Programm
- Journal
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- Volume
- 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 19)
- Language
- German
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Wir weinen nicht um Dich, teurer Verklärter. Wer wie Du, einem Patriarchen gleich gelebt und in hohem Patriarchen alter friedlich eingetan wird zu seinen Vätern, der ist beneidensnicht beweinenswert. Wer so gelebt wie Du, wird als leuchtendes Vorbild fortleben für Kinder und Kindeskinder; an ihm erfüllt sich das Gotteswort: T3rVrfn$ OOSfOD aom pnäDV jppn-iniD ITmP D^OWDiU „Die Weisen werden.leuchten wie Himmelsglanz, und die viele zur Sittlichkeit führten, wie die ewigen Sterne." Amen. " ' ' 2. Nachruf des Direktors Dr. Adler namens des Philanthropins. In wehmutsvoller Trauer steht an dieser Bahre die Realschule der israelitischen Gemeinde, das Philanthropin: Sieht sie sich doch des Mannes beraubt, der mehr als 30 Jahre ihr Leiter und Führer war! Eine bedeutsame Aufgabe in bedeutsamer Zeit hat der nun Dahingeschiedene an unserer Schule zu erfüllen gehabt: Es galt, die altehrwürdige Anstalt, die .einem grossen Teil der Bewohner dieser Stadt, insbesondere den Angehörigen der israelitischen Glaubensgemeinschaft, seit mehr als 60 Jahren Erziehung und Bildung gebracht, in die neuen Verhältnisse, die durch das "Aufgehen der freien Reichsstadt in den preussischen Staat entstanden waren, hinüberzuleiten; es galt, dem Philanthropin auch in dem Gefüge der preussischen höheren Lehranstalten seine Stellung zu wahren. Wie schwierig die Lösung der Aufgabe war, das kann nur der ermessen, der einen Einblick in die patriarchalischen Schulverhäitnisse der freien Reichsstadt genommen, der insbesondere die Eigenarten kennen gelernt, die sich im Philanthropin in der Folge der Zeiten gebildet — und doch genügten für Hermann Baerwald nur wenige Jahre, um diese Aufgabe nicht nur durchzuführen, sondern der Schule bald zu einer Blüte zu verhelfen , wie sie sie niemals besessen hatte! Wie kaum ein anderer war allerdings der Dahingeschiedene zum Führer und Leiter eines grossen Schulorganismus geeignet: Dem imponierenden Aeusseren, dem bedeutsamen Auftreten entsprach der hohe Geist, der ihn erfüllte^ vor allem der tiefe, sittliche Ernst, der der hervorstechende Charakterzug seines Wesens war. Dieser sittliche Ernst zeichnete schon früh den jungen Studenten aus und lenkte seinen Blick auf das Weltgericht, wie es sich in der geschichtlichen Entwicklung der Völker kundgibt. Die Grossmeister der Geschichtswissenschaft, ein Leopold von Ranke, ein Richard Roepell, würdigen diesen sittlichen Ernst und treten bald in enge Beziehungen zu dem tiefgründigen jungen Forscher, dessen Lerneifer von _ keinem niedrigen Hauch getrübt ist. Und als dann nach trefflich bestandener Lehramtsprüfung die Frage nach praktischer Betätigung an ihn herantritt, als eine