Programm
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- Volume
- 1902
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 13)
- Language
- German
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Blankogesehäfte. Der Typus des Importgeschäftes, das, soweit der selbständige Handel eingreift, nur als Grosskandel denkbar ist, ist zwischen Nordamerika und Deutschland etwa der Folgende: Der Importeur in Hamburg oder Bremen findet morgens, wenn er aufs Kontor kommt, Depeschen aus New-York oder Bombay vor, worin ihm Anstellungen von Petroleum, Baumwolle u. s. w. für einen bestimmten Preis gemacht werden. Der deutsche Kaufmann kalkuliert genau, wie hoch ihm die Ware mit allen Kosten zu stehen kommt und schlägt einen kleinen Gewinn darauf. Für den so ermittelten Preis sucht er Käufer, findet dieselben vielleicht an der Börse, acceptiert noch von der Börse aus telegraphisch die Offerte des New-Torker oder Bombayer Hauses und betrachtet damit das Geschäft im wesentlichen als erledigt.1) Dem modernen Handelsbetriebe, dessen Streben darauf gerichtet ist, sich völlig vom Besitze der Waren zu emancipieren; konnten auch die. Märkte in ihrer alten Form nicht^mehr^genügen. Und auch die moderne Massenproduktion drängte zu einer Weiterbildung, der früheren Verkehrseinrichtungen; namentlich der Umstand, dass in gewissen Momenten grosse Warenmengen die Pro'duktionsstätten verlassen, machte eine Einrichtung notwendig, welche die jeweilig unver brauchbare Warenmenge aufnimmt und dem Konsum "zur geeigneten Zeit zuführt; es machte sich das Bedürfnis nach einem Reservoir geltend, in das sich die im Überschusse produzierte Warenquantität ergiessen und aus welchem der Händel bei Bedarf die Waren schöpfen konnte. Dieses Zusammenströmen setzt aber eine hervortretende Gleichwertigkeit in den einzelnen Warengattungen voraus; diese Voraussetzung ist durch die niodernen Produktionsverhältnisse thätsächlich 'gegeben; denn in je grösseren Mengen die Waren hergestellt werden, umsomehr^'muss das Individuelle gegenüber dem Generellen an den Produkten zurücktreten. Eigenheiten, welche der einzelne Käufer -der- Berücksichtigung wert hält, verschwinden im Gesamtverkehre fgegenüber den für die allgemeine Brauchbarkeit der Waren massgebenden. Die einzelnen Qualitäten unterordnen sich Klassen, dergestalt dass gleiche Warenmengen derselben Klasse gleichen Wert haben und einander vertreten können. Das neue Bindeglied zwischen Handel und Produktion, welches die verfügbare Warenmenge sammelt, um sie in die Adern des Verkehres zu leiten, ist die Börse.2) Sie kennt nicht die individuell sich bestimmenden Ansprüche des Konsumenten, sie kann die Waren nur nach ihrer allgemeinen Brauchbarkeit taxieren und schafft, um Vertragsschliessungen zu ermöglichen, Marktqualitäten oder Typen.- Vertretbarkeit der Waren-ist die charakteristische Eigenart des Börsenverkehres. Man kauft und verkauft an der Börse nicht vorgezeigte Mengen Kaffee oder Weizen, sondern bestimmte Quantitäten eines Typus. J) Barth, Wandlungen im Welthandel, S. 10. Berlin 1882. „ -) Nach Ehrenberg (Das Zeitalter der Fugger)) ist die Bezeichnung „Börse"von dem Namen der Patricierfamilie „van, der Burse" abzuleiten, welche vom 13. bis 16. Jahrhundert in Brügge lebte und ein Warenmagazin für fremde Kaufleute einrichtete. Später machten italienische Kaufleute Mas Haus zu ihrem Kaufhause und hielten in dessen unmittelbarer Nähe ihre täglichen geschäftlichen Versammlungen ab. Von dein Platze nun, welcher der erwähnten Familie den Namen Börse entlehnte, erhielten auch die Zusammenkünfte die Bezeichnung „Börse".