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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-06-01 · 10 (6.1925) · page 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
3 (1924-1925)
Issue
10 (6.1925)
Date
1925-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 unerklärlich, bestände nicht eine Art Wahlverwandtschaft zwischen jüdischer Seele uno künstlerischem «chanen.?uir oüncn uns dessen wohl bemüht werden, daß unsere Seele eine ungeheure Bereicherung «fahren, daß da« Problem der jüdischen veele um einen bedeutsamen Schritt seiner Vüsuna näher gekommen ist. das aber auch umgekehrt die übrige Well durch die Mitwirkung jüdischer Künstler neue, unvergängliche Werte empfangen hat. Aber wir sind noch nicht am Ziel! Die vollkommene Ein« heil der jüdischen Skr!? bleib: eine iwis? Ai-'gab» D<?ri-, liegt die grobe Tragik dieses furchtbaren -Ringens. Und sie wird am siä?i>s?-n hg empfunden, rno die große ätünstlerseele und die tief religiöse zugleich sich ausspreche» will Da entstehen in der Tat Äumiwerke tragischer Grösse So entsteht Joses Israels ..Sohn des alten Volkes' Ein häßlicher Trödler vor seinem 5k.ram. schwer und plump sind Hunde u-.d .^üfze. aber der Ausdruck ist gewaltig Das ewige Leid eines gehetzten Volkes lieg» au» diejrn schultern, in diesen Zügen. „Tin Jude sprich», »rda« Gtulio in der Brust trägt, der in den Niedrige» und Beladen-» seine eigene Jugendqeschichte und dir beschichte seines Volkes malt" lMulher) Die Zufallserscheinuna ist hier zum Ewigkeilslnpus geworden — wie auch Glicenstein in großer Monumentalplastik seinen Messias gestaltet hat. so gros, und schlicht und monumenta wie die wenigen Wort? der altjüdischen Sage: „Vor den Toren Roms sitzt ein aussävger Bettler und wartet — Es ist der Messias!" - Wer wird ihn erlöse», ihn, der die Menschheit erlöse» soll? — Auch der jüdische Künstler! Durch sein schaffen, durch sei» Ainorn nach Einheit seines Werkes und seines Wesens. Erst die Tat. das eigene schasse» tm Dienste einer großen Idee macht de» Menschen zum Mitglied der großen Gemeinde der Unsterblichen. ..Mit jeder Tat", so lehrt die altjüdische Äabbala. „kann der Mensch an der (Gestalt der Goitc?„torie arbeiten, das; sie aus dem Verborgene» trete. Denn uberall sind Lunken ein« getan, sie hangen in den Dingen wie in verjirgeltcn Bronnen, sie Bangigkeit aus und Dunkel ein sie wurlrn! Und die im Räume wohnen, schwirren wie lichtvolle Faltcr um die Bewegung der Welt umher, schauend, in welche sie einkehren könnten, durch sie gelöst ><u wcrdcn Alle harren sie der Freiheit'" Befreite, erlöste Lunken sind die Werke dcr j<unst. beirrir durch den schaffenden Künstler uns versiegelten Brunnen, erlöst aus zugemauerte» Höhlen und eingesungen aus dem weiten Wellenraum. Möchten solche Lunken mit all ihrer Mut und schöpferischen Kraft in die jüdischen Häuser dringen und dem Mischen Heim das verleihen, was wir alle ersehnen, Freiheit und Friede und Freude! - Ner neue Gemeinde-Friedhof. ä Allgemeines. Von Vllln Lolff. Seit Jahren ist die Schaffung . es neuen Friedhose, eine der wichtigsten Beratungsgegenstüudc der Gemeinde-Verwaltung Wenn iniolge der Jnslationsjahre und anderer widriger Umstände die endgültige Beschlllszsassung sich immer wieder verzögerte, so konnte nunmehr eine weitere Verschiebung nicht mebr^ stallsinde». angesichts der Tatsache, bah der im Jahre rrönnete jeflige Friedhof an der Ral-Beilftrake, trokdem alle Erweiterungsmöglichkeiirn ausgenulU wurden, voraussichtlich >m Jahre voll belegt sein wird. Es dürste wohl die Mitglieder unserer Gemeinde und die Leser dieser Blätter interessiere», über die neue Friedhofsanlage in großen Zügen sowohl im Allgemeinen, als auch in einem technischen Artikel des mit dem Bau de» Friedhofes beauftragten Architekten unterrichtet zu werden Der alte Judensrtedhof in der Judengaife diente der Gemeinde nachweisbar vom Beginn des t V Jahrhundert» ad (wahrscheinlich aber schon früher» bis zum Jahre lz,.".« Allein während der le»ten Jahre seiner Verwendungszeit find nach den wertvollen Forschungen de» Herrn Baddiner De. Markus Horovist an Hand der Bücher der Beerdigung»-Bruderschaft über lii.»-> Beerdigungen aus ihm erfolgt! Eine solch starke Belegung war nur dadurch möglich, daß die Gräber nach Bedarf übereinander geschichtet wurden. Wie die ledenden Juden de» Ghettos wegen der Unmöglichkeit, neue» VauTrr?-in d-k----«---. pSz mit den engen Räumen der Judengatte begnüge'» mutzten und deswegen die Vergrößerung ihre» Wohnraumes nur in der Erhöhung der vorhandenen Häuser bewirken konnten, so m-zlen auch ihre Toten au» dem gleichen Grund übereinander zur ewigen Ruhe gebettet «erden Eine sogenannte .Adräumung" der Gräber, wie sie auf ^chtiüdiichen Friedhofen stattfindet, d h das Ausgraden der «nochen-Uderreste nach einer Äelhe von Jahren (auf dem hiesigen Städtischen Triedboi bei Reihengrädern je nach dem Lebensalter der Verstorbenen nach!0 bis 20 Jahren; u: se»Lnni!?ch nach dc^? jüdische» Religionsgese» verboten. So ist die Benutrung des jetzigen Gemeindefriedhofes an der Rat - Beünrase — fast volle lO» Jahre — nur durch AusnuHung de? Raumes di» zu: äufzerstea Grenze möglich geworden. Der neue Frieshof liegt an der Zriedberger Warte und wirk» begrenz! rm Osten von der Homburger-Lanoslraße. tm Norden unk» Westen von neuen — siäotifcherseits b-reiis beschlossenen - große» Straizenzügen. die dem wachsenden Verkehr und auch der Anläge von Friedhöfen fauch die Erweiterung.des städtischen und die An« läge des neuen Friedhofes der Israelitischen Religionsgesellschast ist in der Nachbarschaft geplant» volle Rechnung tragen. Die Linie X> der elektrischen Straßenbahn nnrd durchgeführt Man darr daher wohl sagen, daiz der beslgctegenste disponible Play an der Peripherie der Stadt, und in nicht allzugroßer Entfernung von den lttUaen Friedhöfen für die Neuanlaoe gefunden und erworben ist. Der Platt ist schöqungsweife für "eine Belegungsdauer von ungefähr »^i Jahren ausreichend. Wenn es gelingen sollte, anliegendes Gelände zur Erweiterung oder noch besser eine Kaufoption hierfür zu erlangen, so wäre die» sehr zu begrügen. da ja durch jede Verlängerung der Belegungsdauer die Benulzung dc? abzuführender: Gebärdi?-?>!-'-h<'N- 7Niri,chait^geb>iude uiw > verlängert würde, was vom wirtschaftlichen heutzutage sehr mafzgedenden - Standpunkt aus eine grözere Rentabilität der Anlagen bedeuten würde. Der Gedanke, der die Gemeinde-Verwaltung bei der Anlage des neuen Friedhofes leitet, ist kurz und prägnant in der Einleitung des festgelegten Bauorogrammes zum Ausdruck gebracht: .Der neue jüdische Friedhof soll die hohe Trudition der alten würdigen und einheitlichen jüdischen Begräbnispläl'e verbinden mit den neuzeitlichen Anforderungen hygienischer und technischer Art. die die Häusigkril der Beerdigungen einer groizea Gemeinde bedingen.' Der lrtitr Soli dirser programmatischen Einleitung laute! i ..Mit einfachsten Miüeln gilt es durch Proportionen und Farbgebung eine Stätte des Fn-d-ns <u scharfen, die ohne Verwendung plaiiiicheu und malerischen Schmuckes die ernste und vieeätovUe Bestimmung der Anlage ausjeichner' Bei voller Wodrung drr Bedingung einer würdevollen Begräbnisstätte ninsste die g-dlelerische Notwendigkeit die Äückiichr erheischen, alle überflüssigen Ausgaben anqcsich'.s der schwierigen finanziellen Lage der Gemeinde zu oer-neidtn und derselben nur Lajten auf die Schuiiern zu l>gen. die wirklich unverme-vuch find. Der Vorstand und die Geiueiudc.Vrr.relung had?n diese Forderung wahrlich nicht leicht genommen: es ist irde Art von Lurus. besteheird in Verwendung von wertvollem Maleriol und dergleichen gruiidsützilch und auf das strengste vermieden worden. Troridem werden die Gesannkoiten insolac der d-r-scheno-n Teuerung oder, richtiger aesaat. infolge der gesunkenen zxauikrait des Geldes die Höhe von zirka Mk. 4)>."«>- erreichen Es ist deshalb beschlossen worden, die Gebäude untre gcw:§§kn Raun>.er>> sparungen wie nicht anders möglicd — im ganzen zu errichten, dir Gradseidrr jedoch nur in dem Umfange ourzuselic». das; §>.? für die nächsten >.'» Johre ausreichen. Die Beschaffung vcr erforderlichen Gelder in F^rm einer langsrisligen Anleihe ist Gegenstand eingehendster Beratungen und Verhandlungen. Es verbietet sich, hierüber heute Näheres mitzuteilen Hoffentlich ist es möglich, in einer der nächsten Nummern dieses Blattes auch hierüber zu berichten. Dasz die Je«u>eit bei Anlage eines Friedhofes neuen Prob» lemen vom künstlerischen und technischen Standpunkt aus gegenüber steht, bedarf keiner langen Ausiührungen. noch weniger ist es nötig, der Vcrvstichtung Erwähnung zu tun. die ehrwürdige Tradition der allen jüdischen Frndhöie zu wahren. Den Au^. gleich zwischen diesen grundsäklichcn Vorbedingungen zu »chaisen. erfordert begreiflicherweise ein erh^hi«s Mag oon Arbeiten, Vorverhandlumien und Besorechungen. mehr als dies de: anderen Friedkofsanlagen nötig ist Um »in konkretes Beispiel zu erwähnen, sei bemerkt, daiz die Aufftellun! einer bindenden Grabmalordnung geplant ist die unter gleichzeitiger Berüchst^tlgung der jüdischen Tradition und der modernen Aeslhetik. die sich in. dieser Hinsicht in glücklicher Weise nahe kommen, einerseits die- Entfaltung üdermäsjigen Prunke» oerhindern soll, andererseits, für einen harmonisch abgestimmten GesamtesndruÄr jedes Gräder» felde» durch Anpassung der einzelnen Denkmäler zu sorgen hat. Wie bereits erwähnt, muß damit gerechnet werden, dafz de? jettige Friedhof im Laufe des Jahres i.'2k volt delegt sein wirk». Da demnach nur noch eine beschränkte Bnzsh! ssn Gräber, zu vergeben ist. andererseits aber der Wunsch au» dem Kreise de? Gruietnix-Mitg'.icder dezreiflich erscheint, wenn möglich auf der Ruhestätte der vorausgegangenen «ltern »nt» Familienmitglied-? zur lefllen Ruhe bestattet zu werden, ssü eine Anzahl von Gräbern gegen Zahlung eine? Sondergibi.hr zur Reservierung und. käuflichen Abgabe destimmt werden. E» sei in diesem Zusammendana auf die diesbezügliche Mitteilung des Arieohossamtes tm amtlichen Anzeigenteil dieser Nummer hingewiesen. Schwere und oerantwortunqsreiche Arbeit ist bereits geleister, fch^-r???sch z» leisten: große Ovker werden von der Gemeinde und idren Mitgliedern für das Werk gefordert werden müisea. Möge ein guter Stern iider diesen Arbeiten leuchten uns da» Werk gelingen lassen zur Ehre der altedrwurdigen Frankfurter Gemeinde, als Zeichen der Dankbarkeit für unsere Toten! >- - .^-«--m-r«».»^

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