Programm
- Journal
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- Volume
- 1905
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 50)
- Language
- German
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Herr Fritz Auerbach, der Schnlrar, und das Lehrerkollegium dos Philanfchropins, sowie, ein aus Zöglingen der Sehlde gebildeter geniisehcer Chor. Als Vertreter der vorgesetzten Behörde, .des König!. Provinzialsehidkollegiuins in KasseL war Herr Proviiizialsehidrat Dr. Kaiser anwesend. Nach einem einleitenden Gesang — dreistimmige Motette von Sattler — eröffnete Herr F. Auerbach die Jahrhundertfeier, indem er im jSTamen und Auftrage des Centraiausschusses warme Worte der Begrüssung an die Festversammlimg richtete, insbesondere die offiziellen Vertreter der Eegienmg und der Stadt, die übrigen Ehrengäste und Deputationen, sowie auch die früheren Lehrer und Lehrerinnen der Schule willkommen hiess. Zu besonderer Freude gereiche es den .Veranstaltern der Jahrhundertfeieiv dass sich auch Nachkommen Geisenheimers und der anderen Gründer, sowie der ehemaligen Leiter der Anstalt, Dr. Hess und Dr. Stern/ zum Teil aus dem Auslande kommend, neben einer ausserordentlich grossen Zahl ehemaliger Schüler und Schülerinnen eingefunden hätten. „Um den Tag würdig zu feiern", fuhr der Redner fort, „an dein vor nunmehr hundert Jahren die Anstalt begründet worden ist, der so viele so vieles vordanken, haben sieh die früheren Schüler und Schülerinnen zusammengefunden und mit den Männern vereinigt, die jetzt zur Leitung der Anstalt berufen sind. Der Schule in diesen Tagen ein Fest zu bereiten, .sind diejenigen vor allem verpflichtet, die ihr den Zoll des Dankes abzutragen haben, diejenigen vor allem, die, wenn - sie den Entwicklungsgang der Anstalt verfolgen, zugleich auf die eigene Jugend zurückblicken. Erinnerungen freudiger Art steigen in uns auf, aber, da wir den Blick auf Vergangenes richten müssen, vermögen wir auch Gedanken' wehmütiger Art nicht zurückzudrängen. Von unseren Lehrern, zu denen wir verehrungsvoll aufblickton, von unseren Jugendgenossen, mit denen wir Freud und Leid der Schulzeit teilten, wie viele können sich dieses Tages nicht mehr freuen; sie sind dahingegangen, und „was vergangen, kehrt nicht wieder*. Es-wird in diesen Tagen der Blick gelenkt auf eine hundertjährige Entwicklung, auf eine ereignisreiche und ruhmreiche Geschichte.'. Der Geist der edlen Männer, welche die Anstalt gegründet haben, um eine Stätte deutscher Bildung zu errichten, um die heranwachsende Jugend zum rein und allgemein Menschlichen zu erziehen, er hat sieh vererbt von Geschlecht zu Geschlecht. Wie sie, dio die ersten Steine zusammengetragen, von dem edelsten Streben erfüllt waren, sn lebte das gleiche edle Streben, der gleiche ideale, dem Höchsten zugewandte Sinn in denen, die nach ihnen wirkten und lehrten. Das Wort war in ihnen lebendig, und Leben ging von ihnen ans. Sie wussten die Jugend, die ihnen anvertraut war, zu erfüllen mit dem Geiste der Hingebung für das Vaterland, mit dem Geiste der Bewunderung für alles, was das Menschengeschlecht Grosses und Erhabenes geleistet, mit dem Geiste der Achtung für anderes Denken und anderes Glauben, mit dem Geiste der Verehrung für alles Gute und Edle. So hat diese Anstalt, die, soweit sie der Erziehung der Knaben sich widmete, vornehmlich die Heranbildung für den kaufmännischen Beruf im Auge hatte, ohne ihre Schüler dem praktischen Leben zu entfremden, nein, indem sie sie ausrüstete und stark machte für dieses Leben, zugleich alle edleren Keime in ihnen zur vollen Entwicklung gebracht und sie befähigt, im späteren Leben auch für andere und für das grosse Ganze selbstlos zu wirken. Ja fürwahr, Generationen' um Generationen vordanken dieser Schule mehr als die Schätze der Bildung und des nützlichen Wissens, mit denen sie von ihr ausgestattet wurden — sie hat ihnen die iiiehtung fürs Leben gegeben, und viele, die heute geachtet und geehrt ihren Platz ausfüllen in Staat und Gemeinde, gedenken mit dem Gefühle warmen Dankes des Philanthropins und der Männer, die an ihm gewirkt haben. Wenn ich das hier, ausspreche, so weiss ich wohl, dass ich, da mich ein doppeltes Band mit der Schule verbindet, vielleicht nicht unbefangen genug bin, um hierzu berufen zu sein; aber da ich einmal die Ehre habe, an dieser Stelle zu stellen, so habo ich mich für verpflichtet gehalten, das zum