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Selbst-Emancipation · 1886-06-16 · Heft 10 (16.6.1886) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1886
Issue
Heft 10 (16.6.1886)
Date
1886-06-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 Nr. 10 © e I fi ft «• Cs in n n c i J) a t i o n! heute.«- (Schluß des Capitels über „Judäa und die Juden"). > (Aus Rutzland.) In Durchführung der den im russischen Glenzrayon angesiedelten österreichischen Juden in Aussicht gestellten Ausweisung wurden bereits mehrere österreichische jüdische Familie» in Wolotschiska von den russische» Behörde» an die Grenze geschafft. Eine weitere Abschaffung ist natürlich bevorstehend. — (Josts Nabinowitsch.) Die „Bessarabakia Qabernskia “Wiedomoati“ bringt die russische Uebersetzuug der von Josef Rabinowitsch im jüdischen Jargon in dem Bethause seiner Serie am Charfreitage gehaltenen Predigt. Der Schluß derselben lautet.- „Nicht niiisonst heißt cs im Volksmnude der Jude», daß ein Jude noch nicht einen guten Freitag gesehen hat. Esteht fest, daß der verfluchte Freitag, an dem Jndas Jscharioth seinen Lehrer Jesus Christus seinen Feinden verrieth, welche das Synhcdrion beeinflußte», dieser Tag, den sie für einen Tag der Freude und des Sieges hielten, weil der Mann ihres Grimmes, der ihre Pläne nnd Ränke enthüllte, in ihre Hände gcfallen war, daß dieser ve>fl»chie Freitag zu einem Unglückstage für die Juden wurde. Seit dimals, wo es den Hohenpriestern durch die List der Rharisäer gelang am Kreuze zu vergießen das heilige Blut des Gerechten, unseres Herrn,Jesus Christus, dieses edle Blut, dessen Stimme noch mehr gehört wird als das Blut Abels, seit damals hot Gott, — der bis zu jener Zeit uns seine Propheten nnd Aposteln sandle, um uns zu retten, die aber auch von ihren Brüdern verfolgt und getödtet wurden, — anfgehört, uns seine Liebe zu zeigen, unsere Sünden zu verzeihen, uno begann von Israel das Blut aller. Propheten znrückzusocdern, das verschüttet wurde, seitdem die Welt gegründet wurde. (Luc. 11, 50). Für dieses unschuldige Blut, das wir vergaßen, sind loir seit 1800 Jahren ans der Wanderung-'crnr Juny'la,ier"ails u„s, ' öer voii Tag zü"Tä'g' größer wird." Korrespondenzen. Lemberg. Die letzte Nuinuier öec„Ojczyzna‘ ‘ ist ganz in Trauer gehüllt. Diese hat einen herben Schlag erlitten, und vergießt ob ihres schmerzlichen, unersetzlichen Verlustes Thränen. Wer ist denn der Verblichene, um dessentwillen sic sich wie Niobe ganz in Thränen anstöst? Beweint sie etwa den jüngst heimgegaugen, großen Gorvon? Doch nein, Gordou war ja Jude —.dazu noch national gesinnt — was hat sie denn überhaupt mit Juden gemein l Aber er — I a n Dobrzanski — ist tobt! Er, der würdigste Nachfolger Haman's, hat seine müden Augen für immer geschloffen! Ec, Jan, .unser treuester Frennd nnd Anhänger, Mitglied unserer „^.gndao achim“, er, zu dem ein Jstoczy und Schönerer in die Schule gehen könnten, er, welcher der Urheber des Judenhasses in Galizien war, er, der jeden Tag die fürchterlichsten Hetzartikel gegen Inden in seinem im Antisemitismus bisher noch uiiübertroffenen Organe „Gazeta naradowa,“ von Stappel liejj, hat ausgernngcn! „Ein Mann, der sich die größten Be r d i e n st e erworben", schreibt die „Ojczyzna“ und mit : „Ehre seinem Andenken!" schließt sie ihren Nekrolog ans Jan Dobrzanski! Und da wage noch Jemand zu behaupten, die „Ojczyzna“ nnd die „Agudas aciiim“ wären nicht Philose,niten l — — Nicht unerwähnt möge, bleiben, daß einige „jüdische" (?) Cultusvo.rsteher, mit ihrem Präsidenten an der Spitze, dem Judenfeinde Jan-Dobrzanski das Geleite bis auf den Friedhof gaben. Selbstverständlich durften dabei die Obmänner der „Agudas achim“ und des „Schomer Jsrael“ auch nicht fehlen. Durch.solche Beschaffenheit zeichnen sich die „Oberjudeu" Lembergs aus! Es fehlt wahrlich ein passender Ausdruck für ein derartiges Vorgehen' dieser jüdischen Matadoren. Ein Pröbchen polnischer Dankbarkeit Inden gegenüber! Wie aller Welt bekannt, hat der Pariser jüdische Philantrop Baron Hirsch das Land Galizien, re?p. die vom Brandnn.lücke heimgesuchten Städte Stryj, Lisko und Horodenka *) jüngsthin königlich beschenkt. Außer seiner ersten vorläufigen Spende von 100.000 Francs hat der Jude Baron Hirsch seinen Secretär, Herrn Veneziani, eigens nach Galizien mit einen» weiteren Betrage von 25000 Gulden entsenoet, damit er das Unglück persönlich in Augenschein nehme, um nach Maßgabe seiner Einsicht weitere Unterstützungen zu gewähren. Als Dank hiefüc brachte das als jndenfreuuülich gerühmte Tazblatt „Dziennik polski“ ans der antisemitischen Drnmont'schen Brochnre „La France juive “ einen Auszug über Baron Hirsch. So spricht ein liberales, jndenfrenndliches Blatt! Wie nun noch ein minder liberales?! — Gibt der Jude kein Geld, wird er geschimpft, gibt er ja welches her, so wird er erst recht geschimpft. — x.— Belgrad. Wir haben bereits einen gelehrteir Juden in unserer Gemeinde — einen berufenen und edlen Vertreter der jüdischen Sache wie nie zuvor. Herr Dr. Simon B einseld ist bereits auf " seinem Räbbinätsposten. Sein Rabbinatsantritt ging geräuschlos vor sich. Er wurde von den Gemeinde-Repräsentanten in Seinlin erwartet, in eines der besten Hotels geleitet. wo er auf Küsten der Gemeinde auch 8 Tage blieb, bis es gelang, ein passendes Local zu seinem bleibenden Wohnsitze anfzufinden. In der Synagoge wurde ihm der Ehcensitz dcs jeweiligen Rabbiners eingeräumt. Was wir aber schmerzlich vermißten, ist eine Antrittsrede, welche aus Unkenittniß der spagnotischen Sprache Wegfällen mnßie. An deren Stelle hielt Herr Dr. Bernfeld vor einem großen Kreise der angesehensten Gemeiudeglieder, welche am Samstag zur Bewillkommnung des Gastes bei Herrn Alkalah sich versammelten, eine, sehr warme hebräische Ansprache, die Herr Jacob Alkulay in's Spagnolische verdolmetschte und die auch sehr beifällig ausgenommen wurde. Ohne viel Zeitverlust ging Dr. Bernseld sofort an die Jnspiciriliig der Schulen nnd was er wahrnahm, läuft ans das hinairs, was bereits in diesen Blättern besprochen wurde: die Jugend zeigt Talent und auch Willen zum Lernen, aber der Unterricht — wie viel läßt der zu wünschen übrig und wie unglücklich ist das Lehrpersonal zirsammengestellt! „Es muß anders werden!" rnft der Rabbiner Dr. Bernfeld aus, „es müffen erst Lehrbücher geschrieben und Lehrer angestellt werden *) Horodenka brannte bereits im vorigen Sommer ab und wandten sich die Abbrändler nach dem Bcu.ide von Stryj und der großartigen Spende des Baron Hirsch an diesen. Ihre Bitte wurde mit einer Gabe von 10.000 Gulden beantwortet. welche pädagogisch gebildet sind." Demznfolg arbeitet derselbe an einem Schnlplane und gleichzeitig an der Beschaffung hebräischer Religionsbücher, welche nicht etwa dem Kinde einen Katechismus, sondern die Geschichte des Judenlhums und seine Ethik lehren sollen. Jede El affe erhält ihr abgeschlossenes Programm und entrollt dem Kinde ein immer erhabeneres Bild des Judenthums nnd seiner Lehre. Die Lehrbücher werden hebräisch geschrieben mit spagnolischer Uebersetzung. Eine sehr wichtige Neuerllng wurde bereits jetzt scholl dnrchgeführt, und diese ist: Ordnung und Ruhe während des hebräischen Uirterrichtes unb die Pflicht, den Mädchen das Hebrälschlesen nnd das Verstehen der Gebete beizubriuge» und ist ein Lehrer sofort mit der Ertheili.ng des nöthigen Unterrichtes betraut worden. Aber eine zweite uns sehr erwünschte Thätigkeit macht sich bemerkbar, nämlich das sich immer mehr kundgebrnde Bestreben der Aschkenasim-Gemeinde zum Anschlirffe an die spagnolische nnd zur Bildung einer einheitlichen Verwaltung. Die Mitglieder dieser aschkenasischen Ge- . meinde fühlen ihre Verlassenheit, fühlen, daß sich ihrer die Allianzen nicht annehmen unb daß es ihnen leider auch an Männern fehlt, die Wiffen nnd Gewissen besitze», um diese Gemeinschaft aufrecht zu erhalten, ihr den Pfad des Judenthums zu zeigen. Darum begrüßt man hier mit Freuden den Schritt der spagnoltschen Gemeinde, welche^ einem Aschkenast zn ihrem Rabbiner gewählt und so de» Anschluß ermöglichte. Versuchen wir nun die Programmpunkte zu verzeichnen, welche von den Aschkenasim festznhalten sind: a) Die spagnolische Gemeinde sei gehalten, einen Chacham, resp. Rabbiner anzustellen, welcher für die Aschkenasim-Gemeinde genau die gleichen Pflichten übernimmt wie in der spagnolische». Diese sind: 1. Gottesdienstliche Vorträge (Predigten), abzuhalteu mindestens jede dritte Woche uno euunal an jedem Hauptfeiertage. 2. Den Religionsunterricht zu leiten und zu überwachen (natürlich in d utjcher Sprache). 3. Für die Errichtung jüdffcher Elementarschulen mit deutschem Vorträge zil sorgen. b) Ein geeignetes Bethaus mit geregeltem Gottesdienste zu erhalte». c) Alle bestehenden jüdischen Institutionen für Wohlthätigkeit, Hirmanität seieir gemeinschaftlich. d) In die Leitung der Gemeinde sollen auch Vertreter aus der Ajchkenasimgemeindc gcwählt werden — (somir das activc und passiv? Wahlrecht jedem Gemeindemitgliede das seine Cultussteuer leistet, znstehen.) e) Die Aschkeuasimgemeinde hingegen verpflichtet sich, alle virecten und indirecten Stenern für die Hauptgemeinde zu leisten.; zum Ausbaue des so dringend gewordenen Tempels uno der Schule beizutragen, ebenso zu allen neue» Jnstilntioneil, weiche die Gemeinde zu gemeinschaftlichem Zwecke in's Leben zu rufen, mit Majorität beschließt.

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