Programm
- Journal
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- Volume
- 1890
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 21)
- Language
- German
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_ 22 IV. Chronik der Schule. 1. Beränderte Benennung der Schule. Unsere Schule, welche bisher „Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde" benannt wurde, heißt, wie der Titel unseres Programms zeigt, nunmehr „Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin)". Einige geschichtliche Angaben mögen diese Namensänderung erläutern. Von ihrer Begründung am 1. Januar 1804 bis zum August 1813 hieß unsere Schule „Philanthropin", ein Name, welcher ihr im Volksmunde bis auf diesen Tag geblieben ist. Bei der Neuordnung des Schulwesens im Großherzogtum Frankfurt wurde das Philanthropin unter dem Namen „Vürger¬ und Realschule für die israelitische Gemeinde" in die vom Staate subventionierten öffentlichen Schulen des Großherzogtums eingereiht. Diese neue, aus dem Philanthropin hervorgegangene Schulanstalt, welche am 13. August 1813 eröffnet wurde, bestand aus einer Knabenschule mit fünf Klassen und je zweijährigem, also zusammen lOjährigem Kursus und einer vierklassigen Mädchenschule mit achtjährigem Kursus; in der Knabenschule wurden die 3 unteren Klassen als „Elementarklassen" oder auch als „Bürgerschule", die beiden oberen Klassen als „Realschule" bezeichnet. Mit der Knabenschule sowohl wie mit der Mädchenschule war eine Volksschule verbunden, in welcher die unbemittelte Jugend teils gegen ein unbedeutendes Schulgeld, teils unentgeltlich unterrichtet wurde.*) Von dieser Einrichtung rührt es her, daß die Schule, welcher übrigens mit der Wiederherstellung der freien Stadt Frankfurt (14. Dezember 1813) die staatliche Unterstützung entzogen wurde, bald den Namen „Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde" annahm.**) Die Frequenz der Volksschule minderte sich im Laufe der Zeit; sie sank am Ende des Schuljahres 1853/54 auf 8 Schüler. Diese wurden im Beginn des neuen Schuljahres, im April 1854, in die Realschule aufgenommen, und die Volksschule hörte auf. Obgleich nun seitdem eine entsprechende Namensänderung der Schule wiederholt erwogen wurde, so ist dieselbe doch erst infolge einer von dem Königlichen Provinzial-Schulkollegium gegebenen Anregung erfolgt. Aus Anlaß der Prüfung der von dem Schulrat zur Bestätigung eingereichten neuen Pensionsordnung warf nämlich das Königliche Provinzial-Schulkollegium in einer Verfügung vom 23. Januar 1889 die Frage auf, ob nicht, nachdem bereits im Jahre 1854 die mit der Realschule früher verbundene Volksschule eingegangen sei, die projektierte neue Pensionsordnung als nur für die an der Realschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. definitiv angestellten Lehrer und Lehrerinnen zu bezeichnen wäre. Dieses gab dem Schulrat den Anlaß, unter Zustimmung der Gemeindebehörden, die seitherige Benennung der Schule „Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde" in „Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin)" abzuändern; der Zusatz Philanthropin wurde in Erinnerung an die ursprüngliche und im Volksmunde noch immer geläufige Benennung der Schule zum Zweck besserer Unterscheidung von Näheres findet sich in meinen Abhandlungen „Zur Geschichte der Schule" I u. II in den Programmen unserer Schule 1868 und 1875, serner L. Wiese, das höhere Schulwesen in Preußen II, 488 ff. — Das jährliche Schulgeld betrug 1814 in der Knabenschule: I. (unterste) Klasse sl. 24, II. Kl. fl. 40, III. Kl. fl. 50, IV. Kl. fl. 66, V. Kl. fl. 75, in der Volksschule fl. 12. In der Mädchenschule: I. Kl. fl. 30, II. Kl. fl. 40, III. Kl. fl. 50, IV. Kl. fl. 60. Volksschule fl. 8. **) Dieser Name findet sich in den Protokollen des Schulrates schon im August 1813, ans dem Titel des Schulprogrammes erscheint er zuerst 1819, dann in der Schulordnung von 1822, um dann ganz willkürlich zu wechseln, z. B. Programm 1849 Bürger- und Realschule. 1850 Real- und Volksschule, 185! israelitische Realschule u. s. w.. erst seit 1869 wurde die Bezeichnung Real- und Volksschule festgehalten.