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Programm · 1911-01-01 · 1911 · p. Seite 40

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Journal
Programm
Volume
1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 40 (sequence 41)
Language
German
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— 40 — tischen Banden zu erwehren. Sie hatte elf Erker an die Stadtmauer und an den Friedhof der Juden machen lassen1). Trotzdem drangen die Geißler am 24. Juli in die Stadt ein und stürzten sogleich in das Judenquartier. Über den Verlauf des Kampfes sind wir ausschließlich auf christliche Quellen angewiesen2). Die zeitgenössischen Berichte bringen darüber nichts Näheres, sie melden nur, daß die Juden sich selbst verbrannt hätten3), daß ferner das Dach des Chores der Bartholomäuskirche von den Flammen ergriffen und auch sonst die Kirche stark beschädigt wurde4). Wie wir wissen, lag sie ja im Judenquartier. Je später die Quellen sind, um so ausführlicher werden sie und schmücken die Vorgänge beim Kampfe aus, um so geringer aber wird auch ihre Glaubwürdigkeit. Eine Aufzeichnung aus etwas späterer Zeit, die des Bartholomäusstiftes vom Jahre 14075), weiß schon zu berichten, daß die Juden den Dom6) in Brand geschossen hätten, wobei Chor und Kirche ganz und gar abgebrannt wären7). Viel ausführlicher ist ein tendenziös8) gefärbter Bericht, wohl aus der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts, der des Chronicon I des Frankfurter Stadtarchivs9). Nach ihm waren die Geißelbrüder bei ihrem Auftreten in Frankfurt darüber entrüstet, daß die Juden im besten Teil der Stadt wohnten, und beschlossen, die Verachtung Gottes, die nach ihrer Auffassung darin lag, mit den Waffen in der Hand zu rächen. Sie stürzten sich nun über die Häuser der Juden her, obgleich die Bürger sie darin hindern wollten, und machten alle sich zur Wehr Setzenden nieder. x) Rechenbuch 1349 vom 21. Juni fol. 33 a. 2) Im Gegensatz zur ersten Judenschlacht fehlen uns jüdische Quellen über die zweite gänzlich, sie führen nur Frankfurt unter den Orten an, wo 1348—1349 Judenverfolgungen stattgefunden haben, und nennen unter den in Frankfurt Erschlagenen „im besonderen den R. Ephraim" mit dem Beinamen Gumprecht (s. Salfeld 1. c. S. 248, 255, 268, 272, 281). 3) So Albert von Straßburg S. 148 bei Graetz Band VII, S. 341: Insul tu quoque in eos facto (in Iudeos) in Franc, post regis recessum et omnes domus suas et sibi vicinas cremaverunt; ferner die Annales Francofurtani bei Froning 1. c. S. 2: Iudei Francofurtenses [moriebantur]... per ipsorum Iudeorum utrobique ignem. Froning zitiert auch S. 93 Anm. 6 Würdtwein, Nova Subidia XI, 336. 4) Daß Geißlerscharen das Feuer angelegt hätten, wie Kirchner, Gesch. der Stadt Frankfurt S. 438, als sicher, Kriegk, Frankfurter Bürgerzwiste S. 423, als wahrscheinlich annimmt, dafür fehlt jeder Beleg. ß) BarthoL-Stift A und ü (Städtisch) Nr. 65 bei Froning S. 7. 6) Über den Dombrand s. Froning S. XITI, Einleitung. 7) ... und der kor und kirche brente zu gründe abe, 1. c. 8) Damals beschäftigte die Bürgerschaft die Frage, ob die Juden nicht ein besonderes, von den Christen abgetrenntes Quartier erhalten sollten. Der Verfasser des Chronicon I des Frankfurter Stadtarchivs ist durchaus dafür; er will durch seine Erzählung beweisen, wie gefährlich den Christen das Zusammenwohnen mit Juden werden könne. Siehe Froning 1. c. Einleitung XTTT. 9) Bei Froning ß. 7 und 8.

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