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Programm · 1907-01-01 · 1907 · page 16

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Journal
Programm
Volume
1907
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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1. Rede des Herrn Rabbiner Dr. C. Seligmann. Gott, unsere Zuflucht von Geschlecht zu Geschlecht, wir beugen uns vor Deinem heiligen Willen, denn die Wege Deiner Vorsehung sind gerecht. Du bist unser Vater, ob Du tötest oder belebest, ob Du zur Gruft hinabführst oder zu lichter Höhe emporhebst. Wer wollte ,zu Dir sprechen: „Herr, was tust Du?" Ist unser Leben ja und das Leben unserer Lieben ein Geschenk von Dir und unverdient von uns. Deine Gnade weckt uns zu lichter Lebenssonne, Deine Gnade nimmt uns auf, wenn wir durch des Todes dunkle Pforte gehen. Der irdische Leib zerfällt, aber der Geist, von Dir entstammt, und dieses Geistes edles Wirken: die Frömmigkeit, in der wir vor Dir wandelten, die Liebe, mit der wir die Menschen froh beglückt, der gute Name, den wir uns erworben, das welket und vergehet nicht, das bleibt in ewiger Unsterblichkeit. Darum ergeben wir uns Deinem heiligen Willen, auch wenn Du uns Schweres auferlegst. Wenn aber dennoch unser schwaches Herz verzagt, so habe Nachsicht, Herr, mit unsrer Schwäche und lass von jener frommen Demut einen Hauch in unsere Seele fallen, die Deinem heiligen Willen sich still ergiebt und mit dem alten frommen Dulder spricht: „Gott hat gegeben, Gott hat genommen, der Name Gottes sei gepriesen in Ewigkeit.u Amen. ' Tpp 'n nw VH npb 'm irrt 'n „Gott hat gegeben, Gott hat genommen, der Name Gottes sei gepriesen", ja das ist das rechte Wort an dieser Bahre. Als ich vor wenig Tagen zum letzten Male die Hand dem Sterbenden drückte, da suchte er, mit bebenden Li ppen, wie von Todesahnung über wältigt, nach dem Psalm wort und betete es —, in der heiligen Sprache unserer Väter, die ihm in den letzten Monden - immer lieber wurde — und betete in heiliger Inbrunst: "HTP b'D rp ttrp QTIEH üö rnbhr, nby.iy) myn m ^ymim non „nicht die Toten loben Gott; und nicht, die in Grabesnacht sinken, wir aber wollen Gott preisen, so lange, wir leben in Ewigkeit." Wir wollen ihn preisen auch unter Tränen, nicht nur für das friedvolle Ende, das seinem schweren, schmerzvollen Krankenlager Erlösung brachte, sondern dafür vor allem, dass er ihn uns gegeben |£"0 'n, dass er so viel, unendlich mehr, als wir mit unserem schwachen Menschenwort aussprechen können, an dem Verklärten uns gegeben.

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