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Programm · 1909-01-01 · 1909 · p. Seite 42

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Journal
Programm
Volume
1909
Date
1909-01-01
Page
Seite 42 (sequence 41)
Language
German
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— 42 — Erziehungsstätte übernommen hat und in wahrer Erfassung unseres Glaubens ihre Wohltaten allen Kindern ohne Unterschied des Bekentnisses zuteil werden läßt/ zum Ruhme dieser Stadt, die wie kaum eine zweite unseres Vaterlandes der Erziehung der Jugend in so mannigfacher Weise Rechnung trägt, zum Heil und Segen unseres geliebten deutschen Vaterlandes!" Zum Schlüsse sprach Herr Josef Meier im Namen des Vereins ehemaliger Schüler und Schülerinnen des Philanthropins herzliche Worte der Begrüßung aus. Als Zeichen seiner treuen -Anhänglichkeit an die Schule hat dieser Verein einen früheren Schüler der Anstalt, den Maler Albert Gianini, mit der Anfertigung eines Bildes des alten Gebäudes in der Rechneigrab'enstraße beauftragt, das der Schulverwaltung in Kürze übergeben wird. Mit dem unter Orgelbegleitung gesungenen altniedeiiändischen Dankgebete: „Wir treten zum Beten" schloß die akademische Feier. Ein Rundgang durch alle Teile des Neubaus, unter Führung des Herrn Magistratsbaurats Matzdorff und einiger anderen sachkundigen Herren hielt die größere Zahl der Festteilnehmer noch längere Zeit in den prächtigen Räumen zusammen. — Der zweite Teil der Einweihungsfeier vollzog sich am Nachmittag von 5 Uhr an, gleichfalls in der Aula, deren westlicher Teil in der kurzen Zwischenzeit in eine Bühne umgewandelt worden war. Ein Festspiel in 3 Bildern, verfaßt von Frl. L e o ni e Meyerhof-Hildeck, von den Herren Alfred Auerbach und Kitz vom städtischen Schauspielhause einstudiert, wurde von etwa 120 Zöglingen der Schule unter Mitwirkung früherer Schüler und Schülerinnen dargestellt. In wohlklingenden Versen führten, anknüpfend an die drei Häuser, in denen das Philanthropin sein Heim gefunden, drei Hausgeister die den einzelnen Zeitabschnitten entsprechende Eigenart des Unterrichtsbetriebs vor: die Zeit des Kompostells als die Periode des zaghaften Eintretens der jüdischen Jugend in die allgemeinen deutschen Bildungsbestrebungen; dann fortschreitend auf dem Untergrunde des naturwissenschaftlichen Unterrichts zu der modernen Richtung, gelangt die Schule zu dem im wesentlichen bereits in dem eben verlassenen Hause geübten Unterrichtsbetriebe, der in dem neuen Hause nach der den Anforderungen der Gegenwart entsprechenden zugleich ethischen, praktischen und ästhetischen Richtung weiter geübt und vertieft werden soll. Jeder der drei Hausgeister führt zur Rechtfertigung seiner1 Eigenart seine Truppen ins Feld: Gruppen von Schülern und Schülerinnen, die, m kleinen Szenen auftretend, durch anmutige Menuett-, Blumen- und Turn-Reigen in einer den kindlichen Begriffen angemessenen Weise das Bildungsideal jeder der drei Perioden verkörpern sollen. Das letzte der drei Bilder zeigte in reizvoller Gruppierung die Schönheit, die Wahrheit und die Güte in ihren Beziehungen zur Schule. Ein weihevoller Schlußhymnus, von Herrn Auerbach verfaßt, von Herrn Musikdirektor G. v. Rößler komponiert und unter Leitung des Herrn Rothschild äußerst eindrucksvoll von einem gemischten jugendlichen Chore vorgetragen, schloß das allegorische Spiel in wirkungsvoller Weise ab.

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