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Jahresbericht · 1914-01-01 · 1913/14 (1914) · page 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht
Volume
1913/14 (1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
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Leider erlitt die Schule gleich nach Beginn des Schuljahrs einen schmerzlichen Verlust durch das Hinscheiden der Schülerin der IX. Klasse^ Lea Jonas) die an den Folgen einer Blinddarmentzündung ihren Eltern und Mitschülerinnen entrissen wurde. Mit den Angehörigen haben wir die Trauer um den Heimgang des reichbegabten, herzigen Kindes in gleicher Stärke empfunden. Die Frage einer möglichst individuellen Behandlung der Schüler und Schülerinnen hat das Lehrerkollegium im Laufe des Schuljahres lebhaft beschäftigt. Besonders in den Aufnahmeklassen konnten Fehlgriffe in der Beurteilung der Fähigkeiten von Zöglingen nicht immer vermieden werden, da den Lehrkräften die Verhälthisse der neuen Zöglinge oft unbekannt waren; sie wussten nichts von der bisherigen körperlichen Entwicklung der Kleinen, ihrer täglichen Beschäftigung, ihrem Umgang, nichts von ihren häuslichen Verhältnissen, geschweige 4enn von ihrem Seelenleben. Eine allgemeine, pädagogische Forderung ist es aber, dass man das Kind nach seiner Eigenart, d. h. individuell, erziehe. Will der Lehrer das Kind mit schonender Hand in das Leben und die Gewohnheiten der Schule einführen, so muss er den Zögling nach'dessen körperlicher, geistiger und sittlicher Beschaffenheit kennen und auch wissen, wieweit die häuslichen Verhältnisse auf diese Eigenschaften einwirken. Und da muss er weiterbauen auf dem, was das Elternhaus begonnen hat. Welche Summe von Beobachtungen und Erfahrangen haben die Eltern in dem Kind von der Geburt bis zum schulpflichtigen Alter gemacht! Mit Hilfe dieser im Elternhause gesammelten Erfahrungen würde vieles in der Schule aufgeklärt, manches einseitige Urteil vermieden, manche irrige Ansicht, die sich der Lehrer über einen Zögling gebildet hat, einer Änderung unterzogen werden! — Auf das Handin Hand-Arbeiten von Schule und Haus wird mit Recht so grosser Wert gelegt; wenn die Schule einer Ergänzung und Unterstützung durch das Haus bedarf, so ist hier der erste Punkt, und die erste Gelegenheit, eine solche Verbindung herzustellen, die wertvolle Ergebnisse zeitigen wird. Um nun die Lehrer und Lehrerinnen möglichst eingehend über die eintretenden Kinder zu orientieren, haben wir nach den Anweisungen von Schubert, Lange und besonders Hartmann (Analyse des kindlichen Gedankenkreises) Fragebogen drucken und den Eltern der angemeldeten Kinder zur Ausfüllung zugehen lassen, auch an einem Elternabend Zweck und Nutzen dieser Bogen klargelegt. Die Fragebogen enthalten genau formulierte Fragen über die körperliche Entwicklung wie über das Vorstellungs-, Gefühls- und Willens leben des Kindes; sie werden beim Eintritt des Kindes in die Schule dem Klassenlehrer abgegeben, der am Ende des ersten Schuljahres auf Grund seiner Beobachtungen Ergänzungen einträgt und die Bogen dann dem Lehrer der nächsten Ellasse übergibt. Durch Fortführung der Listen bis in die oberste Klasse sollen Lehrer und Lehrerinnen einen möglichst genauen Uberblick über die weitere körperliche und geistige Entwicklung des Zöglings erhalten, und eine zutreffende Beurteilung des Zöglings wird dann eher ermöglicht werden. , Weitere Beratungen galten einer Neugründung, die dazu bestimmt ist, kommenden Geschlechtern ein möglichst treues Bild von den Lehrmethoden,

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