Jahresbericht
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- Jahresbericht
- Volume
- 1913/14 (1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 87)
- Language
- German
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— 39 — Jahre 1376 jüdische Ärzte „wegen der vielen Dienste, die sie den Bürgern täglich durch ihre ärztliche Kunst erweisen", von jeder Steuer und Abgabe, sowie vom Tragen des Judenzeichens1). Papst Bonifazius X. nimmt sogar den verdienstvollen Judenarzt Angelus 1392 unter die päpstlichen Ärzte und Hausgenossen auf2). Und wie in Kom, in ganz Italien und in anderen Ländern, so haben auch in Deutschland die höchsten weltlichen und geistlichen Behörden sich mit Vorliebe jüdischer Ärzte bedient und ihnen ihr volles Vertrauen zugewandt. Der Kat der Stadt Frankfurt hat, wie wir gleich erfahren werden, darin keine Ausnahme gemacht. Wann zuerst sich ein jüdischer Arzt in Frankfurt niedergelassen hat, können wir nicht mehr ermitteln, jedenfalls erst sehr spät, nicht vor dem XIV. Jahrhundert. Um die Mitte des XIII. Jahrhunderts, also zu einer Zeit, wo die Gemeinde über 200 Seelen zählte, befand sich kein jüdischer Arzt in ihrer Mitte, denn das Martyrologium des Jahres 1241, das uns die in der ersten Judenschlacht Hingemordeten genau mit Namen und Beruf angibt, erwähnt unter ihnen keinen Arzt. Als solcher wird zuerst in unseren Quellen Isaac (Ysaak) genannt. Im Gerichtsbuch 13453) heißt er medicus judeorum, in dem des Jahres 13474) nur arzit. Der zweiten Judenschlacht im Jahre 1349 ist auch er zum Opfer gefallen. Vierzehn Jahre später5), nachdem den Juden der Aufenthalt in Frankfurt wieder gestattet worden war, also im Jahre 1363, zieht dorthin Meister Jakob, gewöhnlich mit dem Beinamen Judenarzt6). Seinen Beruf übte er auch unter Christen aus, und zwar auch außerhalb Frankfurts. Er muß einen gewissen Ruf genossen haben, denn als der Herr von Falkenstein erkrankte, erbat er ihn sich vom Rate, und dieser schickte ihn unter städtischem Geleite auf die Burg7). x) Siehe Moritz Stern, Urkundliche Beiträge über die Stellung der Päpste zu den Juden, Heft 1, S. 14: ... judei cirurgici in eorum arte peritissimi, qui cotidie ßomanis «ivibus fecerunt et faciunt multa servitia et sunt in Urbe utilissimi usw. 2) ... te in nostrum .. medicum et familiärem recipimus et aliorum medicorum et iamiliarium nostrorum .. numero aggregamus; L c. S. 17. Siehe auch Carmoly, Histoire des medecins juifs anciens et modernes Tome premier; Vogelstein und Rieger, Geschichte der Juden in Rom. 3) Siehe Urkundenbuch S. 410. 4) L. c, S. 429. s) Die Vermutung Kriegks (Deutsches Bürgertum, S. 34), daß der Arzt Jakob von Basel, den das Bedebuch 1358 erwähnt, ein Jude gewesen sei, ist schon deshalb hinfällig, weil um diese Zeit noch keine Juden in Frankfurt weilten. Horovitz, Jüdische Ärzte in Frankfurt a. M., S. 5, Anm. 1, pflichtet ihm bei und bemerkt noch, daß er, „wie viele jüdische Ärzte und Ärztinnen nach ihm, außerhalb der Judengasse wohnte". Dies trifft aber für die jüdischen Ärzte in Frankfurt nicht zu; unsere Quellen erwähnen nichts hierüber, wohl aber, daß Gesuche der jüdischen Ärzte, außerhalb der Judengasse wohnen zu dürfen, vom Rat abschlägig beschieden wurden. •) Siehe die Rechenbücher von 1363 ab. 7) Rechenbuch 1376 vom 12. Januar, siehe Urkundenbuch S. 246.