Programm
- Journal
- Programm
- Volume
- 1904
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 74% known words query
- IRI
…/3089693-3089764--0870-3091786- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 Die tei$ten Jal)rc bes jübifcl)en pfyUantfyräpins. 3TPif<^en (burd? Pertrag 3U Parts Pom 15. iebruar 1810), wefentlid) vergrößert, 3U einem Grofjhe^ogtum erhoben worben unb T)atte in bem (Drganifationspatent vom 11. 2luguft 1810 eine ber Jaonftitution bes Königreichs TDeftfaten nach* gebilbete Perfaffung erhalten. Sunt erften Tllale waren in biefer Perfaffung allen (Einwohnern bes Grofjhei^ogtums Sranjtfurt gleiche Rechte garantiert worben. Diefe Garantie würbe perwirkticht burd) bie am 28. Dejember 1811 in bem <5xo$)ev$oQÜd)en Regierungsblatt erfolgte Perkünbigung, „bafj bie Juben 311 Srankfurt a. TIT., infolge 2lblöfung ihrer Caften*) nunmehr gleiche bürgerliche Rechte unb Befugniffe mit ben d?riftiid)en Bürgern haben." Das Gefühlbes Glückes über biefen TPanbel ber Perhdttniffe, über bie Befreiung aus mel?r als taufenbjdfyriger (Emiebrigung unb Rechttofigkeit, war in jübifd?en Greifen unbe* fd)reiblid). (Mfenfyeimer jubelte auf, Tratte er boch, wie biefe gan3e Generation, felbft noc^ bas 0od) ber Jftnechtfchaft getragen. Daß er l?ier in Srankfurt leben burfte, hatte er tebigttch feinem Dienftperhdltnis 3U einem Schu^juben 3U bannen. Bei jeber 2lufnaJ?me eines fremben armen Jftinbes in bas p^itantT^ropiri, bei bem Ulieten eines Schullokales waren immer neue Schwierigkeiten 3U überwtnben. 2lts er, wefentlich 3ur Sörberung pon Jftuttur3wecken unter feinen Glaubens* genoffen, es im Jahre 1807 unternahm, l;ier eine Sreimaurerlöge 3U grünben, konnte es nur baburch bewirkt werben, baß er fte unter fran3öftfchen Schuij \te\üe. Unb nun gar erft, wie er nach feinem llustvitt aus bem Rothfchitbfchen Gefchdft fich perheiraten wollte, ein wie großer Gelbaufipanb, wie piel mühfetige, erniebrigenbe Schritte waren erforbertich, um bas 3U erreichen! 3c^t aber war biefer gan3e mittelalterliche IPuft enblich befeitigt. Die mit €xänen gefdt, ernteten nun mit 3ubel. Geifenheimer nahm bas eben erfchienene Regierungsblatt bes Großher3ogtums Srankfurt mit ber Perkünbigung bes ben Juben erteilten Bürger* rechts unb flickte es am 2. 3<muar 1812 burch (Eftafette nach Bingen mit folgenbem Brief: „Ceuerfter Pater! Über3eugt von bem Anteil, ben Sie an unferem Glück nehmen, überfchicke ich 3hnen beigehenb unfer Regierungsblatt, worin wir bas Bürgerrecht haben. €s koftet 3war Gelb, unb pielleicht mich 30 Carotin (= 594 HTark) auf meinen Ceti. Doch banke ich Gott bafür. Jn €it. 3hr Sohn S. G." So fd)rieb ber erfte Porftel?er bes Ph^an^ro;Pin5 > ocr Oberlehrer &eß aber wies in bem <£nbe 3artuar 1812 erschienenen Schutprogramm auf bie Pflicht ber Cltern unb ber Schule \)\n, bie Jftrdfte ber unter fo günftigen ftaat* liehen Perhdltniffen heranwachfenben Generation nach alten Richtungen tyn ^u *) Die jübifd)e (öemeinbe fycäte für bas Bürgerrecht ben 20 fachen Betrag bes Sfyufr gelbes, b. t. eine Summe t>on fl. 440,000 auf$ubxin$en; fte fpenbetc aufeerbem am 14. HTärä 1812 3um Dank für bie Befreiung 2000 fl. für bie milben Stiftungen ber Stabt. £ubir>ig (Seiger, Die (Erteilung bes Bürgerrechts an bie Juben in Sranfcfurt a. TIT., Seitfc^rift für (5efd?ic^te ber Juben in Deutfd)lanb V, 54. paul Darmftäbter, bas (5ro^er3ogtum 5ranftfurt, 5. § unb S- 261. Dr. *R. Jung, Die Stab.t Frankfurt a. HT. 3ur Seit ber Het>olutionsunb Befreiungskriege 1792-1816. 3af?rEmd? bes Sreien Deutfd)en ßoeftftifts 1902, S. 49.