Programm
- Journal
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- Volume
- 1909
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 69)
- Language
- German
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— 28 — wurde Frl. Irma Dresdner gewählt, die am Berliner Pestalozzi-Fröbelhaus eine geeignete Vorbildung erhalten und sieh bereits an dieser Musteranstalt bewährt hatte. Bereits im vergangenen Schuljahr mußten wir die Beobachtung machen, daß einige früher recht tüchtige Schüler, namentlich unserer Mittelklassen, in ihren Leistungen nachließen, während des Unterrichts zerstreut waren und in ihrer Ausdrucksweise wie in den schriftlichen Ausarbeitungen eine eigentümliche Neigung zum Schreckhaften und Übertriebenen zeigten. Unsere Mutmaßung, daß für diese Verirrungen die häusliche Lektüre die Schuld trage, wurde durch die Mitteilung eines Vaters und durch eine unvermutete Untersuchung der Schulranzen bestätigt, und wir entschlossen uns deshalb, sogleich bei Beginn des gegenwärtigen Schuljahres folgende Mahnung an die Eltern unserer Zöglinge zu richten: „Bücher sind unsere Freunde, aber auch unsere Feinde!" Für kein Alter gilt dieses Wort mehr als für die schulpflichtige Jugend; daher muß das Bestreben der Lehrerwelt darauf gerichtet sein, die Lektüre der Zöglinge aufs sorgfältigste zu überwachen und sie mit den reichen Schätzen der Literatur bekannt zu machen. Leider stellen sich diesen Bemühungen ernstliche Hindernisse entgegen. Von gewisser Seite werden alljährlich viele Tausende sogenannter „Jugendschriften" auf den Büchermarkt gebracht, die als eine drohende Gefahr für die Jugend bezeichnet werden müssen Es sind kleine, billige 10 Pfennighefte mit grellem, verlockendem Bild auf dem Umschlag, die in den Schaufenstern mancher Buchhandlungen und Papiergeschäfte angepriesen, von den Kindern eifrig gekauft, gierig verschlungen und in den Klassen schnell verbreitet werden. Diese Bücher, die den Charakter des Schund- und Machwerkes an der Stirne tragen, übertreffen die Indianergeschichten, die früher die Lieblingslektüre der Schuljugend waren, an Unwahrheit, Abgeschmacktheit und Schädlichkeit bedeutend. Sie überreizen durch die Fülle spannend schauerlicher Handlung die jugendliche Phantasie, sie spiegeln der kindlichen Seele falsche Ideale von Heldenmut, Entschlossenheit, Gewandtheit und Klugheit vor, sie erwecken in den jugendlichen Lesern ein Gefallen an grausigen Verbrechen, Mord- und Heldentaten, sie erregen in ihnen den Wunsch, es den Helden dieser Geschichten gleichzutun. Gestalten wie Sherlock Holmes, Mck Carter, Texas Jack, oder von Schuljungen, die ihre Lehrer auf abgeschmackte Weise verhöhnen, erwecken bei den Schülern, besonders bei solchen, die zu Ausschreitungen neigen, einen bedenklichen Hang zu törichten Streichen und Abenteuern, sie verleiten sie zu Oberflächlichkeit und Zerstreutheit, sie erziehen sie zur Verstocktheit, Durchtriebenheit, Unaufrichtigkeit und Lügenhaftigkeit, sie vergiften den guten Geschmack und zertören den gesunden Sinn der Jugend, verderben ihren Charakter und verrohen ihr Gemüt. Um diesen gefährlichen Verirrungen zu steuern, müssen Schule und Haus mit Entschiedenheit und Strenge zusammenwirken. Die Schule wird daher ernstlich bestrebt sein, die auf Abwege geratene Lesewut unserer Jugend in gesunde Bahnen zu lenken und zu diesem Zwecke die Schülerbibliotheken der einzelnen Klassen weiter auszugestalten oder neu einzurichten suchen; an die Eltern ergeht die