Programm
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- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 64)
- Language
- German
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— 14 — . Zuerst überbrachte Herr Provinzia 1 schu 1 rat Dr. KaIscr die Glückwünsche des Kgl. Piwiuzialschulkolle&iums: . Hochgeehrte Fest Versammlung! Es ist mir clor ehrenvolle Auftrag zu teil geworden, der Realschule der israelitischen Gcmoindc, dem Philanthropin,, bei .der .heutigen Feier seines hundertjährigen Bestehens namens des Königlichen Provinzial - Schulkolloghuns die herzlichsten Glückwünsche und Festosgrusse zu üborbringen. Seino Exeollenz der Herr Oberpräsident ist leider durch anderweitige Dienstgesehäf te verhindert, an der heutigen Feier persönlich teilzunehmen. Aber er nimmt, wie auch die übrigen Mitglieder unserer Behörde, ■warmen Anteil an diesem bedeutungsvollen Fest«.'. Das Provinziai-Sehulkollegiüm weiss sehr wohl, ein wie wichtiges Glied das Philanthropin bildet in der Reihe der höheren Schulen Frankfurts. Ich darf davon .absehen, über die Bedeutung der heutigen Feier mich des näheren auszusprechen; auf welchen "treibenden Ideen die innere Lebenskraft des Philanthropins beruht, welche wechselnden Geschicke die Anstalt seit ihren ersten bescheidenen Anfängen erfahren hat, welches die hervorragenden Persönlichkeiten gewesen sind, die in selbstloser Hingebung mit den reichen Gaben ihres Geistes und Herzens das Werk gefördert haben, dessen gutes und glückliches Gelingen wir in dieser Stunde feiern — das alles ist in der soeben vernommenen Festrede mit beredten Worten zum Ausdruck gebracht, und in der die Geschichte der Anstalt enthaltenden .stattlichen Festschrift in umfassender Weise dargelegt. Ich darf mich darauf beschränken, innige Gedanken hervorzuheben, die mir aus der Festrede des Herrn Direktor Dr. Adler wie aus der Festschrift entgegengetreten sind Als ein Werk rettender Menschen- und Nächstenliebe .ist das Philanthropin ins Leben gerufen wordeii. Sein Gründer stellte sich zunächst die Aufgabe, eirien verlassenen fremden Knaben und arme Kinder der. Judengasse durch eine geeignete Bildung und Erziehung auf eine menschenwürdigere Stufe des , Daseins zu erheben. So ist es also wie bei den Schöpfungen eines August Hermann Franke, eines Pestalozzi die helfende und rettend»* Liebe gewesen, die wir als die Triebkraft auch zu diesem Werke betrachten müssen. Und diese opferwillige Liebe ist lebendig geblieben- bisauf diesen Tag bei allen, denen das Wohl dieser Schule in erster Linie anvertraut ist. Und darin erblicke ich eine sichere Bürgschaft für das weitere glückliche Gedeihen des Philanthropins. Die- Gründer des Philanthropins sind ferner beseelt gewesen von dein eifrigen Bestreben, ihren jüdischen Glaubensgenossen die volle Gleichberechtigung mit ihren christlichen Mitbürgern zu erkämpfen. Sie waren aber auch durchdrungen A*on -dein Bewussusein, dass Rechte nicht einfach durch Forderungen erworben werden, sondern durch die Übernahme und gewissenhafte Erfüllung von Pflichten, dass auch die Juden sich erfüllen mussten mit deutschem Sinne und deutscher Bildung, das* die Liebe zum Vaterlande ihnen ein Heiligtum werdeu musste. dass sie vollwertige Bürger nur werden konntei* als treue Söhne des preussischen- und des deutschen Vaterlandes. Die kraftlose Idee eines allgemeinen Weltbürgertum^ musste weichen dem lebendigen Gefühl der festen Zugehörigkeitzu dem durch die Grosstaten Wilhelms I. mächtig und einig wiedererstandenen deutschen Reich. Wie einst der Römer seinem Staatsbewußtsein Ausdruck gab mit dem stolzen Wort „Civ/s sum Romanus", so dürfen wir heute mit nicht geringerem Stolze bekennen: „Ich bin ein deutscher Bürger'". In der Vaterlandsliebe, in der Treue zu Kaiser und Reich, die hier allezeit hochgehalten und gepflegt wurde, erblicke ich die zweite Grundlage, auf der die Bildungsarbeit des Philanthropins sich aufgebaut hat und weiter aufbauen wird. Damit hängt weiter zusammen, dass die deutsche Sprache von vornherein -»'ine erhöhte Bedeutung gewann, nicht nur für den Unterricht, sondern auch für den Gottesdienst. Sollte der Buchstabe nicht töten, sondern der Geist lebendig machen, sollte das Gemüt wirklich innerlich erfasst werden, dann musste das volle Verständnis der Schrift wie der Predigt durch den Gebrauch;der deutschen Muttersprache erschlossen -werden. So ha ben die Seh ulandachten im Philanthropin segensreich gewirkt weit über den Bereich der Schule hinaus. Aber wie sehr auch die hier mitwirkenden Ideen der. Aufklärungsphilosophie zur Hebung des Judentums beigetragen haben, so muss doch andererseits vor einer Überschätzung der Tragkraft der Vernunft gewarnt werden. Die letzten Rätsel-des Daseins kann sie