Programm
- Journal
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- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 46)
- Language
- German
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— 22 — IV. Chronik. Das Schuljahr begann Montag den 14. April 1890 mit der Prüfung und Aufnahme der neuangemeldeten Schüler und Schülerinnen; die feierliche Eröffnung des Unterrichts erfolgte Dienstag den 15. April Vormittags 7 Uhr. Am 18. April nach Schluß des Vormittagsunterrichts begrüßte das Lehrerkollegium den em. Kollegen Herrn Adolph Teblse zu seinem siebzigsten Geburtstage. Möge unserm Freunde, der seine wohlverdiente Muße ganz in den Dienst gemeinnütziger Thätigkeit gestellt hat, in Gesundheit und Geistesfrische die Fülle der Jahre beschieden sein! Am 8. Mai wurde bei schönstem Wetter in üblicher Weise das Maifest begangen. Pfingstferien waren vom 25. bis 23. Mai. Der Todestag, ebenso der Geburtstag Kaiser Friedrichs (15. Juni und 18. Oktober) wurden als vaterländische Gedenktage gefeiert. Die Sommerferien dauerten vom 6. Juli bis incl. 3. August. Am 18. und 19. August wurde wegen großer Hitze der Nachmittagsunterricht ausgesetzt. Am 30. August erlitt unsere Schule durch den plötzlichen Tod des ordentlichen Lehrers Louis Müller einen überaus schmerzlichen, unersetzlichen Verlust. Noch am 29. August war der von uns allen geliebte und verehrte Kollege in gewohnter Weise in unserer Schule thätig, tags darauf ereilte ihn, als er eben auf dem Rückwege von einem Besuch in dem benachbarten Soden mit seiner Gattin in dem Eisenbahnwagen Platz genommen hatte, plötzlich der Tod. Die Trauerkunde erweckte hier weit über den Kreis unserer Schule hinaus die schmerzlichste Teilnahme. Am 2. September wurde er unter großer Beteiligung zur ewigen Ruhe geleitet. An seinem Grabe gaben Herr Konsistorialrat Pfarrer Basse und der Unterzeichnete dem Schmerz um den treuen Lehrer und edelgesinnten Mann tief empfundenen Ausdruck. Am folgenden Tage vereinigten sich nach Schluß des Vormittagsunterrichts die Schüler und Schülerinnen, das Lehrerkollegium, Vertreter des Schulrats und die Söhne des Heimgegangenen im Turnsaale zu einer Gedächtnisfeier; der Direktor hielt die Gedenkrede; mit einem Choral wurde die Feier eingeleitet und geschlossen. Georg Ludwig (Louis) Müller wurde am 23. April 1827 zu Hochstätten an der Bergstraße geboren. Er war der Sohn eines Lehrers und wurde zu dem gleichen Berufe auf dem großherzoglichen Seminar in Friedberg vorgebildet. Ostern 1848 begann er seine Lehrtätigkeit an dem Krichtenschen Znstitute in Darmstadt, Ostern 1849 wurde er als Volksschullehrer in Neu-Isenburg angestellt, 1851 wurde er an unsere Schule berufen, wo er ununterbrochen bis an sein Lebensende gewirkt hat. Louis Müller war ein sinniger Mann, mit seinem Verständnis für Musik und Poesie, mit angeborenem Schönheitssinn und besonderer Begabung für den Lehrberuf. In ernster Arbeit und steter Pflichterfüllung sind diese natürlichen Anlagen in seiner Lehrthätigkeit und in den von ihm geschaffenen Lehrmitteln*) zu wohlthuendem Ausdruck gekommen. Er hat sich als Lehrer und Kalligraph einen weithin geachteten Namen erworben. Auf der Wiener Weltausstellung wurden seine Schreibvorlagen und die Schriften unserer Schüler und Schülerinnen aus dem Jahre 1872/73 mit dem Anerkennungsdiplom ausgezeichnet.**) ^) Es sind von Louis Müller erschienen: 1) deutsche und englische Schreibvorlagen in 10 Heften bei Moritz Diesterweg in Frankfurt a. M. 1867. (Preisgekrönt Wien 1873. Siehe Programm unserer Schule 1874 S. 36.) 2) Rundschriften bei Jul. Maier in Stuttgart 1875. 3) Vierzig Schreibvorlagen in Geschäftsformularen und Briefen bei Jul. Mai er in Stuttgart 1875. 4) 10 Schönschreibhefte mit deutschen und englischen Vorschriften bei Wilhelm Fuchs in Frankfurt a. M. 1879. **) In dem offieiellen Ausstellungsberichte Gruppe 26 S. 7 heißt es: „Wie in allen Fächern des Volksschul- Unterrichts war das deutsche Reich auch mit vielfachen Methoden für den Schreibunterricht auf unserer Weltausstellung