Programm
- Journal
- Programm
- Volume
- 1900
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3089693-3089756--0617-3091529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Uusern Schülern und Schülerinnen gehört das Beste, das wir in uns tragen, gehört die Arbeit unseres Lebens. Bei allein, Avas wir Lehrer lernen und erfahren, fragen wir uns, was wir davon für unsere Schüler verwerten können, auf Weg und Steg und in der Einsamkeit der Studierstube beschäftigen wir uns mit euch, meine lieben Schüler und Schülerinnen, zumeist natürlich in den Unterrichtsstunden, wo eure Aufmei^ksamkeit, eure Empfänglichkeit, das Aufleuchten, eures Verständnisses uns ermutigt und anregt Wie guten Menschen die Lehrer ihrer Jugend unvergesslich bleiben, so erheilen die Tüchtigkeit, Charakterfestigkeit, der Adel der Gesinnung unserer ehemaligen Schüler beglückend die Tage unseres Lebens bis in das Greisenalter hinein, lind so haben die Worte, die euer Mitschüler heute in eurem Namen zu mir gesprochen, mir wohlgethan, die sinnigen Gaben aber, die von euern Lehrern und euch mir überreicht worden sind, erfreuen mein Herz; sie werden mir oft und immer wieder Gelegenheit geben jeden von euch, euren, Lehrern und Lehrerinnen mir im Bilde zu vergegenwärtigen. Also herzlichsten Dank1. Zum Schluss wende ich mich an Sie, meine hochgeehrten Kollegen von den hiesigen höheren Schulen. Ich danke Ihnen für Ihr heutiges Erscheinen und Ihre so warme, freundliche Begrüssung. Unsere zwanglose "Vereinigung ist durch den freien Gedankenaustausch über alle Angelegenheiten unseres Pflichtenkreises jeder einzelnen unserer Schulen gleich massig förderlich. Mir persönlich aber, als dem leider Ältesten unter Ihnen sind aus diesem beneficium tlebile in den letzten Jahren bei" wiederholten Anlässen von Ihrer Seite Ehrungen erwachsen, die mir unvergesslich bleiben. Der warme Herzenston, der heute in Ihrem Auftrage an mich gerichteten Ansprache des Herrn Kollegen Reinhardt befestigt in mir die Gewissheit der Fortdauer unserer,, mir so wertvollen guten Beziehungen und lässt mich h'offen, dass Sie auch in Zukunft dem Philanthropin Ihr Interesse erhalten werden. Empfangen Sie meinen herzlichen Dank! Und nun noch sein Wort über diese Schule! Ich kaun von ihr nicht scheiden, ich hätte sie denn gesegnet. — . . Es liegt in den allgemeinen Verhältnissen, dass bei der Gleichheit der für alle Realschulen vorgeschriebenen Lehrpläne diese Schule doch aus der Schablone heraustritt. Man kann ihr Wirken nur würdigen, wenn man es im Zusammenhang mit den Zeitverhältnissen betrachtet. Ich scheide von der Schule als der dritte in der Reihe ihrer Leiter an der Wende des Jahrhunderts. Im Anfange dieses Jahrhunderts wurde das Philanthropin gegründet Wie war es damals" mit dem geistigen Leben der Juden, mit ihren Schulen, ihrem Erziehungswesen bestellt? Das geistige Leben der Juden war zu keiner Zeit ganz erloschen. Auch in den trübsten Zeiten,'lag man im Ghetto den Studien ob. Die allgemeine Schulpflicht bestand •bei den Juden auch im Mittelalter, das für sie bekanntlich erst mit der französischen Revolution zu schwinden begann. Aber mit ganz vereinzelten Ausnahmen waren die Studien ausschliesslich dem religiösen Schriftentum zugewandt und auch der elementare Schulunterricht beschränkte sich auf die Lektüre des Pentateuch und einiger Scholien zu demselben^ sowie etwa auch auf die Einführung in das Verständnis eines religionsgesetzlichen