Programm
- Journal
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- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 21)
- Language
- German
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seine Initiative zurückzuführen; es war ihm vergönnt, eine lange Reihe von Jahren . als Mitglied der Verwaltungen dieser Stiftungen den reichen Segen , den sein Bemühen gebracht, zu schauen! Und wie den Studierenden, so hat er auch der armen Schuljugend die" Wege zu besseren Lebensverhältnissen geebnet, und sich mit nie ermüdender Fürsorge vor allem der Kinder angenommen, die schon früh des elterlichen Schutzes beraubt waren; so hat er als hervorragendes Verwaltungsmitglied und langjähriger Inspizient der Sigismund Sternschen Waisenstiftung 25 Knaben fortdauernd seine Sorgfalt zugewendet, als Vorsitzender des Kuratoriums des Mädchen Waisenhauses, das den Namen des - israelitischen Frauen Vereins trägt, einer noch grösseren Zahl" verwaister Mädchen- Unterkunft und sachgemässe Erziehung ermöglicht und allen seinen Schützlingen, Knaben wie Mädchen, seine väterliche, tatkräftige Teilnahme erhalten, auch wenn sie längst aus den Anstalten geschieden waren. Zwei Quellen waren es, aus denen der Heimgegangene die Kraft geschöpft für sein rastloses Wirken: Ich habe sie bereits kurz angedeutet — Glaube und Vaterland. Mit warmer, inniger Liebe versenkte er sich gern von seiner Kindheit her bis in sein Greisenalter in die Quellen des Glaubens, den er als köstlichstes Vätergut überkommen hatte; in eifrigem Forschen gelangte er zu dem hehren Inhalt unserer Religion, den er mit unseren Propheten in rechtem Tun, in wahrer - Menschenliebe und in demutsvollem Vertrauen zu dem Vater im Himmel, dem Inbegriff aller Ideale, fand. Seine warme Liebe blieb sodann dem Vaterland zugewandt. Wie mit den Quellen seines Glaubens war er mit denen der vaterländischen Geschichte innig vertraut, mit eifriger Spannung hat er als Jüngling die grossartige Entwicklung des deutschen Nationalgedankens, mit Jubel als gereifter Mann die Schaffung der nationalen Einheit begrüsst — unerschütterlich blieb seine warme Vaterlandsliebe, auch als sein vaterländisches Empfinden durch schmerzvolle Ereignisse aufs tiefste ergriffen wurde.. Mit fester Zuversicht hoffte er bis zu seinen letzten Tagen auf die Zeit, wo niemand es für der wagen würde, die verfassungsmässige Grundlage, auf der das neue deutsche Reich aufgerichtet ist, die Gerechtigkeit und Gleichheit aller Untertanen vor dem Gesetz, erschüttern zu wollen. Nach schmerzensreichen Tagen, die die letzte Zeit seines Lebens umdüsterten, ist der edle, teure Mann eingegangen zu dem ewigen Licht und der reinen Wahrheit, der er im Leben wie wenige Sterbliche zugestrebt hat; bewegten Herzens nehmen wir Abschied von dem, was in Hermann Baerwald sterblich war; nicht besser kann die Schule den tiefinnigen, herzlichen Dank für das, was er ihr, seiner Glaubensgemeinschaft, dem Vaterland und der Menschheit gewesen, Ausdruck geben als durch das Gelöbnis, in seinen Bahnen zu wandeln und zu wirken und sein Andenken allezeit in treuer Innigkeit zu wahren. Ruhe sanft, teurer Toter, leicht sei Dir die Erde!