede8iZncljI. Lei Ltofl>vecn8eleskr3nkunZ,psßt' Isidiigksit, 18etil38. (Zicnt, kkeuins.ttaut esltrZnkunA usw. MkeMlM IM5!r. 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